Hilfe nach dem Hochwasser

Anwohner retten sich mit Seilen vor der Flut

Andreas Werner von der TG Burg zeigt die durchweichten Turngeräte, die in der Alten Schlossfabrik eingelagert waren.
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Andreas Werner von der TG Burg zeigt die durchweichten Turngeräte, die in der Alten Schlossfabrik eingelagert waren.
  • Philipp Müller
    VonPhilipp Müller
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Unterburg wurde von vielen Seiten am Mittwoch überströmt

Bergisches Land. Ganz am Ende der Müngstener Straße hat sich am Mittwochabend ein Drama abgespielt. Das konnten die Anwohner erst jetzt erzählen. Viele stehen weiter unter einer Art Schock und zugleich vor den Trümmern ihrer Existenz.

Eine Anwohnerin der Straße berichtet, die Leute hätten gerufen „Wir saufen hier ab, wir ertrinken.“ Von Feuerwehr und Polizei sei keine Spur zu sehen gewesen.

Das ging auch nicht, denn der Eschbach hatte die Einmündung der Müngstener Straße zur Eschbachstraße da schon einen Meter hoch überspült. Die Wupper hatte dabei einen Höchststand in Burg erreicht, der alles bisher Aufgezeichnete und Erlebte weit übertraf.

Wupper zwei Meter höher als beim Jahrhunderthochwasser in Glüder 1957

Zuverlässig meldete nur das Landesamt für Natur und Umwelt Daten. Und der Vergleich erschreckt: 1957 wurden beim Jahrhunderthochwasser in Glüder 2,90 Meter Wupperhöhe erreicht. Am 14. und 15. Juli 2021 waren es 4,45 Meter. Der Begriff Jahrtausendhochwasser ist daher nicht falsch – aber die Einschätzung mancher, so ein Hochwasser hätten die Menschen an der Wupper doch schon öfter erlebt.

Eschbach und Wupper sind längst zurück in ihren Betten und die Schäden werden beim großen Aufräumen sichtbar. Die Unterburger erzählen jetzt auch, wie dramatisch die Flut in der Nacht zum Donnerstag war. Wasser kam an vielen Stellen von allen Seiten und stiegt sehr schnell.

Eine der betroffenen Bewohnerinnen der kleinen Siedlung am Ende der Müngstener Straße erzählt, was genau passiert sei. Das Wasser stieg unglaublich schnell. Zu schnell, um Hab und Gut zu retten und sich selbst trocken in Sicherheit zu bringen. Mit Seilen hätten sie sich dann eine Hilfe gebaut – und auf dem Weg zur Straße ging es den Berg rauf. Sie zeigt bis zum Hals: „Das Wasser hat uns fast bis hier gestanden.“ Sie zeigt auf ihren Hund: „Den hat jemand auf die Schultern genommen.“ Sie zeigt nicht auf sich selbst, aber das Drama, das sie erlebt hat, ist in ihrem Blick zu spüren.

Das Wasser stieg am Mittwoch mit großer Geschwindigkeit

Im Garten von Harry Esser an der Hasencleverstraße liegen völlig durchnässte Fachmagazine zu Gibson-Gitarren. Die sind das Leben des Musikers. Als er traurig auf die Zeitschriften schaut – es sind Hunderte – erzählt er von der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Die Wupper sei von gleich zwei Seiten in die Straße geströmt. Ihr Haus liegt an der Kita. Von dort kam es und von der Turnhalle aus strömte es auf sie zu. Hüfthoch im Wasser gegen die Strömung anlaufend sind er und seine Frau Judith den Fluten um Mitternacht entkommen.

Am Sonntag erzählt er das. Sohn Tim räumt mit auf. „Kann ich deinen Schrank zum Müllwagen bringen?“ Esser nickt – ein Stück Leben, ein alter Holzschrank mit Glasfenstern – ist für immer fort. So geht es den Unterburgern: Container um Container füllen sich seit Tagen mit Erinnerungsstücken.

Mit vielen Radladern wurde das ganze Wochenende und auch gestern Schutt aus der Müngstener Straße abgefahren.

Andreas Werner wohnt ein paar Häuser weiter. Auch er flüchtete zunächst, kehrte nochmals zu seinem Haus in der in der Flutnacht zurück: „Da kam mir schon meine Waschmaschine im Keller entgegengeschwommen.“ Er selbst hatte zuvor sein Handwerkszeug gerettet. Das sei die vergangenen Tage Gold wert gewesen, um überall zu helfen, wo er gebraucht wurde.

Vereine verlieren ihr Inventar in der Alten Schlossfabrik

Werner ist auch Mitglied der Turngemeinde Burg. Die TG hatte ihre Turngeräte alle in der Alten Schlossfabrik gelagert, weil die Turnhalle der Hasencleverstraße saniert wird. Vieles sei kaputt, noch schlimmer habe es die Kollegen vom Schützenverein getroffen, deren Stühle und Tische auch in der Schlossfabrik eingelagert waren. Sie sind alle kaputt.

Sperrung Burg

Der Einsatzleiter des Ordnungsamts, Oliver Nowacki, ging gestern davon aus, dass die Durchfahrt der Eschbachstraße noch länger gesperrt sein wird. Vorrang für Baufahrzeuge und die Sperrgut-Lkws hatte auch die Stadt am Morgen angekündigt.

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