Angebot soll Mädchen und Frauen helfen

Stadt stellt Spender für Tampons und Binden auf

Kämmerer und Stadtdirektor Sven Wiertz.
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Kämmerer und Stadtdirektor Sven Wiertz.

Pilotprojekt gegen „Periodenarmut“ kostet 15 000 Euro pro Jahr.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Stadt Remscheid wird im Rahmen eines Pilotprojektes ein Jahr lang Menstruationsprodukte wie Tampons und Binden kostenfrei zur Verfügung stellen. Dafür werden in den kommenden Wochen entsprechende Spender in den Damen-Toiletten von mehr als 40 Verwaltungsgebäuden, Bibliotheken, der von der Stadt betriebenen Arztpraxen und aller weiterführenden Schulen angebracht.

„Das Gebäudemanagement wird die Spender installieren, sobald das Material da ist“, erklärt Kämmerer Sven Wiertz auf RGA-Anfrage. Durch die inzwischen schon fast üblichen Lieferprobleme könne es allerdings sein, dass der eigentlich angepeilte Start zum 1. September verpasst werde. Anschließend werde die Verwaltung beobachten, ob und wie das Angebot genutzt werde, so Wiertz. „Nächstes Jahr können wir dem Rat dann berichten, wie es insgesamt gelaufen ist.“

Beschlossen hatte das Pilotprojekt der Stadtrat im Juni einstimmig, zurück geht der Antrag auf einen Vorschlag der CDU im Hauptausschuss Mitte Januar. „Die plötzlich auftretende Periode kann zum Beispiel für Mädchen eine unliebsame Überraschung darstellen“, begründeten die Christdemokraten ihren Vorstoß damals unter anderem. Zudem sei das Thema nach wie vor „schambesetzt“. Vor allem aber verwies die CDU auf die Kosten: „Manchen Mädchen und Frauen fehlen die finanziellen Mittel für die Periodenprodukte.“

Lesen Sie auch: Menstruation ist noch immer ein Tabu

Experten sprechen von etwa 15 Euro Kosten im Monat. Da sich das nicht jede Frau oder jedes Mädchen leisten könne, würden teilweise Stoffreste oder ähnliches verwendet, was gesundheitliche Risiken mit sich bringe. Andere Betroffene zögen sich in der Zeit der Periode aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. So dass sich in Fachkreisen längst der Begriff der „Periodenarmut“ eingebürgert hat. In Schottland zum Beispiel wurde 2020 ein Gesetz erlassen, dass in öffentlichen Gebäuden kostenfreie Menstruationsprodukte zur Verfügung gestellt werden müssen.

In Remscheid rechnet die Stadt für die einjährige Testphase mit Kosten von etwa 15 000 Euro, die aus dem Sachaufwandsbudget des Gebäudemanagements geleistet werden sollen. „Aufgrund der aktuellen Baupreis- und Energiekostenentwicklung kann jedoch die weitere Budgetentwicklung nicht abschließend eingeschätzt werden“, schränkt die Verwaltung in ihrer Vorlage ein. So könne es notwendig werden, dass der Rat im Laufe des Jahres weitere Mittel zur Verfügung stellen muss.

Im westfälischen Hamm läuft ein ähnliches Pilotprojekt schon seit Ende des vergangenen Jahres, begleitet von einer Hochschule und unterstützt von der Stiftung des Hygienepapier-Herstellers Wepa aus Arnsberg. 

Standpunkt von Sven Schlickowey: Kein Luxus

sven.schlickowey@rga.de

Das Thema Periodenarmut steht sicherlich nicht ganz oben auf der öffentlichen Agenda, was angesichts von Corona, Klimakatastrophe und Krieg wohl auch verständlich ist. Doch bei den derzeitigen Preissteigerungen gewinnt dieses Problem enorm an Bedeutung.

Dass der Mehrwertsteuersatz für Binden und Tampons 2020 von 19 auf sieben Prozent gesenkt wurde, also auf den Satz, der zum Beispiel auch für Schnittblumen gilt, war ein längst überfälliger Schritt. Schließlich ist Periode kein Luxus, wie die Petition, die zur Senkung führte, damals schon feststellte.

Doch auch jetzt noch fallen bei einem Branchenumsatz von etwa 660 Millionen Euro pro Jahr über 45 Millionen Euro Umsatzsteuer an, fast die Hälfte davon für den Bundeshaushalt. Wäre es nicht schön, wenn davon Pilotprojekte wie die in Hamm und Remscheid, beide Städte sind mit dreistelligen Millionenbeträgen verschuldet, finanziert würden?

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