Bezirksbürgermeister von Lennep

Nach Kötter-Wahl: SPD ist wütend – Grüne üben Selbstkritik

Die beiden Parteichefs: Christine Krupp (SPD) kündigt Mathias Heidtmann (CDU) ernste Gespräche an.
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Die beiden Parteichefs: Christine Krupp (SPD) kündigt Mathias Heidtmann (CDU) ernste Gespräche an.
  • Axel Richter
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Die umstrittene Wahl von Markus Kötter schlägt in der Politik weiter hohe Wellen.

Remscheid. Fünf Tage nach der umstrittenen Wahl von Markus Kötter (CDU) zum neuen Bezirksbürgermeister von Lennep übt Lars Jochimsen sich in Selbstkritik. „Wir hätten besser vorher miteinander gesprochen“, sagt der Kreisvorsitzende der Remscheider Grünen: „Dann wäre es erst gar nicht dazu gekommen.“

Wir, das sind die Fraktionen der demokratischen Parteien im Rat der Stadt Remscheid. Hätten sie sich angesichts der Patt-Situation in der Lenneper Bezirksvertretung auf einen gemeinsamen Bezirksbürgermeister geeinigt, hätte der eine klare Mehrheit bekommen – und die Stimme des einen AfD-Mitglieds hätte keine Rolle gespielt. Nun aber liegt bei SPD und Grünen der Verdacht nahe, dass Markus Kötter nur mit Hilfe des Rechtsauslegers ins Amt kommen konnte.

Kötter war mit der knappen Mehrheit von sechs zu fünf Stimmen gewählt worden. Die CDU hat vier Sitze in der Bezirksvertretung. Hinzu kam die Stimme der Linken. Und mutmaßlich die des AfD-Mannes. Die SPD versichert, ihre drei Mitglieder hätten mit den zwei Grünen für Kötters Gegenkandidatin Petra Kuhlendahl (Grüne) gestimmt.

Im RGA-Interview verwies Markus Kötter darauf, dass die Wahl geheim vonstatten gegangen sei. Es sei deshalb nicht sicher, dass der AfD-Mann für ihn gestimmt habe. Eine Kooperation mit der Partei gebe es nicht. „Außerdem habe ich auch von einem Mitglied einer anderen Fraktion Signale der Zustimmung erhalten“, erklärte Kötter.

Die Wut der anderen schürt das nur an. SPD-Chefin Christine Krupp fordert Kötter deshalb erneut zum Rücktritt auf. Eine solche Wahl hätte die SPD niemals geduldet, sagt Krupp: „Statt einer Gratulation hätte es einen Antrag auf Partei-Ausschluss gegeben.“

Christine Krupp will nun das Gespräch mit Mathias Heidtmann suchen. Der hatte seine Freude über Kötters Wahlsieg am Mittwoch freien Lauf gelassen. „Viele Bürgerinnen und Bürger und vor allem die Vereinsvertreter haben sich Markus Kötter als Bezirksbürgermeister gewünscht“, erklärte Heidtmann.

Das möge so sein, kontert Krupp. Allerdings lasse Kötters Umgang mit Rechtsextremen für die Zukunft nicht viel Gutes erwarten, sollte er bei der Kommunalwahl 2025 das Amt des Oberbürgermeisters anstreben. Auch Grünen-Chef Lars Jochimsen erinnert die CDU an die Übereinkunft der Demokraten im Rat der Stadt: Stimmen vom rechten Rand sollen keinen Einfluss auf Entscheidungen haben. Kötter selber kaufe er wohl ab, dass er mit Rechtsextremen nichts zu tun haben wolle, sagt Jochimsen: „Seiner Partei allerdings nicht.“

Standpunkt von Axel Richter: PR-Erfolg für Rechte

axel.richter@rga.de

AfD und Co. reiben sich die Hände. Einen solchen PR-Erfolg wie bei der Wahl des Lenneper Bezirksbürgermeisters hatten sie schon lange nicht mehr. Dabei wäre es für die demokratischen Parteien leicht gewesen, die Rechtsausleger links liegen zu lassen. Indem sie sich rechtzeitig auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt hätten. Und zwar der Fairness halber auf den Kandidaten der CDU, schließlich war die CDU bei der Kommunalwahl 2020 trotz grüner Zugewinne erneut die stärkste Kraft geworden.

Stattdessen? Leisten sich die Parteien eine Kampfabstimmung, in der ein in der Bezirksvertretung unauffälliger Rechtsausleger eine Bedeutung gewinnt, die ihm nicht ansatzweise zusteht. Auch dafür sorgen die anderen Parteien selbst. Nun empört sich die SPD. Die Grünen schließen sich an, nachdem sie am Vortag noch brav gratuliert haben. Und der Wahlgewinner tut so, als verstehe er die Aufregung nicht.

Die eine Stimme, die ihm zum Sieg verholfen hatte, war doch bestimmt nicht von der AfD. Es ließe sich darüber lachen, wenn es am Ende nicht nur einen Sieger gäbe: AfD und Konsorten am rechten Rand.

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