Interview der Woche

Remscheids SPD-Chef: Hilfe wird Herausforderung

Ist nun Vorsitzender des Remscheider SPD-Unterbezirks mit 425 Mitgliedern: Jörg-Dieter Krause (55).
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Ist nun Vorsitzender des Remscheider SPD-Unterbezirks mit 425 Mitgliedern: Jörg-Dieter Krause (55).

Der neue Vorsitzende Jörg-Dieter Krause sieht eine Flut an Wohngeldanträgen auf die Stadt zukommen.

Von Frank Michalczak

Herr Krause, was bedeutet es für Sie, nun Vorsitzender der Remscheider SPD zu sein?

Jörg-Dieter Krause: Das bedeutet eine große Veränderung für mein Leben. Es ist eine Aufgabe, die mit viel Verantwortung verbunden ist. Und es ist eine Aufgabe, der ich mit großer Ernsthaftigkeit nachgehen werde.

Sie sind erst 2014, mit 47 Jahren, der SPD beigetreten. Warum denn so spät? Und was hat Sie dazu motiviert?

Krause: Bereits beim Parteitag am 24. September habe ich ja schon beschrieben, dass ich mich der SPD schon lange verbunden fühle. Zum Beispiel hatte ich eine große Affinität zu Helmut Schmidt. Ich fand es grauenhaft, als er 1982 beim konstruktiven Misstrauensvotum im Bundestag von Helmut Kohl abgelöst wurde. Auf die Politik Willy Brandts führe ich zurück, dass ich als Kind einer Arbeiterfamilie Bildungschancen erhalten habe. Nach Abitur und Banklehre konnte ich studieren, wobei ich BAföG bezogen habe und nebenbei arbeiten gegangen bin. Den eigentlichen Anstoß gab mir dann SPD-Mitglied Sigmar Paeslack. Er hat mich dazu aufgefordert, nicht nur zu meckern, sondern mitzumachen.

Sie sind kein Mitglied des Stadtrats und nehmen somit nicht aktiv an den dortigen Beratungen teil. Wie wollen Sie denn das Gesicht der Remscheider SPD werden?

Krause: Ich habe zwar keinen Sitz im Stadtrat. Dafür wirke ich aber als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Mobilität und im Rechnungsprüfungsausschuss mit. Somit bin ich Bestandteil der SPD-Fraktion. Zudem ist es gute Tradition, dass mit meinem Amt regelmäßige Treffen mit OB Burkhard Mast-Weisz, Stadtdirektor Sven Wiertz und dem Fraktionsvorsitzenden Sven Wolf verbunden sind. Auch diese Gelegenheiten will ich nutzen, meine Ideen einzubringen.

Mit welchen Themen wollen Sie denn punkten und die Menschen dieser Stadt, von der Sozialdemokratie überzeugen?

Krause: Das allererste Ziel in der aktuellen Lage ist es, die Stadtgesellschaft gut durch den Winter zu bringen – angesichts der Energiepreise, die da auf uns zukommen. Schon jetzt ist ja leider das Geld bei vielen Menschen knapp. Wir müssen sie dringend unterstützen.

Aber wie kann ihnen die Kommune helfen?

Krause: Ein Ansatzpunkt ist der Fonds in Höhe von 1,2 Millionen Euro aus den Gewinnen der Stadtwerke, den der Stadtrat zuletzt beschlossen hat. Aber auch das Wohngeld spielt eine Rolle. Es werden deutlich mehr Menschen Anspruch auf Unterstützung erhalten als bisher. Die Stadtverwaltung steht vor der riesigen Herausforderung, diese Aufgabe zu lösen und die Anträge möglichst schnell zu bewilligen.

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Und wie sehen Ihre längerfristigen politischen Ziele aus?

