Grüne Energie

Solarstrom: Remscheider machen Druck für Bürgerfonds

Wolfgang Luge (l.) und Michael Wehrmann haben einige Mitstreiter vor dem Rathaus versammelt. Sie würden lieber heute als morgen in einen Solar-Bürgerfonds investieren.
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Wolfgang Luge (l.) und Michael Wehrmann haben einige Mitstreiter vor dem Rathaus versammelt. Sie würden lieber heute als morgen in einen Solar-Bürgerfonds investieren.
  • VonSven Schlickowey
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Mit einem Bürgerfonds für Solarstrom sollten Remscheider unterstützt werden, in Photovoltaikanlagen zu investieren. Doch seit eineinhalb Jahren ist nichts passiert.

Remscheid. Fast eineinhalb Jahre ist es her, dass der Stadtrat beschlossen hat, in Remscheid einen Bürgerfonds für Solarstrom aufzulegen. Bürger sollten die Möglichkeit bekommen, in Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Dächern zu investieren. Passiert ist seither wenig. Dabei gebe es genügend Remscheiderinnen und Remscheider, die dazu bereit seien, sagen Wolfgang Luge und Michael Wehrmann. Am Montag versammelten sie einige davon vor dem Rathaus – als „Erinnerung“ an Verwaltung und Politik, wie es Luge formuliert: „Wir wollen wissen, wo die Stadt steht.“

Derzeit höre und sehe man nämlich nichts zu dem Thema, sagt Wolfgang Luge: „Es scheint, als würde der Beschluss versanden.“ Die Stadt hülle sich in Schweigen. Die Stadtwerke, die laut Rat mit ins Boot geholt werden sollen, würden auf die Stadt verweisen. Ähnlich sieht es Mitstreiter Wehrmann: „Wir hängen in der Luft.“ Dabei fehle es nicht am Engagement der Bürger. Ohne großes Zutun habe man rund 20 Menschen aus dem persönlichen Umfeld gefunden, die gerne mitmachen würden, vor allem aus ökologischen Gründen. Allein die Stadt ziehe derzeit nicht mit.

1997 wurde die erste Bürgersolaranlage Remscheids gebaut

Michael Wehrmann und Wolfgang Luge wissen, wie es geht. 1997 bauten sie die erste Bürgersolaranlage Remscheids auf das Dach des Schulzentrums Klausen. 45 Remscheider überzeugten sie zuvor, jeweils mindestens 500 Mark im Rahmen eines erfolgsabhängigen Darlehns zu investieren. Alle Investoren sind längst im Plus. Und darüber hinaus sparte die Anlage bis heute zig Tonnen CO2.

Passend dazu: Baugebiet Eisernstein soll ökologisch hohen Ansprüchen genügen

Inzwischen hat die Klauserner Anlage ausgedient, sie ist in die Jahre gekommen. Man habe ihm signalisiert, dass die Stadt auf der Fläche nun gerne selber Solarstrom erzeugen wolle, berichtet Wehrmann. Möglicherweise plane die Verwaltung das auch für andere in Frage kommenden Dachflächen, vermutet er, was dann auch die Zurückhaltung beim Bürgerfonds erklären könnte. Doch der Ratsbeschluss sehe etwas anderes vor und müsste dafür zuerst geändert werden, betont Wolfgang Luge.

Würde die Stadt das ohne den Fonds angehen, sei das „auf jeden Fall schon mal gut“, sagt Wehrmann. „Wir fänden es aber besser, wenn man die Bürger mitnimmt.“ Und dafür sei ein von der Stadt initiiertes Projekt besser geeignet als ein privates, weil das Vertrauen größer sei. Hinzu komme die Finanzierung: „Die Stadt hat ja kein Geld.“ Doch da könnten Förderprogramme ins Spiel kommen, die nicht zuletzt wegen der derzeitigen Krise aufgelegt wurden.

Ratssitzung soll Ergebnis bringen

An die denkt unter anderem auch Kämmerer Sven Wiertz, wenn er über den vom Rat beschlossenen Bürgerfonds sagt: „Das ist derzeit in Arbeit.“ Die Verwaltung prüfe verschiedene Optionen, berichtet er. Zudem habe es die in dem Ratsbeschluss geforderten Gespräche mit den lokalen Kreditinstituten bereits gegeben. Das Ergebnis werde man für die Ratssitzung am 8. Dezember in einer Vorlage zusammenfassen. Dann erfahren auch Wehrmann, Luge und ihre Mitstreiter, wie es weitergeht.

Was aus dem Engagement der Bürger wird, wenn der Fonds doch nicht kommt, darüber habe man sich noch keine Gedanken gemacht, sagt Wolfgang Luge: „Wir gehen davon aus, dass der Ratsbeschluss umgesetzt wird.“ Ansonsten könnten die Kräfte aber sicher auch anders gebündelt werden. In Solingen und Wuppertal würden die Stadtwerke bereits mit den Bürgern zusammen Modelle dafür entwickeln, berichtet Luge. „Das brauchen wir für Remscheid auch.“

Hintergrund

Der Ratsbeschluss zum „Bürgerfonds für die Solarstadt Remscheid“ datiert auf den 24. Juni 2021. Der Antrag stammte von SPD, Grüne und FDP und erhielt 47 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen.

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