Tradition

Muss St. Martin in Lennep dieses Jahr ohne Pferd stattfinden?

Annähernd 1000 Lenneper folgten St. Martin 2021 durch Lennep. Jetzt ist zumindest die Wiederkehr des Pferdes fraglich.
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Annähernd 1000 Lenneper folgten St. Martin 2021 durch Lennep. Jetzt ist zumindest die Wiederkehr des Pferdes fraglich.
  • Axel Richter
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Seit 1950 zieht St. Martin mit den Kindern und ihren Laternen auf einem Pferd durch die Stadt. Das geht heute nicht mehr so einfach. In Lennep sehen sich die Vereine von der Stadt Remscheid kontrolliert.

Von Axel Richter

Remscheid. Der Lenneper Martinszug muss in diesem Jahr möglicherweise ohne Pferd und Reiter stattfinden. Der Grund: Das Pferd braucht neuerdings einen Wesenstest. Ohne darf St. Martin nicht reiten, so wollen es die Behörden. Der Verkehrs- und Förderverein als Veranstalter hört den Amtsschimmel wiehern. Das gilt in Lennep jedoch nicht nur für den Verkehrsverein und seinen Kampf mit Pferde-Tüv.

Seit anno 1950 ziehen rund um St. Martin die Lenneper Kinder mit ihren Laternen durch die Altstadt. Mit einigen hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern handelt es sich bis heute um einen der größten Martinszüge der Stadt. Der Heilige reitet voran. Auch das seit mehr als 100 Jahren. Heute geht das nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr so einfach.

Lenneper sehen sich durch ständige Auflagen in ihrem Tun verhindert

In der Bezirksvertretung Lennep wurde der Ritt zum Pferde-Tüv jetzt zum Teil einer Grundsatzdebatte. Denn bei ihren Veranstaltungen für Lennep sehen sich die Vereine von ihrer Stadt Remscheid wenig unterstützt. Im Gegenteil, hielt Roland Kirchner, sowohl im Vorstand des Verkehrsvereins als auch Mitglied der Lenneper Bezirksvertretung, fest: „Wenn man ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, dann tut das weh.“

Die Knüppel – das sind zum einen Auflagen, von denen es seit der Loveparade-Katastrophe und der Bedrohung durch den internationalen Terror immer mehr gibt. Und das sind Gebühren, die die Stadt den Vereinen in Rechnung stellt. Für erteilte Genehmigungen. Und für Verkehrsschilder, die die Technischen Betriebe zur Verfügung stellen.

Wenigstens dabei solle die Stadt den Ehrenamtlern entgegenkommen und ihnen die Kosten erlassen, fordert Lennep-Bürgermeister Markus Kötter (CDU). Schließlich verlasse sich die Stadt beziehungsweise das Stadtmarketing sehr, aus seiner Sicht zu sehr auf die Lenneper Vereinswelt, wenn es um Veranstaltungen im Stadtteil gehe. Das habe einen einfachen Grund, hielt Kötter in der Sitzung fest: Andernorts in Remscheid „interessieren sich die Bürger weit weniger für ihren Stadtteil“.

Kostenerlass von der Stadt: Chef der Technischen Betriebe ist aufgebracht über Forderungen der Lenneper

Während sich Lennep-Dezernent Peter Heinze (FDP) in der Folge zur Verteidigung des Stadtmarketings veranlasst sah, bekannte Michael Zirngiebl offen, es „nicht mehr hören“ zu können. Gemeint war die Forderung nach Kostenerlass zum Beispiel für die Schilder. „Wir erbringen eine Leistung, die umsatzsteuerpflichtig ist“, erklärte der Chef der Technischen Betriebe: „Wir müssen dafür eine Rechnung stellen. Alles andere wäre Steuerbetrug.“

Auch dem Vorwurf behördlicher Gängelei trat er entgegen. „Es gibt bei der Stadt Remscheid keine Abteilung für Knüppel zwischen die Beine“, hielt er fest. Tatsächlich ist der Pferde-Tüv eine Folge eines Unfalls beim Kölner Rosenmontagszug 2018. Dabei wurden mehre Menschen verletzt. Vier Jahre später gibt es Regelungen, deren Einhaltung das Remscheider Ordnungsamt zu kontrollieren hat. Übrigens bei allen Martinszügen, die in diesem Jahr in Remscheid stattfinden sollen.

Märkte

Das kritisierte Stadtmarketing zeichnet auch verantwortlich für die Wochenmärkte. Die sind nicht nur in Lennep rückläufig. Den Händlern von Obst, Gemüse, Eiern, Fleisch und Käse fehlt der Nachwuchs. Inflation und Energiekrise lassen die Menschen heute zudem wieder stärker zu Discounterpreisen kaufen. Das Stadtmarketing will mit den Händlern über Veränderungen sprechen und denkt unter anderem an den Verkauf von Obstnetzen und Eierboxen im Design „Unser Remscheid – unsere Wochenmärkte“.

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