Mobilitätskonzept zeigt Schwächen und Baustellen auf

Wie können wir auf den Straßen Zeit und Wege sparen?

Oberbürgermeister Tim Kurzbach sprach bei der Regionalkonferenz „Zwischen Rhein und Wupper“. Foto: Moritz Alex
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Auch Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach sprach bei der Regionalkonferenz „Zwischen Rhein und Wupper“.

Was muss geschehen, damit das Leben für Pendler im Bergischen einfacher wird? Und damit weniger Autos die Straßen verstopfen? Das waren zwei Kernfragen bei der 2. Regionalkonferenz „Zwischen Rhein und Wupper“. Die Planer zeigten, wo die größten Probleme liegen und legten konkrete Ideen vor.

Von Andreas Erdmann

Remscheid/Solingen. Wie kann man täglich eine Stunde mehr Zeit gewinnen, um diese für Gesundheit, Erholung oder die Familie zu nutzen? Das war die Ausgangsfrage, die sich Mobilitätsplaner für Privat- und Berufspendler in 19 Städten des Rhein-Wupper-Raums stellten. Beauftragt von der in Solingen sitzenden Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft (BSW) entwickelten die Planer daraufhin ein Integriertes Regionales Mobilitätskonzept (IRM).

Nach einjähriger Arbeit wurde dieses Konzept nun am Samstag auf der 2. NRW-Regionalkonferenz „Zwischen Rhein und Wupper“ vor Politikern, Vertretern der beteiligten Kommunen und interessiertem Publikum vorgestellt. Die Veranstaltung fand vor rund 80 Besuchern in der ehemaligen Wartehalle des Alten Bahnhofs im Südpark statt.

„Eine Menge Zeit gewinnt man durch ein gutes Mobilitätsprinzip, das die großen Städte mit den umliegenden Kommunen und den dort befindlichen Arbeitsplätzen, Schulen und Wohnorten verbindet“, fasste Uta Schneider, Geschäftsführerin der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft (BSW), das Ergebnis zusammen. Voraussetzung sei „eine gute Kombination öffentlicher und privater Mobilität“.
Lesen Sie dazu auch den Standpunkt von Simone Theyßen-Speich.

Es fehlen noch Bus- und Schnellbuslinien, das Radnetz endet oft an Stadtgrenzen

Wichtig für ein effektiv funktionierendes Verkehrssystem sei eine sinnvolle Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsträger wie Bahn-, Bus-, Schnellbus-, Auto- und Radverkehr, führte Gernot Steinberg, Geschäftsführer von Planersocietät aus Dortmund, aus. „Wir fragten uns jeweils vor Ort, wo sind schon Potenziale vorhanden, und wo lassen sich neue Potenziale mobilisieren?“, erklärte Steinberg. Dabei habe man auch künftige Siedlungsentwicklungen und Städteerweiterungen mit in die Betrachtungen einbezogen.

„Für den regionalen Radverkehr entwickelten wir beispielsweise gemeinsam mit den Kommunen ein umfangreiches Wegenetz. Dieses ähnelt dem Netz für den Straßenverkehr und dient der externen Verbindung zwischen den einzelnen Städten.“ Auffällig sei, dass lokale Verbindungen fehlen. Dort seien Einrichtungen neuer Trassen denkbar. „So bräuchte Solingen zum Beispiel eine zukünftige Velo-Routenverbindung über Hilden nach Düsseldorf.“ Welche Velo-Route schon im Bau ist, lesen Sie hier.

Es mangelt an Bus- und Schnellbuslinien

Was die Busverbindungen betrifft: im gesamten Raum mangele es an Bus- und Schnellbus-Linien, um Städte besser miteinander zu verknüpfen und vorhandene Verkehrsnetze zu verdichten. Neben der Einrichtung zusätzlicher Bushaltestellen müsse auch der barrierefreie Ausbau der Haltepunkte vorangetrieben werden.

Größtes Manko: Fehlende direkte Zugverbindungen

Die größten Mängel im Verkehrsnetz weise aber der lokale Schienenverkehr auf. „So gibt es noch immer keine Direktverbindung von Solingen-Mitte zur Landeshauptstadt“, sagte Gregor Korte von Planersocietät.

