Der Tod soll kein Tabu sein

Patienten der Palliativstation am Sana-Klinikum gehören auch zu den zu Betreuenden der Ehrenamtler. Manchmal hören sie einfach nur zu am Krankenbett.
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Patienten der Palliativstation am Sana-Klinikum gehören auch zu den zu Betreuenden der Ehrenamtler. Manchmal hören sie einfach nur zu am Krankenbett.

STERBEBEGLEITUNG Die Hospizgruppe wird 20 Jahre. Sterbebegleiter wollen mehr an die Öffentlichkeit gehen. Dass das Thema Tod irgendwann kein Tabu mehr ist - das ist ein großer Wunsch, den die Vorstandsmitglieder der ökumenischen Hospizgruppe unisono äußern. Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens wollen sie vor allem nach vorn schauen.

"Wir wollen dieses Jahr verstärkt an die Öffentlichkeit gehen und auf uns aufmerksam machen", kündigt Vorsitzende Heike Krommes an. Entsprechend soll es einige Veranstaltungen geben (siehe Kasten).

Sich selbst reflektieren: Das muss ein Sterbebegleiter können

Rund 150 Mitglieder zählt die ökumenische Hospizgruppe Remscheid, davon sind 51 aktiv als Sterbebegleiter. "Die meisten davon sind Frauen", berichtet Gabi Redepenning. Zusammen mit Marlene Brockhaus leitet und koordiniert sie die Hospizgruppe. "Einige Männer könnten wir gut gebrauchen", sagt Brockhaus. "Sie setzen sich allerdings erfahrungsgemäß nicht so gern mit dem Thema Tod auseinander - viele vielleicht auch nicht mit sich selbst." Sich selbst reflektieren, eigene Stärken und Schwächen entdecken und darüber sprechen: All das lernen die Sterbebegleiter in einer mehrteiligen Ausbildung. 150 Euro kostet die. "Sie ist aber so intensiv und bereichernd, dass man anderswo viel mehr zahlen müsste, ähnlich wie bei einem Coaching", betont Marlene Brockhaus. Einmal ausgebildet, begleiten die Ehrenamtler Menschen zu Hause, in Hospizen, auf der Palliativstation des Sana-Klinikums oder in Seniorenheimen.

"Angehörige oder die Menschen selbst fragen uns an", sagt Gabi Redepenning. Selten seien es auch Hausärzte, manchmal der Pflegedienst. Redepenning: "Ein gesunder Mensch wird kaum auf uns aufmerksam."

Die Schwerstkranken und ihre Angehörigen haben unterschiedliche Wünsche an die Sterbebegleiter. Manchmal ist es das schlichte Zuhören, das Handhalten am Krankenbett. Manchmal sind es aber auch kleine Besorgungen, auch mal eine Kinderbetreuung. Für die Ehrenamtler sind es keine Patienten, sondern "zu Betreuende" die sie in der Regel zweimal pro Woche besuchen. "Manchmal wird das zwischendurch weniger, manchmal akut auch mehr", sagt Gabi Redepenning. "Wir versuchen das aufzufangen, schicken in akuten Notfällen auch mehrere Begleiter." Zum Beispiel, wenn die Ehefrau des Schwerstkranken wieder arbeiten muss, aber die Betreuung fehlt. Oder Angehörige besonders viel Redebedarf haben.

Die Hospizgruppe finanziert sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. 30 Euro im Jahr kostet eine Mitgliedschaft. "Wir freuen uns auch über passive Mitglieder, die uns nicht nur finanziell, sondern auch ideell unterstützen", unterstreicht Marlene Brockhaus.

Für die meisten sei das Ehrenamt eine absolute Bereicherung - trotz schwerer Schicksale: "Unser Ziel ist es nicht, den Menschen aktive Sterbehilfe zu geben, sondern ihnen zu helfen, ihren letzten weg würdevoll und ohne Schmerzen zu gehen."

HOSPIZGRUPPE

TERMIN "Bevor ich gehe, bleibe ich", Theater und Chansons von und mit Petra Afonin, am Mittwoch, 4. März, 20 Uhr in der Klosterkirche , veranstaltet von der Hospizgruppe. Eintritt frei.

KONTAKT Ökumenische Hospizgruppe, Tel.: 46 47 05.

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