Bundeswehr

Soldaten beweisen im Gesundheitsamt Fingerspitzengefühl

Oberfeldwebel Timon Kunzmann und Oberstleutnant Bernd Limprecht aus Lüttringhausen beim RGA-Besuch: Der 27-jährige Spähtruppführer hilft dem Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktverfolgung. Foto: Roland Keusch
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Oberfeldwebel Timon Kunzmann und Oberstleutnant Bernd Limprecht aus Lüttringhausen beim RGA-Besuch: Der 27-jährige Spähtruppführer hilft dem Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktverfolgung.
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Timon Kunzmann späht normalerweise den Feind aus. In Remscheid telefoniert er mit Corona-Infizierten.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Späher sind die ersten im Einsatzgebiet. Sie beobachten den Feind und klären die nachfolgenden Kameraden über seine Stärke auf. Oberfeldwebel Timon Kunzmann (27) und seine Männer liegen dazu in Manövern manchmal bis zu fünf Tage im Wald. Derzeit allerdings nicht. Der Spähtruppführer vom Aufklärungsbataillon 7 in Ahlen zählt zu den Bundeswehrsoldaten, die das Remscheider Gesundheitsamt bei der Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten unterstützt. Von den Remscheidern fühlt er sich dankbar aufgenommen: „Die versorgen uns laufend mit Schokolade und Kuchen. Ich hab´ schon drei Kilo zugenommen.“

Vier Soldaten tun derzeit in Remscheid ihren Dienst, drei von ihnen sind von der Stadt in einem Hotel untergebracht, nur Timon Kunzmann fährt nach Dienstschluss ins heimatliche Dorsten. Insgesamt befinden sich in Nordrhein-Westfalen derzeit mehr als 1000 Soldaten im Kampf gegen Corona. In 47 von 53 Gesundheitsämtern unterstützen sie die zivilen Kräfte vor Ort. Die sind dankbar für die Helfer in Uniform. Ohne sie, erklärte Thomas Neuhaus, Leiter des Corona-Krisenstabes, bei der Begrüßung der ersten Soldaten Anfang Oktober, wäre die Verfolgung und Unterbrechung der Infektionsketten in Remscheid nicht mehr gewährleistet.

Mittlerweile ist das erste, aus zehn Soldaten bestehende Kontingent abgelöst worden. Timon Kunzmann rückte mit drei Männern nach. Das ging schnell, berichtet der Offizier und Zeitsoldat. „Am Abend kam der Anruf, am nächsten Morgen waren wir da.“ Seither telefonieren die vier Aufklärer an der Seite von städtischen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern mit Menschen, die zuvor positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden.

„Ein 20-Jähriger geht mit einer solchen Nachricht natürlich anders um als eine alte Dame, die zur Risikogruppe zählt“, sagt Timon Kunzmann. Insofern verlaufen die Telefonate höchst unterschiedlich. Auch mit den Angehörigen, die um einen Menschen trauern, der mit Covid-19 verstorben ist, tritt er in Kontakt und will wissen: Mit wem hatte der Verstorbene Kontakt? Wem kann er das Virus weitergegeben haben.

Das ist oft bewegend“, sagt der Oberfeldwebel. „Aber wir brauchen natürlich so viel Informationen wie möglich, um das Virus ausbremsen zu können.“ Darüber hinaus geht es vor allem darum, den Menschen Ruhe und Orientierung zu vermitteln. Wer ein positives Testergebnis vorliegen hat, will wissen, wie es mit ihm weitergeht. Timon Kunzmann beruhigt, informiert und ruft bei Bedarf auch wieder an, um den Menschen zu zeigen, dass da einer ist, der sich kümmert.

„Wir bleiben über die Feiertage hier. Uns macht das nichts.“

Timon Kunzmann

Das werden die vier Soldaten vom Aufklärungsbataillon 7 auch an Weihnachten und Silvester tun, denn auch an den Feiertagen geht die Kontaktverfolgung weiter. „Wir bleiben über die Feiertage hier. Uns macht das nichts“, sagt Timon Kunzmann. Seine Freundin Laila kennt das. Die 25-Jährige ist selbst Soldatin im Sanitätsdienst. Selbst hält sich das Paar penibel an die Regeln zum Schutz vor Covid-19. „Wir haben unsere Sozialkontakte komplett runtergefahren.“ Das, sagt Timon Kunzmann, sei er auch denen schuldig, mit denen er täglich telefoniert.


Quarantänefälle

Alle Remscheider, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert haben und keinen schweren Krankheitsverlauf zeigen, befindet sich in angeordneter Quarantäne. An diesem Wochenende gilt das für 229 Bürgerinnen und Bürger. Sie werden vom Gesundheitsamt in dieser Zeit betreut und dazu mehrmals angerufen. Weitere 783 Menschen befinden sich derzeit als Verdachtsfälle in häuslicher Isolierung.

Lesen Sie auch: Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling erklärt im Interview, vor welchen Herausforderungen seine Kollegen und er in der Corona-Krise stehen. 

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