Kein Elternbeiträge für April

Stadt Remscheid entlastet Kita-Eltern

Peter Nowack, im Jugendamt für Kitas zuständig. Foto: AWe
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Peter Nowack, im Jugendamt für Kitas zuständig.

Junge Familien zahlen im kommenden Monat keine Beiträge. Beirat begrüßt die Maßnahme.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Stadt verzichtet im April auf die Elternbeiträge für Kitas, Kindertagespflege und die OGS. Junge Familien sollen damit in einem Gesamtvolumen von 530 000 Euro kurzfristig entlastet werden. Dies gilt auch für die Essensgelder in den städtischen Kitas. Für nicht-städtische Einrichtungen wird in diesem Punkt eine Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Träger empfohlen. „Von dieser Regelung ist die Bezahlung von Beitragsrückständen aus dem Vorjahr oder den Vormonaten nicht betroffen. In diesen Fällen kann jedoch ein Antrag auf Stundung an die Stadtkasse gerichtet werden“, teilte Stadtsprecherin Viola Juric am Mittwoch mit.

Das Entgegenkommen aus dem hiesigen Rathaus folgt einer Linie, die viele Städte NRWs eingeschlagen haben. Befürwortet wird sie vom Jugendamtselternbeirat, dessen Vorsitzende Marco Marquard und Miriam Wetzel zuvor ein Schreiben an OB Burkhard Mast-Weisz gerichtet hatten, mit der Bitte, ohnehin enorm unter Druck stehende Familien finanziell zu entlasten.

Derweil ist der Ansturm auf die Kitas nach der Lockerung für die Notbetreuung ausgeblieben. Waren es vergangene Woche 65 Kinder, deren beider Eltern in systemrelevanten Berufen tätig waren und einen Platz benötigten, waren es Montag 70 und Dienstag 86. Der Anstieg nach der Neuregelung, die es erlaubt, dass ein Elternteil als Schlüsselperson ausreicht, hält sich in Grenzen. „Es zeigt, wie verantwortlich die Eltern mit dieser extrem schwierigen Situation umgehen“, urteilt Peter Nowack, Kita-Koordinator im Jugendamt.

Kein Bedarf bei Eltern von Kindern, die noch keinen Platz vorher hatten

Die Erleichterung zeigt sich bei den Verantwortlichen vor allem in einem Punkt: Theoretisch hätten seit Montag auch Kinder, die keine Kita oder Tagespflege besuchen, einen Anspruch auf Unterbringung. „Aus dieser Richtung gab es keinen Bedarf“, stellt Nowack fest. Mit den städtischen Kitas Königstraße, Dicke Eiche und Hasenberg wären dafür momentan geschlossene Einrichtungen zur Verfügung gestellt worden. Das Fachpersonal ist froh, dass es vorerst nicht so kommt. Denn Kinder, die nie eine Kita besucht haben, benötigen eine behutsame, mehrwöchige Eingewöhnung. „Dass Eltern ihre Kinder in andere Hände geben, will gelernt sein“, meint Nowack. Für ihn ist jetzt wichtig: „Dass es nicht noch einen Richtungswechsel vom Land gibt, dass wir beim Status quo bleiben.“

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Die plötzliche Kehrtwende, Freitagabend um 20.26 Uhr von der Landesregierung postuliert, hatte für ein arbeitsames Wochenende im Jugendamt gesorgt, bei dem erneut 4000 Mails rausgeschickt und ungezählte Telefonate und Mails besorgter Eltern beantwortet werden mussten. „In den Kitas wurden alle Systeme, die eine Woche zuvor auf Anweisung von oben auf fast null runtergefahren worden waren, von jetzt auf gleich hochgefahren“, stellt Nowack fest.

Auch Erzieher und Erzieherinnen wussten nicht mehr, woran sie waren. Was die Lage am Montag unüberschaubar machte, war, dass die Einrichtungen nicht absehen konnten, wie viele zusätzliche Eltern die aufgeweichte Notbetreuungsregelung in Anspruch nehmen würden. 

STANDPUNKT Der saure Apfel

Von Andreas Weber

Öffentlich werden Treffen von mehr als zwei Personen hart bestraft, in den Kitas hingegen wird eine andere Messlatte angelegt. Durften in der Notbetreuung zunächst Kleingruppen von zwei oder drei nicht überschritten werden, korrigierte das Land diese Zahl nach oben.

Bis zu fünf Kinder dürfen es seit Montag pro Gruppe sein. Diese Entscheidung sorgt für Kopfschütteln und Ängste. Denn das Fachpersonal setzt sich im Kita-Alltag einem höheren Risiko aus. 

Abstand halten ist im Gruppenraum schlicht unmöglich. Auf die Erzieher wird eine weitere spannende Frage zukommen. Da viele Eltern ihre Urlaubstage gerade aufgrund von Corona ungeplant opfern, werden sie bei der meist dreiwöchigen Schließung im Sommer vor einem Riesenproblem stehen. Gut möglich, dass die Ferienschließungen aufgehoben werden, das Kita-Personal in den sauren Apfel beißen und an anderer Stelle im Jahr eigenen Urlaub nehmen muss.

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