Täglicher Gesundheitscheck und Maskenausgabe

Corona erschwert den Frauenhaus-Alltag

Karin Heier leitet das Remscheider Frauenhaus. Ihr Team hat alle Hände voll zu tun. Sieben Kräfte teilen sich vier Vollzeitstellen. Foto: Roland Keusch
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Karin Heier leitet das Remscheider Frauenhaus. Ihr Team hat alle Hände voll zu tun. Sieben Kräfte teilen sich vier Vollzeitstellen.
  • Melissa Wienzek
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Team muss noch höhere Sicherheitsstandards einhalten.

Remscheid. Die Sicherheitsstandards im Remscheider Frauenhaus sind seit jeher hoch. Doch nun in Pandemiezeiten muss das siebenköpfige Team noch höhere Sicherheits- und Hygienestandards einhalten. Das wirkt sich auf den täglichen Betrieb in der Einrichtung des SkF Bergisch Land aus, in der Frauen Schutz vor gewalttätigen Partnern suchen – und dabei oft auch ihre Kinder mitbringen. Aktuell leben sieben Frauen und ihre Kinder im Frauenhaus, insgesamt 13 Personen. „Eigentlich sind wir immer voll belegt, aber wir sind gehalten, die Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Daher halten wir aktuell einen Platz frei“, erklärt Leiterin Karin Heier.

Zuletzt hatten einige Frauenhäuser in Nordrhein-Westfallen freie Plätze gemeldet. Die Beobachtung der Remscheider Frauenhaus-Leiterin: Im harten Lockdown suchten weniger Frauen einen Platz. Offenbar, weil sie zu Hause unter ständiger Beobachtung standen, weil Kitas und öffentliche Stellen geschlossen waren. Die soziale Kontrolle fehlte. Als die betroffenen Frauen wieder raus konnten, stieg auch die Zahl der Anfragen wieder. Daher sei auch die Belegungszahl in der Remscheider Einrichtung seit Corona schwankend.

Kinder sind in der Krise so angepasst, dass sie ihre Bedürfnisse zurückschrauben.

Karin Heier, Frauenhaus-Leiterin

Diese nimmt nur „sehr vorsichtig“ neue Schutzbedürftige auf – gerade jetzt, da die Infektionszahlen wieder rasant steigen, sagt Karin Heier. Jede Einrichtung habe ihr eigenes Corona-Schutzkonzept. Einige von ihnen haben vorgeschaltete Quarantänewohnungen. In Remscheid gibt es die nicht. Aber natürlich andere Sicherheitsmaßnahmen: „Jeden Morgen machen wir einen Inspektionsgang, verteilen Masken und schauen, ob jemand erkrankt ist.“ Sollte eine Bewohnerin oder ein Kind erkältungsähnliche Symptome aufweisen, heißt es: ab zum Arzt. „Dieser entscheidet dann, ob ein Test gemacht wird oder nicht.“ Das Frauenhaus-Team führt bewusst keine Schnelltests durch. „Diese sind ohnehin nicht 100-prozentig sicher und würden bei unserer Zielgruppe für noch mehr Verunsicherung sorgen“, sagt Heier. Zumal der Aufwand für das Personal dann noch höher sei.

Wegen Corona haben die Mitarbeiterinnen noch mehr zu tun. Bislang habe es in ihrer Einrichtung keinen Infektionsfall gegeben, sagt die Frauenhaus-Leiterin. Die Hälfte der Belegschaft sei schon geimpft. „Wir sind jetzt als Frauenhaus in Gruppe 2 der Impfpriorität.“

Für den Infektionsschutz gibt es klare Regeln im Remscheider Frauenhaus

Die Bewohnerinnen leben wie in einer WG – sie sind quasi ein Haushalt und können auch in Pandemiezeiten alle Gemeinschaftsräume nutzen. Grundsätzlich dürften die Frauen schon das Haus verlassen. „Wir haben aber die Vereinbarung, dass sie draußen zum Schutz vor einer Infektion niemanden treffen“, erklärt Heier. Schließlich muss der Rest der „WG“ und das Personal geschützt werden. „Und es ist ja auch wichtig, dass die Frauen weiter hier bleiben können“, betont Heier. Denn es wäre fatal, wenn ausgerechnet das Frauenhaus wegen Covid-19 schließen müsste.

Meist verweilen die Frauen ein halbes Jahr im Frauenhaus. Danach versucht das Team, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Das Modellprojekt „second stage“, das Frauen weitervermittelte, gibt es nicht mehr. Meist handelt es sich bei den Bewohnerinnen um junge Frauen, die in Abhängigkeit leben, oft auch mit unklarem Aufenthaltsstatus. Der Migrationsanteil ist hoch. „Die Frauen müssen lernen, selbstständig zu werden.“

Für alle Beteiligten sei die Situation derzeit sehr schwierig. Deshalb bieten die Mitarbeiterinnen nun jeden Sonntag ein Freiluftangebot an: Sie gehen mit den Frauen und Kindern raus in die Natur. Im Mai startet zudem eine neue Kollegin, die über einen LVR-Zuschuss gefördert wird. Sie wird mit den Kindern, die sich meist im Alter zwischen 0 und 8 Jahren befinden, naturpädagogisch arbeiten. Karin Heier sorgt sich um diese Kinder in Coronazeiten. „Sie sind in der Krise so angepasst, dass sie ihre Bedürfnisse zurückschrauben. Darin besteht die Gefahr, dass sie ihre Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen – und in ihrer Entwicklung stagnieren.“

Schnelle Hilfe

Plätze: Die meisten Bewohnerinnen melden sich selbst. Über eine Internetseite können betroffene Frauen nach freien Plätzen in Frauenhäusern in NRW suchen: www.frauen-info-netz.de.

Kontakt: Am einfachsten erreichen betroffene Frauen das Team in Remscheid telefonisch: Tel. 99 70 16. Wenn es nicht möglich ist, zu telefonieren, gern eine E-Mail schreiben: frauenhaus@skf-bergischland.de.

Hilfe gibt es auch beim bundesweiten Hilfetelefon: Tel. (08000) 116 016; hilfetelefon.de.

Die Liste der Anbieter für Gratis-Schnelltests wird immer länger. Hier finden Sie eine Liste der Schnelltest-Anbieter in Remscheid mit Öffnungszeiten und Buchungsmöglichkeiten. 

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