Verkehr

Für Radfahrer: Remscheid plant Luftpumpenstationen

Hier sollen die Remscheider bald auf einer Fahrradstraße zur Kräwi radeln können. Die Ortsbauernschaft sorgt sich um die Landwirte im Feldbachtal.Foto: Doro Siewert
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Hier sollen die Remscheider bald auf einer Fahrradstraße zur Kräwi radeln können. Die Ortsbauernschaft sorgt sich um die Landwirte im Feldbachtal.
  • Axel Richter
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Remscheid will sein Radwegenetz ausbauen. Im Feldbachtal regt sich bäuerlicher Protest.

Remscheid. Die Stadt plant weitere Fahrradwege. Dazu öffentliche Luftpumpenstationen „zur Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs in Remscheid“, wie es in einem Papier für den Ratsausschuss für Wirtschaftsförderung und Mobilität heißt.

Doch gegen die Velo-Offensive der Stadtverwaltung regt sich bäuerlicher Widerstand. Zwischen Engelsburg und Kräwinklerbrücke warnen die Landwirte auf ihren Traktoren vor einer „Verhinderung der Erntearbeiten“.

„Wenn Radfahrer unsere Traktoren nicht überholen lassen, droht ein hoher Zeitverlust.“

Ortsbauernschaft

Am Donnerstag beraten die Politiker den Maßnahmen- und Umsetzungsplan zum Radverkehrskonzept, das sich die Stadt gegeben hat. Am 4. April folgt ein Bürgerdialog in digitaler Form. Ehrenamtliche Radverkehrsinteressierte und Vertreter der Interessenverbände dürfen noch an anderer Stelle diskutieren - nämlich nach Einführung des Runden Tisches Radverkehr Remscheid, kurz RTR2.

Derweil will die Stadt im laufenden Jahr weitere Radwege im Straßenraum markieren: in der Dreherstraße, in der Burger Straße, bergaufwärts in der Nordstraße und von der Kremenholler Straße über die Freiheitstraße zur Blumenstraße. Nach Straßenbauarbeiten der Technischen Betriebe sollen Radwege ebenfalls im Höhenweg, in der Kurze Straße und in der Alexanderstraße markiert werden.

Am Lenneper Bahnhof sollen Radboxen entstehen und 50 Radbügel im übrigen Straßenraum. Einbahnstraßen will die Stadt für Radfahrer öffnen, zum Beispiel zwischen Kölner Straße, Hermannstraße und Ringstraße. Standorte für die geplanten Selbstbedienungs-Fahrrad-Luftpumpenstationen sind noch nicht definiert. Jedenfalls sollen sie fest im Boden verankert werden und dem Fahrer im Fall eines Plattens mit einer manuellen Luftpumpe und verschiedenen Ventil-Anschlüssen aus der Patsche helfen. Testweise sei auch eine Ausstattung mit Werkzeug denkbar.

Was das kostet, berichtet die Stadt nicht. In der Abteilung Verkehrsplanung hat sie eine neue Stelle geschaffen. Damit stünden mehr Kapazitäten für die Radverkehrsplanung zur Verfügung: „Derzeit wird sich intensiv in das Thema Verlängerung Balkantrasse eingearbeitet.“ Sie soll vom Lenneper Bahnhof nach Lüttringhausen und zur Stadtgrenze Wuppertal verlängert werden.

Eine Fahrradstraße, über die auf Antrag von SPD, Grünen und FDP die Remscheider einst von der Engelsburg durchs Feldbachtal zur Kräwi radeln sollen, bleibt indes umstritten. Die Ortsbauernschaft sieht damit Probleme auf die Landwirtschaftsbetriebe zukommen, denn: „Wenn zunehmend mehr Radfahrer unsere Traktoren nicht mehr passieren oder überholen lassen, weil sie auf ihr Recht auf eine Fahrradstraße pochen, droht vor allem in der zeitlich begrenzten Erntezeit ein hoher Zeitverlust und eine Verhinderung der Erntearbeiten.“ Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Mobilität kommt am Donnerstag um 17 Uhr im Rathaus zusammen.

Standpunkt: Dank Pumpenplätzchen

Kommentar von Axel Richter

axel.richter@rga.de

Geahnt haben wir es lange, sportliche Leserin, agiler Leser: Wir fahren nur deshalb mit dem Auto zur Arbeit, weil Remscheid nicht über ein flächendeckendes Netz von öffentlichen Selbstbedienungs-Fahrrad-Luftpumpenstationen verfügt. Das soll sich ändern, womit uns die drängendste Sorge genommen wird, die uns das Velo in der Garage hat stehen lassen – nämlich ohne Pumpe, aber mit Platten am Straßenrand zu verharren. Schmuddelwetter, bergische Topographie und die latent vorhandene Gefahr, von den Rädern eines 40-Tonners zermalmt zu werden, fallen dagegen nicht weiter ins Gewicht. Zur Vermeidung des Plattfuß-Affronts sorgt die Stadt Remscheid nun in Form einer Luftpumpe mit Bodenverankerung vor, womit zugleich in Lennep der Begriff Pumpenplätzchen eine ganz neue Bedeutung gewinnt. Was der unverzichtbare Service für Pendler und Fahrrad-Touristen den Steuerzahler kostet, wurde bislang nicht bekannt. Prognose: Die neuen Pumpenplätzchen sind teurer als jedes Paar unplatzbare Reifen, die heute Standard sind. Aber sei´s drum: Ja, mir san mit´m Radl da, sang einst Ernst Neger. Jetzt gibt es auch für uns keine Ausflüchte mehr.

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