Müngstener

S 7 soll trotz Abellio-Aus weiter fahren

Das Abellio-Logo wird auf den Bahnhöfen des bergischen Großstädtedreiecks bald nicht mehr zu sehen sein. Foto: Christian Beier
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Das Abellio-Logo wird auf den Bahnhöfen des bergischen Großstädtedreiecks bald nicht mehr zu sehen sein.
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VRR beendet Zusammenarbeit mit Bahnunternehmen vorzeitig – Städte hoffen auf reibungslosen Übergang

Von Andreas Tews und Axel Richter

Solingen/ Remscheid. Viele Beteiligte hatten im Bergischen Land darauf gehofft, dass das Bahnunternehmen Abellio weiterhin die S-Bahn-Linie 7 (Solingen-Remscheid-Wuppertal) bedienen könnte. Doch der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und andere Verbünde wollen die Zusammenarbeit vorzeitig beenden – auf allen betroffenen Linien in Nordrhein-Westfalen und bereits zum 1. Februar 2022. Damit beenden die Verkehrsverbünde den monatelangen Streit um Geld und Entschädigungen. Zunächst für eine zweijährige Übergangszeit will der VRR jetzt neue Anbieter für die Linien finden. Um die S 7 beworben hat sich nach Medieninformationen die Vias Rurtalbahn.

Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter pocht auf einen nahtlosen Übergang.

Vertreter der bergischen Großstädte setzen darauf, dass der Übergang von Abellio zum neuen Anbieter reibungslos über die Bühne geht. Dies strebt nach einer schriftlichen Mitteilung auch der VRR an. Auch nach dem 1. Februar sollen die geltenden Fahrpläne weitgehend eingehalten werden. In Solingen und Remscheid geht man zudem davon aus, dass die für die Zeit ab 2028 geplante Elektrifizierung der S-7-Strecke und die erhoffte Durchbindung über Solingen hinaus bis nach Düsseldorf durch den Übergang nicht unter die Räder kommen.

Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahnen, ist in finanzielle Schieflage geraten. Darum verhandelte das Unternehmen mit den Verkehrsverbünden seit Monaten um bessere Konditionen. Ein letztes Angebot hatte Abellio vor einer Woche vorgelegt. Dies ist aus Sicht der Verbünde aber nicht akzeptabel. Darum schlägt der VRR-Vorstand jetzt seinem Verwaltungsrat vor, die Trennung von Abellio zu beschließen. Noch bis Ende Januar ist Abellio vertraglich dazu verpflichtet, die Züge weiter fahren zu lassen.

Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz fordert die Durchbindung.

Die Sorge um den Öffentlichen Nahverkehr und die Anbindung an die umliegenden Städte ist nicht nur in den Rathäusern, sondern auch in den Unternehmen groß. Dies wurde unter anderem beim Empfang der Bergischen Industrie- und Handelskammer in Remscheid deutlich. Der Remscheider Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) gab dort vorerst Entwarnung. „Es werden weiter Züge über die Müngstener Brücke fahren“, erklärte er. Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos) formulierte dazu am Donnerstag eine klare Forderung: „Ich erwarte, dass der Betrieb im Sinne der Fahrgäste langfristig fortgeführt wird.“ Hilfreich sei hierbei, dass die Fahrzeuge, die auf der Linie der S 7 fahren, dem VRR gehören. Außerdem spricht sich Hoferichter dafür aus, dass das bisherige qualifizierte Abellio-Personal auch weiterhin eingesetzt werde.

Abellio-Aus: Auf die Städte sollen keine Mehrkosten zukommen

Für die Städte sollen durch die anstehenden Notvergaben keine Kosten entstehen, machte Remscheids OB deutlich. Gemeint sind die Mehrkosten, die auf den VRR zukommen und die er normalerweise an die Kommunen weitergibt. Für Remscheid und Solingen stehen nach Informationen unserer Zeitung jeweils mittlere sechsstellige Beträge im Raum. Leon Kröck (Grüne), neben Hoferichter der zweite Vertreter der Stadt Solingen in der VRR-Verbandsversammlung, hielte es hier für wichtig, dass das Land NRW bei den Zusatzkosten einspringt.

In einer weiteren Sache wurde Mast-Weisz deutlich: Der Direktzug nach Düsseldorf, für den die Remscheider lange gekämpft haben, soll auf jeden Fall kommen. Ende Dezember 2022 soll es damit von Remscheid nach Düsseldorf gehen – ohne Umsteigen am Solinger Hauptbahnhof. Der VRR hatte im September der Direktverbindung grünes Licht gegeben. Langfristige Pläne dürften durch kurzfristige Notvergaben nicht infrage gestellt werden, erklärte auch Hoferichter. Dies gilt laut Kröck auch für die angestrebte Elektrifizierung der Strecke, die nach 2028 kommen soll.

Abellio im Bergischen

„Müngstener“: Das Bahnunternehmen Abellio hatte die Strecke des „Müngsteners“ (damals noch RB 47) 2013 von der Deutschen Bahn übernommen. Fortan war die Linie als S-Bahn (S 7) eingestuft.

Streit: Abellio und VRR stritten darum, ob Abellio genug Geld für seine Leistungen erhält. Außerdem beklagt Abellio, dass es Entschädigungen für Baustellen-Verspätungen zahlen müsse, auf die man keinen Einfluss habe.

Standpunkt

andreas.tews@b.boll-mediengruppe.de

Kommentar von Andreas Tews

Beim Streit um Geld haben sowohl der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als auch Abellio hart verhandelt. Das Tochterunternehmen der niederländischen Staatsbahnen stand zuletzt finanziell mit dem Rücken zur Wand, musste gar ein Schutzschirmverfahren in Anspruch nehmen. Jetzt zogen der VRR und andere Verkehrsverbünde in NRW gemeinsam einen Schlussstrich.

Dies hat ein Positives: Es herrscht Klarheit für die S 7.

Wichtig ist, dass unter dem vorzeitigen Aus Abellios nicht die Kunden leiden. VRR und das Unternehmen, das die nächsten zwei Jahre die S 7 betreiben soll, müssen dafür sorgen, dass ab dem 1. Februar moderne Züge pünktlich und verlässlich fahren.

Auch die Modernisierung der Infrastruktur und die Verbesserung des Angebots dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Das heißt: Zwischen Solingen, Remscheid und Wuppertal müssen spätestens ab 2028 elektrisch betriebene Züge fahren. Und noch früher muss es möglich sein, mehr Züge als bisher über Ohligs hinaus bis nach Düsseldorf durchfahren zu lassen.

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