Krause: Wir müssen Remscheid als Stadt weiterentwickeln – und zwar für Jung und Alt. Ich möchte zum Beispiel, dass alle Bürger mit dem Bus das Teo Otto Theater erreichen und mit ihm nach der Vorstellung wieder nach Hause fahren können. Teilhabe ist hier das Stichwort. Es geht aber auch darum, die Voraussetzung für faire Arbeit zu schaffen. Wenn es Unternehmen gut geht, sollten dabei auch sichere, fair bezahlte Arbeitsplätze entstehen, die dann die Basis für ein würdiges Leben bilden. Schon als Personalratsvorsitzender lag mir dabei der Ausgleich am Herzen. Schade ist, dass es beim Outlet-Center in Lennep eine Niederlage vor Gericht gegeben hat. Ich war ein großer Befürworter des Projekts. Die SPD sollte die Ideenführerschaft übernehmen, was nun aus dem Gelände für das DOC wird. Wir müssen Lennep voranbringen.

Sie arbeiten als Geschäftsbereichsleiter bei der Kreissparkasse Düsseldorf und haben es täglich mit dem lieben Geld zu tun. Remscheid steht mit über 600 Millionen Euro bei Gläubigern in der Kreide. Wie kann die Stadt aus dem Schuldensumpf kommen?

Krause: Allein wird sie das nicht schaffen. Es müssen für die Altschulden Lösungen von Land und Bund kommen – vor allem jetzt in einer Phase, in der die Zinsen dramatisch steigen. Wenn Sie vor einigen Monaten einen Kredit haben wollten, gab es ihn für einen Zinssatz von null bis einem Prozent. Heute liegen wir bereits bei drei bis vier Prozent. Tendenz: steigend. Das muss dem Kämmerer große Sorgen bereiten. Wir brauchen eine überregionale Lösung für das Problem.

Ein weiteres Thema unserer Zeit ist der Klimawandel. Remscheid plant zwei Gewerbegebiete auf der grünen Wiese in Bergisch Born und das Wohnprojekt Knusthöhe in Lennep. Was halten Sie denn von der Versiegelung natürlicher Flächen?

Krause: Da liegt die Wahrheit in der Mitte. Ich bin beim Thema Flächenversiegelung extremst zurückhaltend. Allerdings ist das eine Einzelfallentscheidung. Wir müssen dafür sorgen, dass Unternehmen Flächen in Remscheid vorfinden, damit sie sich vergrößern oder sich hier ansiedeln können. Und wir benötigen Wohnraum. Es ist also eine Frage der Abwägung, was für die Stadt Remscheid das Beste ist. Entscheidend ist es, dabei die Bevölkerung mitzunehmen.

Bei Ihrer Bewerbungsrede hatten Sie ein paar Seitenhiebe auf die CDU parat. Was meinten Sie denn mit den Anfragen, deren Sinn Sie sich nicht erklären können? Und woher wissen Sie, dass sich Bezirksbürgermeister Markus Kötter von einem Rechtsaußen ins Amt wählen ließ? Möglicherweise hat er ja auch eine Stimme von der SPD erhalten. Die Wahl war geheim.

Krause: Das ist eine Frage der Mathematik. Es gab elf Stimmen zu verteilen, er hat sechs bekommen. Mit der Linkspartei hatte er fünf Stimmen. Wo sollte denn die Sechste herkommen? Ganz sicher nicht von den Grünen oder der SPD. Was die Flut an Anfragen betrifft, will ich das Thema gar nicht so hoch hängen. Aber sie führt dazu, dass dies Arbeitszeit in der ohnehin überlasteten Verwaltung kostet. Das halte ich nicht für zielführend.

Als SPD-Vorsitzender in Remscheid könnten Sie durchaus mal ein OB-Kandidat sein. Würde Sie das reizen?

Krause: Ich habe das Amt ja gerade einmal ein paar Tage. Und ich mache das auch nur, nachdem ich grünes Licht von meiner Frau erhalten habe. An das Amt des Oberbürgermeisters habe ich überhaupt noch nicht gedacht. Und aktuell habe ich da keinerlei Ambitionen.

Zur Person

Jörg-Dieter Krause (55) ist gebürtiger Remscheider und lebt mit seiner Frau und seinen neunjährigen Zwillingen in Westhausen. Seit 2014 ist er Mitglied der SPD und wirkte bislang im Unterbezirksvorstand mit, ehe er am 24. September zum Vorsitzenden avancierte.

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