Strom

So gehen die Stadtwerke mit Energiekunden um, die nicht zahlen

 Der Arbeitspreis steigt ab dem 1. Januar.
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Um eine Sperrung des Stromzählers zu verhindern, haben Kunden laut EWR meist mehrere Monate Zeit.
  • VonSven Schlickowey
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Eine Stromsperre ist grundsätzlich möglich. Das Prozedere läuft aber meistens anders.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das von der Linken geforderte „Moratorium Stromsperren“ wird wohl nicht kommen. Die Partei hatte einen Antrag in den Rat eingebracht, dass Kunden der Stadtwerke, die ihre Energierechnung nicht bezahlen können, den Strom nicht abgedreht bekommen. Der Begriff Moratorium beschreibt eine meist staatliche verordneten Unterbrechung von Zahlungen. Das sei zwar grundsätzlich möglich, aber nicht sinnvoll, heißt es von der Verwaltung, die darin auch aus einer Stellungnahme der Stadtwerke zitiert. Die befürchten nicht nur eine Ungleichbehandlung von Kunden anderer Energieversorger und Nutzer anderer Energieträger, sondern auch, dass dann alle zahlungsunfähigen Kunden bei ihnen landen.

So sei davon auszugehen, dass andere Stromanbieter ihre Verträge bei Nichtzahlung kündigen, heißt es in der Mitteilung. Diese Kunden würden dann zumeist in die Grundversorgung der Stadtwerke-Tochter EWR wechseln. „Dies kann auch dazu führen, dass sich der Anteil von eingeschränkt oder nicht zahlungsfähigen Kundinnen und Kunden bei der EWR GmbH deutlich erhöht.“ Ein Risiko für die Liquidität der Stadtwerke, wie die Vorlage betont: „In dieser Situation gilt es bei allem Verständnis für die angefragte Maßnahme zugleich im Wege der Daseinsvorsorge auch, die Existenz der Stadtwerke Remscheid GmbH bzw. der EWR GmbH zu sichern und keine zusätzlichen Risiken für den Fortbestand zu schaffen.“

Nach Darstellung der Stadtwerke wird rund ein Fünftel aller Remscheider Haushalte nicht von der EWR beliefert, diese würden also auch von einer Aussetzung der Stromsperren nicht profitieren: „Das käme einer Ungleichbehandlung der Kundinnen und Kunden vor Ort gleich, zumal es auch für solche mit Heizölbezug und -nutzung keine vergleichbare Regelung gäbe.“

Ohnehin gelinge es meist, drohende Stromsperren abzuwenden, macht die Stellungnahme deutlich. In Frage kämen die in der Regel erst, wenn ein Kunde mit mindestens zwei monatlichen Abschlägen in Rückstand sei, doch auch danach vergingen noch einige Wochen: „In der Grundversorgung muss eine solche Maßnahme im Wege des vorgeschalteten Mahnverfahrens vier Wochen vorher schriftlich angedroht werden“, erklären die Stadtwerke. Bei Sonderverträgen gelte meist eine ähnliche Regelung. „Zugleich muss der Versorger ebenfalls schriftlich mitteilen, wie sich eine Sperrung vermeiden lässt, beispielsweise durch Ratenzahlung.“ Erst danach sei eine Sperre möglich, die aber mindestens eine Woche vorher angekündigt werden müsse.

„Im Rahmen dessen haben die Vertragsparteien erfahrungsgemäß ausreichend Möglichkeiten, rechtzeitig vorab aktiv aufeinander zuzukommen und eine gemeinsame Lösung zu finden und zu vereinbaren“, lautet die Einschätzung der Stadtwerke. Zumal man die Kunden proaktiv informiere, um Abschläge frühzeitig anzupassen und bei Zahlungsrückständen Ratenpläne anzubieten.

Könne der Kunde trotzdem nicht bezahlen, verweise man regelmäßig auf die bestehende Kooperation mit der Caritas in Remscheid: „Von dort erfolgt auch eine Koordination zwischen der Agentur für Arbeit, dem Sozialamt der Stadt Remscheid und der EWR GmbH.“ Sei ein Fall dort in Bearbeitung, setze man die Sperrung für den Bearbeitungszeitraum aus.

Zudem könnten Kunden von sich aus tätig werden, sagen die Stadtwerke. Durch Energiesparen zum einen, auch dazu berate man. Und durch das frühzeitige Anpassen der Abschläge zum anderen. EWR-Kunden könnten online oder über das Servicecenter Zwischenstände der Zähler eingeben und überprüfen lassen, ob die Vorauszahlungen noch ausreichend seien. So könne man hohe Nachzahlungen verhindern.

Das rät die Verbraucherzentrale

Kunden, die von einer Stromsperre bedroht sind, rät die Verbraucherzentrale, möglichst bald Kontakt zum Versorger aufzunehmen: „Je früher der Energieversorger von den Zahlungsproblemen erfährt, desto besser sind die Chancen, eine gemeinsame Lösung zu finden.“ Auf keinen Fall soll man Zahlungserinnerungen oder Mahnungen ignorieren. Hilfe gebe es auch bei Verbraucherzentrale, Schuldnerberatung oder sozialen Einrichtungen wie der Caritas.

Lesen Sie auch: Energiesparen: Vermieter wollen Mieter mitnehmen

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