Forderung: Direktverbindung der S7 von Mitte bis Düsseldorf

Dabei biete sich eine Verlängerung der S 7 nach Düsseldorf an. „Für eine klimafreundliche Alltagsmobilität, wie wir sie zukünftig wünschen, ist eine grundsätzliche Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs zwingend notwendig“, erklärte Uta Schneider. „Denn künftig sollen weniger Autos für mehr Platz auf unseren Straßen sorgen.“ Aktuell geht es erst einmal um den Erhalt der S7 - Betreiber Abellio steckt im Insolvenzverfahren.

Im Sinne des Klimaschutzes und einer künftigen Senkung des CO2-Ausstoßes werde auch der sogenannte intermodale Personenverkehr für Pendler eine Rolle spielen. „Man fährt nicht einfach nur mit dem Auto zur Arbeitsstelle, sondern nutzt auf dem Weg mehrere Verkehrsmittel in Folge. So kann man zum Beispiel mit dem Fahrrad zum Schnellbus fahren und danach wieder aufs Rad umsteigen.“ Zur Attraktivierung dieses Modells können E-Scooter oder Fahrrad-Mietsysteme eingesetzt werden.

Viele Ideen - jetzt sind die einzelnen Kommunen gefragt

„Unsere Arbeit ist getan“, schloss Steinberg. „Jetzt geht es an die Umsetzung.“ Dazu werden die einzelnen Kommunen miteinander kooperieren. „Nur gemeinsam lassen sich die aktuellen Mobilitätsprobleme lösen, die Verkehrsnetze zukunftsgerichtet ausbauen und neue effektive Mobilitätsangebote entwickeln“, betonte Schneider. Gefördert wird das Projekt vom Verkehrsministerium NRW. 20 Prozent der Finanzierung tragen die Kommunen.

Mobilitätskonzept: Das steckt dahinter

IRM: Beteiligt am Integrierten Regionalen Mobilitätskonzept waren die Dortmunder Büros Planersocietät und plan-lokal sowie Stein – Stadt- und Regionalplanung aus Frankfurt.

Teilnehmende Kommunen: Burscheid, Düsseldorf, Erkrath, Haan, Heiligenhaus, Hilden, Hückeswagen, Langenfeld, Leichlingen, Leverkusen, Mettmann, Monheim, Ratingen, Remscheid, Solingen, Velbert, Wermelskirchen, Wülfrath und Wuppertal sowie der Kreis Mettmann. Svenja Krause (BSW) begleitete die Kommunen.

Standpunkt: Wer zweimal zu spät kommt, steigt wieder aufs Auto um

simone.theyssen-speich@b.boll-mediengruppe.de

Die Meinung von Simone Theyßen-Speich

Zu volle Straßen, zu viel CO2-Ausstoß und Energiepreise, die derzeit durch die Decke schießen – es ist offensichtlich, dass in Sachen Mobilität dringend etwas getan werden muss.

Aber das Konzept, an dem jetzt im regionalen Verbund gearbeitet wird, kann nur gelingen, wenn man die Lebenswirklichkeit der Menschen, die es nutzen sollen, berücksichtigt. Familien werden ihren großen Wochenendeinkauf, bei dem der Kofferraum rappelvoll ist, nicht mit dem Bus machen. Und die Fahrt in die Nachbarstadt wird auch dann nur mit dem Öffentlichen Personennahverkehr attraktiv, wenn weder die aufzubringende Fahrzeit noch der Fahrpreis den alternativen Aufwand mit dem eigenen Auto deutlich übersteigen.

Menschen, die aus Überzeugung ein Lastenfahrrad nehmen oder sich an Car-Sharing-Modellen beteiligen, gibt es leider noch zu wenige. Wer möchte, dass die große Masse umdenkt und umsteigt, muss kreative Mobilitätsideen schaffen, die überzeugen. Und die verlässlich sind.

Wer zweimal zu spät ins Büro oder zur Uni kommt, weil die geplante Verbindung nicht funktioniert, wird sofort wieder aufs Auto umsteigen.

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