Bergisches Wissensforum

Eric Standop schaut den Menschen tief in die Augen

„Schau’ mir in die Augen und ich sag’ dir, wer du bist“ – diesem Motto hat sich der Autor Eric Standop verschrieben, der mit seinem Vortrag am Dienstagabend den Auftakt zum dritten Bergischen Wissensforum macht. Foto: Christian Beier
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„Schau’ mir in die Augen und ich sag’ dir, wer du bist“ – diesem Motto hat sich der Autor und Mimik-Experte Eric Standop verschrieben, der mit seinem Vortrag am Dienstagabend den Auftakt zum dritten Bergischen Wissensforum macht.

Beim Bergischen Wissensforum gab der Mimik-Experte Eric Standop einen Einblick in die Welt der Mimiklehre - und erklärte, warum man manchen Menschen mehr zutraut als anderen.

Von Kristin Dowe

Im Großformat zeigt der Mimikexperte Eric Standop die Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Dame, die über das ganze Gesicht strahlt. Ihre Mundwinkel sind weit nach oben gezogen, der Mund so weit geöffnet, dass auch etwas Zahnfleisch zu sehen ist. Ein mit Sommersprossen übersätes Gesicht, dessen Ringmuskeln rund um die Augenpartie deutlich angespannt sind – wir erkennen kleine Lachfältchen. „Sie haben sich jetzt bestimmt gedacht: ,Das ist bestimmt eine Nette!’ Aber vielleicht handelt es sich ja auch um eine Meuchelmörderin“, bemerkt der Referent süffisant. Warum und in welcher Form Menschen unbewusst von einem Gesichtsausdruck auf bestimmte Charaktereigenschaften und Gemütszustände schließen, um diese Fragen ging es am Dienstagabend beim Auftakt des dritten Bergischen Wissensforums im Bürgersaal der evangelischen Stadtkirche.

„Die Augen sind das Tor zu unserem Gehirn.“

Eric Standop, Gesichtsleser

Nachdem viele Vorträge der beliebten Vortragsreihe bedingt durch die Corona-Pandemie zuletzt nur online stattfinden konnten, ging die Veranstaltung nun wieder vor Publikum über die Bühne. So war der Bürgersaal voll besetzt – gleichzeitig wurde der Vortrag aber im Netz übertragen, so dass die Zuschauer ihn nach Wunsch auch bequem von zu Hause aus erleben konnten.

„So ganz sind wir noch nicht wieder in der Normalität angekommen, aber wir sind auf dem Weg dorthin“, sagte ST-Chefredakteur Stefan Kob in seiner Begrüßung. „Wir müssen wohl alle wieder lernen, im Gesicht zu lesen, nachdem wir so lange mit der Maske herumgelaufen sind.“

So war das Thema durchaus passend gewählt. Denn die kleinen, nonverbalen Signale, die unsere Mitmenschen im Alltag aussenden und die in Zeiten reduzierter sozialer Kontakte so sehr auf der Strecke geblieben sind, standen im Mittelpunkt des Abends.

Eric Standop, der zahlreiche Bücher über das Gesichtslesen veröffentlicht hat und unter anderem als Berater für Unternehmen international tätig ist, verstand es, seine Botschaft mit anschaulichen Beispielen zu transportieren. Provokant fragte er die Zuschauer, wen sie bevorzugt einstellen würden, als er jeweils ein Porträt einer Frau und eines Mannes nebeneinander präsentiert. Sie mit herausforderndem und kämpferischem Ausdruck, er mit eher unsicher wirkender Mimik. Das Entscheidende sei laut Standop der Blick. „Denn die Augen sind das Tor zu unserem Gehirn.“ Dem Herrn würde man bei einer intuitiven Betrachtung des Fotos eher nicht zutrauen, „dass er die Abteilung aus dem Friedhofsstatus herausholt“.

Weiter zeigte Standop, warum Superhelden mit bestimmten physiognomischen Gesichtsmerkmerkmalen gezeichnet werden, und welche unbewussten Zuschreibungen diese beim Betrachter auslösen. So erscheinen die äußeren Winkel der Augen eher hochgezogen. Dabei müsse niemand aufwendig erlernen, die nonverbalen Äußerungen seiner Mitmenschen zu verstehen, betont Standop. Denn in der Geschichte der Menschheit habe man sich fast ausschließlich so verständigt, wohingegen die Sprache gerade mal etwa 40 000 Jahre alt sei.

Nicht alle seiner Thesen untermauerte Standop auch mit belastbaren wissenschaftlichen Fakten. In jedem Fall lieferte der Autor aber interessante Denkanstöße zu der Thematik und bereitete den Gästen in der Stadtkirche einen kurzweiligen Abend. Und sicherlich schärfte er das Bewusstsein für all die Details, die den Menschen „ins Gesicht geschrieben sind“.

Vortragsreihe

Partner: Das Bergische Wissensforum wird gemeinsam veranstaltet von Solinger Tageblatt, Remscheider Generalanzeiger und der Agentur Sprecherhaus. Die Volksbank im Bergischen Land und die Firma Walbusch sponsern die Vortragsreihe.

Fortsetzung: Am 26. Oktober beschäftigt sich Dörte Maack mit dem Thema Selbstbestimmung. Karten für diesen und weitere Vorträge unter Tel. (0 25 61) 97 92 888. Karten gibt es auch hier.

Erfolgreicher durchs Leben gehen - im Job ebenso wie im Privaten: Das kann man trainieren. An sechs Abenden widmet sich das „Bergische Wissensforum“ sechs verschiedenen Erfolgsfaktoren: Gesichtssprache, Selbstbestimmung, Wahrnehmung, Zielstrebigkeit, Überzeugungskraft und Vitalität. Die Vorträge finden live am Fronhof in Solingen statt - können aber auch als Livestream geschaut werden.

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