Naturverjüngung

Stadt fällt Baum-Mumien - Waldbesitzerin hält das für falsch

So sieht Naturverjüngung aus. Dr. Eva Hübeler-Schenk ist Waldbesitzerin in Westen. Unterhalb der trockenen Fichten haben sich auf ihrem Grund und Boden unter anderem Ahorne angesiedelt. Die toten Bäume bieten dem nachwachsenden Grün Schutz.
+
So sieht Naturverjüngung aus. Dr. Eva Hübeler-Schenk ist Waldbesitzerin in Westen. Unterhalb der trockenen Fichten haben sich auf ihrem Grund und Boden unter anderem Ahorne angesiedelt. Die toten Bäume bieten dem nachwachsenden Grün Schutz.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Förster: Von trockenen Fichten gehe eine zu hohe Gefahr aus. Eine Waldbesitzerin widerspricht: Unsinnige Aktion!

Remscheid. Lange haben Remscheids Förster die toten Bäume einfach stehenlassen. Die Opfer von Trockenheit und Borkenkäferbefall sind auch abgestorben ökologisch wertvoll für den Arten- und Biotopschutz. Sie bieten Lebensraum für Vögel, Insekten und Pilze. Und sie bieten Schutz für alles, was in ihrem Schatten wächst. Dennoch kreischt jetzt an der Eschbach- und Panzertalsperre sowie in den Wäldern am Hohenhagen und in Westen / Grund die Säge. „Wir haben dort ein Sicherheitsproblem“, sagt Michael Zirngiebl, Chef der Technischen Betriebe Remscheid (TBR).

Vier Jahre nach dem ersten Trockensommer 2018 sind die ersten Baum-Mumien brüchig geworden. Vor allem bei Wind brechen Äste und Spitzen ab oder ganze Stämme bersten in der Mitte. Deshalb haben die Förster ihre bisherige Strategie geändert. Statt die Trockenständer stehenzulassen, werden sie abgesägt.

„Hier geht es nur um kurzfristigen Gewinn und nicht um ökologischen Wandel.“

Dr. Eva Hübeler-Schenk

„Die Entnahme abgestorbener Bäume erfolgt insbesondere dort, wo Straßen, Wege oder Wohnbebauung benachbart sind“, erklären die Technischen Betriebe. Dort ist die Stadt wie jeder andere Waldbesitzer in der Pflicht, für die Verkehrssicherheit zu sorgen: „Hier müssen Gefährdungen durch herabfallende Äste oder umgestürzte Bäume verhindert werden.“

Unter Remscheids Waldbesitzern und Jägern bleibt das nicht unwidersprochen. „Hier geht es nur um kurzfristigen Gewinn und nicht um langfristigen ökologischen Wandel“, sagt Dr. Eva Hübeler-Schenk. Die Tierärztin ist Waldbesitzerin und Jägerin und hält wenig davon, dass die Förster erneut schwere Erntemaschinen in die Wälder ausrücken lassen.

Trockenheit: So steht es um die Talsperren im Bergischen

„Die Harvester verdichten den Waldboden“, sagt Eva Hübeler-Schenk. Und: „Hier kommt es zur Trockenlegung gewaltiger ehemaliger beschatteter Waldflächen und einer noch größeren Austrocknung des Bodens. Damit wachse auch die Brandgefahr. „Der meterdicke Fichtenboden ist um ein Vielfaches entflammbarer als jetzt, da ihn noch tote Fichten beschatten und sich Unterbewuchs entwickelt.“

Forstamtsleiter Markus Wolff mag gar nicht in jedem Punkt widersprechen. Fakt aber sei: „Wir müssen jetzt einen guten Kompromiss finden zwischen der Beschattung des Waldbodens und dem Gefahrenpotenzial, das mittlerweile von den Trockenständern ausgeht.“ Wo möglich, will er die trockenen Bäume nicht ganz absägen, sondern zur Hälfte stehenlassen. In jedem Jahr, betont der Forstamtschef, „werden zudem mehr als 30 000 junge Laub- und Nadelbäume als neue zukünftige Waldgeneration gepflanzt“.

Den Vorwurf, mit dem Remscheider Wald nur eine schnelle Mark machen zu wollen, weisen Markus Wolff und dessen Chef Michael Zirngiebl auch deshalb zurück: Unser Ziel ist nicht der Wirtschaftswald, der Ertrag bringen muss. Sonst würden wir ganz anders damit umgehen. Unser Ziel ist der stadtnahe Erholungswald, in dem die Menschen spazieren gehen können.“

Im Wald Erholung fänden werden die Menschen indes nur, wenn sie zugleich keine Gefahr von oben für ihr Leben fürchten müssten, sagt Michael Zirngiebl. Die bereits angelaufenen Forstarbeiten zur Beseitigung der spröden Baum-Mumien sollen voraussichtlich bis Anfang Oktober dauern.

Stadtbäume bereiten Sorge

Nach dem Auseinanderbrechen einer 180 Jahre alten Blutbuche in Lennep bereiten die Stadtbäume der Verwaltung Sorge. Der Fall zeige deutlich die Folgen des Trockenstresses. Die CDU teilt die Befürchtungen. Für die Sitzung der Bezirksvertretung Lennep am 28. September hat sie eine Anfrage gestellt: Wie steht es um die übrigen Bäume in der Stadt? Können einzelne von ihnen zur Gefahr für Anwohner, Passanten und Fahrzeugen werden? Und: Was unternimmt die Stadt, um die Sicherheit zu gewährleisten?

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?
3. Oktober: Bäcker, Blumen, Tankstelle - Wer darf öffnen?

Kommentare