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OB reagiert auf Kritik an neuen Allee-Laternen

Die Bauarbeiter der Firma Karl Zangerl aus Solingen graben sich gegenwärtig auf der Allee voran. Hier sind Nikolaos Georgiadis, Grigorios Prinos und Rolf Könen im Einsatz.
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Die Bauarbeiter der Firma Karl Zangerl aus Solingen graben sich gegenwärtig auf der Allee voran. Hier sind Nikolaos Georgiadis, Grigorios Prinos und Rolf Könen im Einsatz.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Bauarbeiter ersetzen alte Beleuchtung. Burkhard Mast-Weisz verteidigt neue Laternen für die Allee. Vor Weihnachten sollen die Herrnhuter Sterne wieder aufgehen.

Update, 13. September, 15.24 Uhr - OB wehrt sich: „Ändert sich was, ist es auch wieder falsch“

Remscheid. Oberbürgermeister Burkhard-Mast-Weisz (SPD) verteidigt die neuen Laternen für die Alleestraße gegen Kritik. Die neuen Lampen sollen „das Bild der Alleestraße deutlich verbessern, genauso wie die neuen Bänke“, schreibt das Stadtoberhaupt auf der RGA-Facebook-Seite: „Seit Jahren wird kritisiert, dass nichts am Bild der Alleestraße gemacht wird. Jetzt ändert sich etwas – und das ist auch wieder falsch.“

Zuvor hatten Leser die Erneuerung der Beleuchtung, über die der RGA berichtet hatte, als zu teuer kritisiert: „Mal ganz ehrlich, Stadt Remscheid beziehungsweise Herr Mast-Weisz, ist das euer Ernst? Es werden in der Alleestraße 55 Laternen für 1,5 Millionen Euro installiert und in den Turnhallen und auf den Sportplätzen wird den Kindern und Mitgliedern das warme Wasser abgedreht?“

Mast-Weisz reagierte prompt: „Zum Warmwasser: Das ist eine Entscheidung, die mit dem Sportbund abgestimmt ist. Sie dauert bis zum Ende der Herbstferien. Danach werden die Heizungen angestellt. Mit Vereinen, die auch mit Blick auf Kühlgeräte usw. Probleme haben, haben wir vernünftige und für beide Seiten vertretbare Vereinbarungen getroffen. Sollte das für Sie auch notwendig sein, einfach anrufen.“

Der OB weist zudem auf die Gründe für die steigenden Kosten hin. „Diese Arbeiten wurden vor über einem Jahr beschlossen und beauftragt. Da war an den Ukraine-Krieg und die Energiekrise noch nicht zu denken.“

Wie berichtet, sind die neuen Laternen mit Effektbeleuchtung Teil des Revitalisierungsprogramms für die Remscheider Innenstadt. Annähernd 80 Prozent der Kosten übernimmt das Land, die Stadt muss für mehr als 300 000 Euro aufkommen.

Unser Artikel vom 12. September

Remscheid. Auf die Eisbahn zum Weihnachtsmarkt müssen die Remscheider diesem Jahr verzichten. Sie frisst so viel Strom, dass Stadt und Veranstalter den Betrieb in der Energiekrise für unverantwortlich halten. Das gilt ebenso für die Beleuchtung öffentlicher Gebäude – zum Beispiel des Rathauses in Remscheid und des Röntgen-Museums in Lennep. Ein bisschen heimelig soll es dennoch sein in der Vorweihnachtszeit. Deshalb sollen auch in diesem Jahr die Herrnhuter Sterne über der Allee aufgehen. Und sowieso hält die Stadt an der Erneuerung der Alleestraßen-Beleuchtung fest. Die soll immerhin deutlich weniger Strom verbrauchen als die alten Laternen.

„Wir können ja nicht den Denkmälern das Licht abdrehen und zugleich die Allee erstrahlen lassen.“

Peter Heinze, Baudezernent

Baggerschaufel um Baggerschaufel graben sich die Bauarbeiter der Firma Karl Zangerl aus Solingen gegenwärtig auf der Allee voran. Dort legen sie die Fundamente für die neuen Leuchten. Sie stammen aus Arnsberg von der Firma Trilux.

Lange verzögerten Lieferengpässe den Beginn des Austauschprogramms. Masten und Elektronik waren nicht zu bekommen. Mittlerweile wird gebaut und die Laternenbauer arbeiten sich von der Zange in Richtung Abzweig zur Mandtstraße vor. Von dort soll die Schlussetappe zum Markt folgen.

