Quimperplatz

Stadt findet keinen Gefallen an Umzugsplänen der Polizei

Seit vielen Jahren bröckelt der Putz von der Fassade der Polizeiinspektion Remscheid.
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Seit vielen Jahren bröckelt der Putz von der Fassade der Polizeiinspektion Remscheid.
  • Axel Richter
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Die Beamten sollen innerhalb Remscheids in ein neues Inspektionsgebäude ziehen. Eine Kernsanierung der Wache am Quimperplatz wäre teurer.

Von Axel Richter

Remscheid. Legendäre Ermittler hatten am Quimperplatz ihren Sitz. Willi Kösters zum Beispiel. Er war so etwas wie der Ernst Gennat der Remscheider Kriminalpolizei. Während Gennat im Berlin der 30er-Jahre mit seinem „Mordautor“ die systematische Spurensicherung erfand, verhaftete Kösters im Remscheid der 50er-Jahre auch schon mal zwei Mörder ganz allein.

Willi Kösters ist Geschichte, und auch die Polizei am Quimperplatz soll bald Geschichte sein. Wie berichtet, sollen die Beamten innerhalb Remscheids umziehen und dazu ein neues Inspektionsgebäude bekommen. Die Stadt Remscheid findet daran wenig Gefallen. Baudezernent Peter Heinze (FDP) sähe die Beamten lieber weiter an historischer Stätte. Dazu müsste das Gebäude aus dem Jahr 1926 kernsaniert werden. „Das wäre der nachhaltige Weg“, sagt Heinze.

Allerdings wäre es auch ein teurer Weg. 2021 hatte das Wuppertaler Präsidium die Kosten für den Umbau der Hauptwache und der ehemaligen Kasernengebäude an der Martin-Luther-Straße durchrechnen lassen. Hintergrund: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte den Präsidien im Land 680 Millionen Euro für die Sanierung und den Neubau von Polizeiwachen versprochen.

Ein Neubau ist günstiger als ein Umbau

In Remscheid lief es danach auf einen Neubau hinaus. Die Wache werde „den zukünftigen Ansprüchen beispielsweise in technischer Hinsicht nicht mehr gerecht“, hieß es. Ein Umbau sei mit einem „hohen Kostenrisiko“ verbunden. Mit anderen Worten: Ein Neubau gilt als günstiger.

In Remscheid wird nicht die einzige Baustelle sein. Es seien „erhebliche Investitionen in die Standorte Wuppertal und Remscheid geplant und zum Teil auch schon gebilligt“, berichtet Polizeipräsident Markus Röhrl auf Nachfrage.

Auch die Bereitschaftspolizei an der Müngstener Straße soll einen Neubau erhalten - einschließlich eines Trainingszentrums für besondere Polizeilagen. „Zeitnah“ soll zudem nicht nur die Hauptwache Remscheid, sondern auch die in Elberfeld einen neuen Standort erhalten.

Neue Regierung muss Geld freigeben

In den Jahrzehnten zuvor scherten sich die wechselnden Landesregierungen wenig um die Gebäudesubstanz. Die denkmalgeschützte Hauptwache bröckelt deshalb seit langer Zeit ungehindert vor sich hin. Baudezernent Peter Heinze kritisiert das. „Das Land ist in der Pflicht, seine Immobilien instand zu halten - erst recht, wenn es sich um ein so wertvolles Gebäude handelt wie das am Quimperplatz.“ Er ist deshalb für die Sanierung. Zumal sich ein Grundstück für einen Neubau noch nicht gefunden ist.  

Obwohl sie einen Umzug nicht richtig findet, will die Stadt Remscheid der Polizei bei der Suche nach einem Grundstück für einen Neubau helfen. Allerdings habe die Polizei beziehungsweise der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW bislang keine entsprechende Bitte geäußert. Ein Umzug in neue Räumlichkeiten ist für 2026 vorgesehen. Allerdings steht die Finanzzusage noch aus und wird erst durch die neue Landesregierung erfolgen.

Standpunkt von Axel Richter: Respektloser Umgang

axel.richter@rga.de

Wenn die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes etwas über die Wertschätzung verrät, den ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern entgegenbringt, dann dürfen sich Remscheids Polizistinnen und Polizisten zu recht ungeliebt fühlen. Seit Jahren atmen ihre Hauptwache am Quimperplatz und die ehemaligen Polizeikasernen an der Martin-Luther-Straße den Charme einer vom Schwamm befallenen Abrissruine. Das ist nicht nur unangemessen angesichts der bewegten Geschichte des Gebäudes. Es ist auch respektlos gegenüber den Frauen und Männern, die darin heute ihren Dienst tun. Wer für andere im Zweifel seinen Kopf hinhält, der hat zuallererst Achtung verdient. Stattdessen erleben Polizisten wie auch Rettungskräfte Pöbeleien und Flegelhaftigkeiten in zunehmendem Maße. Das hat auch etwas damit zu tun, wie wir als Staat mit ihnen umgehen. Wer die Beamten in einer Bruchbude arbeiten lässt, der darf sich nicht wundern, dass die Akzeptanz und der Respekt vor ihnen schwinden.

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