Müll

Stadt Remscheid nimmt Imbissbetreiber in die Pflicht

Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes und der Technischen Betriebe suchten den Dialog mit den Imbissbetreibern (v. l.): Oliver Sommavilla, Dietmar Schoon, Manolya Yemelek und Matthias Liese. Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke begleitete die Aktion. Foto: Roland Keusch
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Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes und der Technischen Betriebe suchten den Dialog mit den Imbissbetreibern (v. l.): Oliver Sommavilla, Dietmar Schoon, Manolya Yemelek und Matthias Liese. Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke begleitete die Aktion.

TBR und Kommunaler Ordnungsdienst sagen vermüllten Zentren den Kampf an.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Seit einem Jahr ist Dietmar Schoon bei den Technischen Betrieben Remscheid (TBR) im Bereich Straßenreinigung tätig. „Wenn man morgens die Mülleimer auf der Alleestraße leert, sind sie abends wieder voll“, erzählte er. Das gelte speziell für den Bereich um den Markt. Dort fällt besonders viel Abfall an, weiß Schoon aus eigener Anschauung. Damit die Behälter nicht überquellen und die Zentren nicht vermüllen, haben die TBR und der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) am Donnerstag Imbissbetreiber in Alt-Remscheid und Lennep auf ihre Pflichten beim Sauberhalten der Stadt hingewiesen.

„Immer wieder erhalten wir Klagen, dass es in Remscheid unsauber sei“, heißt es in dem Flyer für die Gewerbetreibenden. Als Beleg für diese Behauptung werden demnach häufig Reste von Speisen und Getränken aus Gaststätten und Imbissbetrieben herangezogen. „Deshalb haben wir uns bereits vor einiger Zeit an die Betreiber gewendet. Das muss man allerdings immer wieder auffrischen“, sagte Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU).

„Es ist in meinem Interesse, dass es hier sauber ist.“
Hans Wiemer, Betreiber des Imbisses „Beim Hennes“

Die „Ordnungsbehördliche Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ legt fest, worauf die Betreiber von Imbissen und Schnellrestaurants achten müssen. Zu ihren Pflichten gehört unter anderem das Aufstellen eines Mülleimers sowie dessen tägliche Leerung. Zudem sind sie verpflichtet, im Umkreis von 50 Metern Rückstände, die mit ihrem Betrieb zu tun haben, zu entfernen. Wer das nicht macht, dem drohen Geldbußen bis zu 1000 Euro. „Bei der Aktion geht es uns heute aber nicht um Sanktion, sondern Information“, betonte Matthias Liese vom KOD.

Mit seinen Kollegen Manolya Yemelek und Oliver Sommavilla sowie den TBR-Mitarbeitern Dietmar Schoon und Ulrich Dreesen suchte er das Gespräch mit den Betreibern. Die zeigten sich kooperativ. „Wenn es diese Regeln gibt, rüsten wir natürlich nach“, sagte etwa Ibrahim Yalcinkaya. Seine Familie betreibt seit rund zwei Jahrzehnten den Imbiss „Divan-Döner“ am Markt.

Besuch von TBR und KOD bekam auch Hans Wiemer. Rund um seinen Imbiss „Beim Hennes“ an der Alleestraße gab es nichts zu beanstanden. Ein Mülleimer für Kunden steht bereit, außerdem sammele er regelmäßig Abfall im Umfeld auf. „Es ist schließlich auch in meinem Interesse, dass es hier sauber ist“, erklärte Wiemer.

Wenngleich er sich wünschen würde, dass die Kehrmaschine häufiger auf der Allee unterwegs ist, schätzt er die dortige Müll-Situation nicht als grundsätzlich problematisch ein. Auch Matthias Liese betonte: „Ich würde nicht sagen, dass Remscheid eine dreckige Stadt ist.“ Der KOD-Mitarbeiter betonte zudem, dass die Imbiss-Abfälle freilich nicht die einzige Quelle für Müll in der Innenstadt sind. Trotzdem sei es wichtig, immer wieder präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Laut Angaben der TBR gibt es auf und rund um die Alleestraße zurzeit 110 Straßenpapierkörbe. Am Markt und in dessen Umfeld kommen 44 hinzu, in Lennep auf der Kölner Straße sind es 26. TBR- Trupps leeren sie von montags bis samstags zweimal täglich, erklärte Ulrich Dreesen, Bereichsleiter bei den TBR.

Zuletzt habe man vermehrt festgestellt, dass die Behälter überfüllt waren. Damit die Kapazitäten ausreichen, sei es hilfreich, dass die Gäste von Imbissbuden ihre Abfälle direkt bei den Betrieben entsorgen können. Mehr öffentliche Papierkörbe aufzustellen, das hatte die Stadt bereits im Vorfeld der Aktion verdeutlicht, würde zu höheren Abfallgebühren führen.

Den ersten sichtbaren Effekt zeigte die Aktion schnell. Irfan Kocak vom Imbiss „City Döner“ nahe des Allee-Brunnens stellte nach dem Gespräch mit KOD und TBR einen Mülleimer vor den Betrieb. Er betonte: „Ich wusste nicht, dass ich das muss. Ich befürworte aber natürlich, wenn es hier sauber ist.“

Bericht

Der aktuellste Abfallwirtschaftsbericht der Technischen Betriebe Remscheid liegt für das Jahr 2018 vor. Damals wurden in der Stadt 216 788 Papierkorbleerungen gezählt. Hinzu kamen 35 199 Arbeitsstunden für maschinelle und manuelle Straßenreinigung. Das entspricht rund 1460 Tagen. 2017 lag die Zahl der Papierkorbleerungen noch bei etwa 192 400.

Standpunkt 

michael.albrecht@rga-online.de

Ein Kommentar von Michael Albrecht

Die Klagen über verdreckte Innenstädte sind nicht neu. Überall regen sich die Leute auf, wenn achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, ausgespuckte Kaugummis oder Pommes-Schalen die Straßen verschandeln. Irgendjemand macht das schon weg, scheint eine um sich greifende Auffassung zu sein. Dieser Irgendjemand sind die Mitarbeiter der TBR, die den Remscheidern den Dreck wegräumen. Dafür gebührt ihnen sehr viel Respekt. Aber die Wurzel des Übels sind die Bürger selbst, die achtlos ihren Müll auf den Straßen, in den Grünanlagen oder im Wald hinterlassen. Da können noch so viele Müllbehälter und Papierkörbe aufgestellt werden. Dabei ist es gleichgültig, ob es 110 oder mehr sind. Schließlich lernen schon die Kinder im Kindergarten oder der Schule, dass Abfall nicht einfach in die Gegend geschmissen werden darf. 

Das gehört sich nicht. Deshalb ist ein Umdenken erforderlich. Allerdings scheint das nicht auf freiwilliger Basis zu funktionieren, sonst hätte sich das Problem längst erledigt. Nur drastische Strafen, wie etwa in Singapur, scheinen zu wirken. Aber wollen wir das wirklich?

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