1,5 Millionen Euro werden die 55 neuen Laternen für die Allee insgesamt kosten. Die Beleuchtung ist Teil des Revitalisierungsprogramms, das der Stadtrat 2014 für die Remscheider Innenstadt beschlossen hat. Nach den Bänken rund um die Zange und die Terrassen für mehr Außengastronomie in der Alten Bismarckstraße sind die Laternen die nächste sichtbare Veränderung für den Innenstadtkern. Grundsätzlich werden die einzelnen Projekte mit 80 Prozent vom Land gefördert. Die Stadt trägt die restlichen 20 Prozent als Eigenanteil.

Noch in diesem Jahr sollen die neuen Laternen erstmals eingeschaltet werden. Und das guten Gewissens. „Die neue Technik wird 38 Prozent weniger Energie verbrauchen als die alte“, erklärt Baudezernent Peter Heinze: „Wenn wir auf die Effektbeleuchtung verzichten, sind es sogar 61 Prozent.“

Gut möglich also, dass die neuen Laternen die Fassaden und Bäume auf der Allee vorläufig nicht in wechselnden Farben erstrahlen lassen, wie es eigentlich geplant war. „Wir können ja nicht den Denkmälern und öffentlichen Gebäuden das Licht abdrehen und zugleich die Allee erstrahlen lassen“, sagt Heinze. „Das geht nur in reduzierter Form, alles andere passt nicht in die Zeit.“ Die Technik, die die Bauarbeiter jetzt installieren, lässt eine wechselnde Schmuckbeleuchtung dennoch zu. Und jeder Laternenmast verfügt zudem über einen eigenen Stecker für die Weihnachtsbeleuchtung. Woraus die in absehbarer Zukunft besteht, bleibt allerdings abzuwarten.

Im vergangenen Jahr baumelten noch einmal die Herrnhuter Sterne über der Allee. Allerdings galten Verteiler und Kabel schon damals als marode. Dem Engagement von Ralf Wieber, Vorsitzender des Marketingrates Innenstadt, war es zu verdanken, dass die Sterne überhaupt wieder über der Allee aufgingen. Ralf Wieber ist in diesem Jahr verstorben. Um den Marketingrat ist es still geworden. Baudezernent Heinze rechnet dennoch mit einer Rückkehr der Sterne.

Stromsparen soll auch dann das Ziel sein. „Entweder, indem die Sterne weniger intensiv leuchten, oder indem die Beleuchtungszeit verkürzt wird“, sagt Heinze. Auf die eine oder auf die andere Weise sollen die Sterne 20 Prozent weniger verbrauchen. Das entspräche dem Ziel, das der Wirtschaftsminister den Städten gesetzt hat.

5 statt 20 Prozent

Um 15 bis 20 Prozent sollen die Städte ihren Energieverbrauch reduzieren. Remscheid wird dieses Ziel nicht erreichen. Der Grund: Die chronisch klamme Stadt ist seit mehr als 30 Jahren zum Energiesparen gezwungen. So hat sie zum Beispiel die Heizkosten für ihre Gebäude von 1980 bis heute um 61 Prozent reduziert. Die Stadt rechnet deshalb mit einem Einsparpotential von vielleicht noch drei bis fünf Prozent.

Standpunkt von Axel Richter: Es passiert etwas

axel.richter@rga.de

Immerhin: Es passiert etwas auf der Allee. Das war mit Blick auf die sogenannte Revitalisierung der Innenstadt lange nicht der Fall. Dabei war die bereits 2014 vom Rat beschlossen worden. Viel Geld aus den Fördertöpfen des Landes machte es möglich, dass die Remscheider von einer neuen Alleestraße träumen konnten. Allerdings blieb es für die nächsten sieben Jahre auch erst einmal dabei.

Bis dann im vergangenen Jahr Sitzbänke mit Namen Baden-Baden in Remscheid anlangten. Die wurden, wie Bezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD) es formulierte, zwar so rund um die Zange verteilt, als seien sie gerade vom Lastwagen gepurzelt. Immerhin aber sitzen da heute Leute drauf. Gleiches gilt für die Terrassen, die die Kneipiers in der Alten Bismarckstraße erhielten.

Nun kommen 55 neue Laternen, die zwar in vielen Farben strahlen können, das wegen der Energiekrise aber erst einmal nicht dürfen. Geschenkt. Es passiert etwas auf der Allee. Nach Jahren des Stillstands. Immerhin.

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