Verwaltung

Stadt Remscheid sucht den Führungsnachwuchs

Rund 300 Mitarbeiter der Verwaltung inklusive Technischen Betriebe werden bis 2031 altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden.
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Rund 300 Mitarbeiter der Verwaltung inklusive Technischen Betriebe werden bis 2031 altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden.

Zahlreiche Fachdienst- und Amtsleiter in der Remscheider Verwaltung gehen bald in den Ruhestand.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ob Ordnungs-, Gesundheits- oder Wahlamt – zahlreiche Abteilungen in der Remscheider Stadtverwaltung brauchen in den kommenden Monaten einen neuen Chef. Oder eine neue Chefin. Denn die aktuellen Fachdienst- und Abteilungsleiter gehen bald in den Ruhestand. Eine Information für den Stadtrat zeigt: Rund 300 Mitarbeiter der Verwaltung inklusive Technischen Betriebe werden bis 2031 altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden. Darunter mehr als ein Dutzend Abteilungsleiter. Und noch einmal fast so viele Fachdienstleiter.

Wahlkoordinator Bernd Hoffmann.

Damit ist Remscheid nicht alleine. Wie in vielen Bereichen fehlen auch in der Verwaltung Fachkräfte. Über 300 000 Stellen im öffentlichen Dienst sind derzeit nicht besetzt, hat der Beamtenbund ausgerechnet, rund die Hälfte davon in kommunalen Verwaltungen. Bis 2030 könnte diese Zahl auf mehr als 800 000 anwachsen, prophezeit die Unternehmensberatung PWC in einem Bericht. In dem auch zu lesen ist: „Der schärfste Wettbewerb (...) zeigt sich bei Gesundheitsberufen, MINT-Berufen und Führungskräften.“

Remscheid: Nachbesetzung wird ein dreiviertel Jahr vorher angestoßen

In den kommenden Monaten und Jahren so viele Führungskräfte zu ersetzen, sei durchaus eine Herausforderung, treffe die Stadt aber nicht unvorbereitet, sagt Jörg Biermann, Leiter des Personalamtes. „Bei solch wichtigen Stellen beginnen wir mindestens ein dreiviertel Jahr vorher mit der Nachbesetzung“, berichtet er. Am liebsten mit Leuten aus dem eigenen Haus.

Udo Wilde, Abteilungsleiter Verkehrstechnik bei den Technischen Betrieben Remscheid.

Damit genügend Bewerber zur Verfügung stehen, biete man den Mitarbeitern eine sogenannte modulare Qualifikation an, mit der sie berufsbegleitend die notwendigen Voraussetzungen für Führungsaufgaben erwerben können, erklärt Biermann. „Das machen wir inzwischen auf Vorrat.“ Und zwar auf Drängen des Personalrates, wie dessen Vorsitzender Torsten Helbig betont. Er freut sich, dass sich die Stadt inzwischen bei der Entwicklung von Führungskräften engagiert. Sagt aber auch: „Damit hätte man deutlich früher anfangen müssen.“

Jürgen Beckmann, Chef des Ordnungsamtes.

Es sei durchaus möglich, dass Führungspositionen in der Remscheider Verwaltung zukünftig länger unbesetzt bleiben, befürchtet Helbig. Auch weil in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet wurde. „Die Leute, die jetzt gehen, gehören zu den Baby-Boomern, da waren teilweise 15, 20 Leute in einem Ausbildungsjahrgang“, sagt der Personalratsvorsitzende. „In meinem Jahrgang waren wir zu viert.“ Nun räche sich die Sparpolitik der zurückliegenden Jahre.

Außerdem seien immer weniger Mitarbeiter daran interessiert, Karriere zu machen, hat Helbig beobachtet. Da spiele auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle, zumal inzwischen deutlich mehr Frauen bei der Stadt arbeiten. „Führen in Teilzeit ist immer noch ein Problem, das muss sich ändern“, sagt Torsten Helbig. Und wünscht sich zudem einen Betriebskindergarten für die Stadt. Wie es ihn in Solingen schon gibt.

Dr. Frank Neveling, Chef des Gesundheitsamtes in Hasten.

Während der Oberbürgermeister direkt von den Bürgern und die Dezernenten vom Stadtrat gewählt werden, ist die Nachbesetzung von Führungskraft-Stellen eine verwaltungsinterne Angelegenheit. „Formal ist das immer das gleiche Vorgehen, egal, ob es um eine Sachbearbeiter- oder eine Fachdienstleiter-Stelle geht“, erklärt Jörg Biermann. Das sei, mit Ausnahmen beim Rechnungsprüfungs- und beim Jugendamt, ausdrücklich keine politische Entscheidung.

„Formal ist das immer das gleiche Vorgehen, egal, ob es um eine Sachbearbeiter- oder Fachdienstleiterstelle geht.“

Jörg Biermann über die Besetzung freier Stellen in der Verwaltung

Der „Grundsatz der Bestenauslese“ nach objektiven Kriterien sei im Beamtenrecht verankert, sagt der Personalamtschef. Alle Entscheidungen müssten juristisch belastbar sein, weil unterlegene Bewerber klagen können: „Es kommt vor, dass der ganze Bewerbungsprozess vor Gericht offen gelegt werden muss.“ Solche Verfahren könnten Monate dauern. „Daran haben wir natürlich kein Interesse.“

Also greifen Jörg Biermann und seine Kollegen auf Bewertungen zurück und gleichen die Voraussetzungen des Bewerbers anhand einer Matrix mit dem Anforderungsprofil der Stelle ab. Zudem wird das sogenannte Statusamt beachtet: Mitarbeiter mit einer höheren Besoldungs- oder Entgeltgruppe werden für höherwertige Tätigkeiten bevorzugt. „In vielen Fällen steht dann schon relativ früh fest, welchem Bewerber die freie Stelle zusteht.“

Hintergrund

Zählt man alle Saisonkräfte, Aushilfen und befristeten Stellen mit, arbeiten bei der Stadt inklusive der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung Technische Betriebe (TBR) in der Spitze annährend 2300 Menschen. Das macht die Stadt zu einem der größten Arbeitgeber in Remscheid.

Standpunkt

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Bald wird im Remscheider Rathaus altersbedingt ein Job frei, von außen betrachtet ein durchaus attraktiver: Chef einer großen Abteilung, die zuletzt sogar noch gewachsen ist, verbunden mit dem entsprechenden Status und wohl auch einer angemessenen Vergütung. Die gute Nachricht: Die Stadt wird die Stelle wohl nahtlos besetzen können, es gibt zwei interne Bewerber. Die schlechte Nachricht: Es gibt nur zwei Bewerber. Für einen Job, um den sich früher das halbe Rathaus gebalgt hätte. Wenn die Stadtverwaltung ihre Top-Stellen schon anbieten muss wie sauer Bier, muss sich etwas ändern. Wenn private Arbeitgeber im längst begonnenen Kampf um Talente aufgerüstet haben, um die wirklich guten Leute zu bekommen, wird die öffentliche Hand das auch tun müssen. Auch wenn das unser aller Geld kostet. Schließlich ist die Verwaltung auch für alle da. Und kann, anders als private Unternehmen, nicht einfach Abteilungen schließen oder Aufgaben abgeben, wenn nicht genug Personal da ist.

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