Touristische Attraktion

Auf den Spuren des Bergfrieds von Schloss Burg

Nur noch ein Stumpf des Bergfrieds blieb nach dem 30-jährigen Krieg übrig. Ein Bild von Schloss Burg, das sich bis Ende des 19. Jahrhunderts den Besuchern bot. Foto: Schlossbauverein
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Nur noch ein Stumpf des Bergfrieds blieb nach dem 30-jährigen Krieg übrig. Ein Bild von Schloss Burg, das sich bis Ende des 19. Jahrhunderts den Besuchern bot.

Einst ein gefürchtetes, schwer zugängliches Verlies – heute eine touristische Attraktion.

Von Klaus Hinger

Bei der Anlage einer Burg hatte der Bergfried besondere Bedeutung. Er war das wichtigste und vor allem höchste Gebäude einer Anlage. Charakteristisch für einen Bergfried ist, dass er freisteht, also nicht an ein anderes Gebäude oder eine Ringmauer angelehnt steht.

Der Bergfried ist längst wieder ein markanter Hingucker im Ensemble von Schloss Burg.

Er hat einen Hocheingang – einige Meter über dem Boden – und ist nur über eine Leiter oder Brücke erreichbar. Dieser Zugang war leicht zu beseitigen und zu verteidigen, weshalb lange geglaubt wurde, dass der Turm als letzter Rückzugspunkt im Angriffsfall diente. Das war wohl auch so, aber er wurde darüber hinaus dauerhaft als Wohnturm genutzt. Die Nutzung war klar auf die einzelnen Stockwerke verteilt: Wachplattform, Schlafbereich, Wohnbereich, Küche, Lager und Verlies.

Vor allem im Erdgeschoss gab es keinen Eingang, denn hinter den besonders dicken Wänden lag das Verlies, was nur durch ein sogenanntes Angstloch in der Decke erreichbar war. Als die Bedrohungslage abnahm, wurde häufig in die unterste Etage eine Tür gebrochen, um das Verlies als Lagerraum zu nutzen. An anderer Stelle – in Burg unterhalb des sogenannten Diebsturmes, der als Gefängnis diente – wurde ein Verlies errichtet. Der Bergfried diente also als Wohnung und in der obersten Etage als Wachturm. Es ist typisch, dass alle Etagen über eine in der Außenwand liegende steile Treppe erreichbar waren.

„Erbaut vor 1130 / Zerstört 1648 / Wiederaufgebaut /begonnen 1898.“
Inschrift auf einem Gedenkstein im Erdgeschoss

Der Bergfried hatte aber auch eine psychologische Funktion. Er überragte das ganze Gelände, lag gegenüber dem Eingang zur Burg und symbolisierte damit Macht und Stärke. Diese Funktionen erfüllte der Bergfried von Schloss Burg bis zum Ende des 30-jährigen Krieges. Mit dem Westfälischen Frieden vom 24. Oktober 1648 zogen die Besatzer ab. Vorher demolierten sie Schloss Burg durch Militär derart, „dass sogar Pferdestall, Back- und Brauhaus nicht mehr unter Dach standen.“ Damit war auch der Bergfried Geschichte.

Heute hütet das Gemäuer ein Geheimnis: Beim Wiederaufbau 1898 wurde über der Eingangstür des Erdgeschosses ein Gedenkstein mit einer Inschrift eingemauert.

Sie lautet: Erbaut vor 1130 / Zerstört 1648 / Wiederaufgebaut /begonnen 1898. In dem Stein ruht eine Urkunde mit folgendem Text:    „Zur Erinnerung an die 250-jährige Wiederkehr des Tages der Beendigung des 30-jährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648 und der bei dem Abzug der Truppen unter dem Obersten Heinrich von Plettenberg erfolgten Demolierung des Bergfrieds des Schlosses Burg an der Wupper wurde in den vor 250 Jahren zerstörten, nun wieder aufzubauenden Bergfried ein Gedenkstein eingemauert, welcher unseren Nachkommen Kunde geben soll, wie wir das Andenken unserer Vorfahren ehren, und wie wir erwarten, dass dieselben ebenso Liebe und Treue zum deutschen Vaterlande in allen kommenden Zeiten pflegen werden. So geschehen zu Schloss Burg an der Wupper im elften Jahr der glorreichen Regierung Kaiser Wilhelms II.“

Am 12. August 1899 besuchte Kaiser Wilhelm II. Schloss Burg und nahm die Information des Architekten Fischer über den Wiederaufbau des Schlosses anerkennend zu Kenntnis. Ein herber Rückschlag traf den Schlossbau-Verein in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 1902.

Architekt des Wiederaufbaus fiel in Ungnade

Der Bergfried trug in dieser Bauphase ein Notdach, das von einem orkanartigen Sturm heruntergerissen wurde. Da das Mauerwerk noch nicht genügend abgebunden hatte, stürzte fast die gesamte nordwestliche Ecke des Bergfrieds zusammen. Eine Expertenkommission untersuchte die Baustelle und kam zu der Erkenntnis, dass der nicht eingestürzte Teil des Bauwerkes stabil genug sei, wieder aufgebaut zu werden. Der erneute Wiederaufbau begann. Am 28. Oktober 1903 wurde ein Architekt Blaus mit der weiteren Fortführung des Wiederaufbaus betraut.

Der bis dahin hoch geschätzte Architekt Fischer fiel wegen der dramatischen Ereignisse wohl in Ungnade. Bei den Wandgemälden im Rittersaal, die die „Erbauung der Burg“ thematisieren, wurde er noch im Hintergrund verewigt. Fischer starb am 11. November 1906.

Attraktion

Heute gehört der Bergfried zu einem der Höhepunkte bei einem Besuch von Schloss Burg. Auf allen Etagen werden wertvolle Exponate und Videos gezeigt, die eine Vorstellung von der bewegten Vergangenheit des Gemäuers vermitteln. Mit Bergfried und Grabentorhaus wurden im Sommer 2018 die ersten Gebäude freigegeben, die Teil einer umfassenden Sanierung sind. Die Sanierungsarbeiten sollen bis 2025 dauern.

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