Urlaub und Corona

So viele Fundtiere: Tierheim in Remscheid ist voll

Gleich zwölf kleine Katzenbabys hat eine Ehrenamtlerin gerade mit der Flasche groß gezogen. Jetzt sind sie im Tierheim.
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Gleich zwölf kleine Katzenbabys hat eine Ehrenamtlerin gerade mit der Flasche groß gezogen. Jetzt sind sie im Tierheim.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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In den letzten Wochen häufen sich die Fundtiere im Remscheider Tierheim. Ehrenamtler helfen die vielen Aufgaben zu bewältigen.

Remscheid. Ob es sich um Corona-Rückläufer oder um lästige Verantwortungen in der Urlaubszeit handelt - das kann Tierheim-Leiterin Andrea Reitzig nicht mit Sicherheit sagen. „Die Tiere haben schließlich keinen Steckbrief dabei.“ Fakt ist aber: In den letzten Tagen und Wochen häufen sich die Fälle von Fundtieren. Aufmerksame Bürger rufen dann im Tierheim an, zudem fährt eine Ehrenamtlerin in die Ballungsgebiete und hält Ausschau.

„Letzte Woche haben wir allein vier Kaninchen in Parks gefunden. Sie wären draußen gar nicht überlebensfähig.“ Zudem ganz viele Katzen, die alle keinen Mikrochip tragen. Darunter eine ganze Familie von Maine-Coon-Katzen - teure Rassetiere, die man eigentlich nicht als Streuner auf den Straßen finden würde. Da liegt der Verdacht natürlich nahe. „Die Dunkelziffer von Corona-Rückläufern oder ausgesetzten Tieren ist sicher sehr hoch“, sagt Reitzig.

Tierheim in Remscheid ist voll: Viele Fundtiere sind in schlechter Verfassung

Fast jeden Tag nimmt das Team an der Schwelmer Straße aktuell Neuzugänge auf - das Tierheim für Remscheid und Radevormwald ist voll. „Das Schlimme daran ist, dass die Tiere im Großteil in einer ganz schlechten Verfassung sind“, erklärt die Tierheim-Leiterin. Eine Britisch-Kurzhaar-Katze, ebenfalls ein Rassetier, sei bis auf die Knochen abgemagert. Schlechte Zähne, Herpes, Verletzungen an der Zunge - das Tier lebte offenbar schon länger draußen. Die Hege und Pflege nehme derzeit viel Zeit und Liebe in Anspruch. Und das Schlimmste: Nicht immer kommen alle durch.

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Das Katzenhaus sei mit über 50 Tieren voll, das Hundehaus mit seinen 30 Zwingeranlagen ebenso. Hierunter sind auch die Pensionstiere. Jetzt, zur Urlaubszeit, ist die Auslastung natürlich hoch. Mit der Tier-Betreuung nimmt das Tierheim, das von einem Verein getragen wird, etwas Geld ein - was wiederum in Futter, Streu und medizinische Versorgung fließt. All das ist derzeit sehr gefragt. Erst Ende September gebe es wieder freie Kapazitäten für Pensionstiere, sagt Reitzig. Hinzu kommen dann die Fundtiere. „Es ist ein tägliches Improvisieren.“

Und das mit einem kleinen Team - auch im Tierheim herrscht Urlaubszeit. Vier hauptamtliche Kräfte sind derzeit im Dienst. Daher ist Andrea Reitzig dankbar, dass sie auf die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler zurückgreifen kann. Sie unterstützen beim Gassi gehen, beim Telefondienst, kümmern sich liebevoll um die Kleintiere. Ihnen spricht Reitzig ihr Lob aus - ohne die Freiwilligen ginge es nicht. Es dürfe jetzt nur niemand ausfallen. Eine dieser Ehrenamtlerinnen ist auch eine Remscheiderin, die als externe Pflegestelle gerade zwölf Katzenbabys mit der Flasche aufgezogen hat - alles Fundtiere. Nun sind sie im Tierheim eingezogen und werden bald vermittelt.

Standpunkt von Melissa Wienzek: Plötzliche Lästigkeit

melissa.wienzek@rga.de

In den vergangenen zweieinhalb Jahren sind viele auf den Hund oder die Katze gekommen. Kein Wunder: Tiere sorgen auch für inneres Seelenheil. Aber, und das darf man einfach nicht ausblenden: Sie machen halt auch Arbeit. Und kosten. Katzen und Hunde wollen jeden Tag im Jahr versorgt werden - ob Feiertag ist oder nicht, ob es einem selbst gut geht oder nicht. Sie werden auch schon mal krank und sorgen für Tierarztrechnungen.

Das mag in Zeiten von Home Office noch gut geklappt haben. Aber jetzt, da vieles wieder normal läuft, sind die Vierbeiner plötzlich lästig. Hat man ja nicht kommen sehen. Vor allem jetzt zur Urlaubszeit. Die Ansage „Wenn Sie ihn nicht nehmen, binde ich ihn an der Laterne an“ (kein Scherz) ist übrigens strafbar. Und wer darf es ausbaden? Das Tierheim.

Ein Tier ist keine Spontanentscheidung wie „Heute Nudeln oder Pizza?“, sondern eine Entscheidung für mindestens das nächste Jahrzehnt. Und Herrchen muss dabei auf vieles verzichten. Das sollte man bedenken, bevor man die Verantwortung übernimmt.

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