Pandemie

Astrazeneca-Stopp bremst den Impffortschritt aus

Seit Ende Dezember des vergangenen Jahres wird im Remscheid gegen das Coronavirus geimpft.
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Seit Ende Dezember des vergangenen Jahres wird in Remscheid gegen das Coronavirus geimpft.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Annähernd 4000 Remscheider wurden bereits mit dem Serum vor dem Coronavirus geschützt.

Remscheid. 7 563 Menschen sind bislang im Impfzentrum in Remscheid mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Rund 4000 Dosen entfallen auf das Vakzin von Astrazeneca. Nun bremst die Nachricht vom vorläufigen Stopp der Impfungen mit dem Vakzin das Impfgeschehen erneut aus. Die Stadt hat die für Freitag, Samstag und Sonntag vorgesehenen Impfungen abgesagt und das städtische Buchungssystem vorerst geschlossen.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) reagierte am Montag verärgert auf die Entscheidung der Bundesregierung: „Dieses Chaos ist völlig unverständlich. Bis gestern war alles okay; heute wird zurückgerufen. Wie sollen die Menschen da noch Vertrauen in die Entscheidungen des Bundes haben?“, fragte das Stadtoberhaupt. Und weiter: „Das ist Wasser auf die Mühlen all derer, die alles daran setzen, um die Impfstrategie in Frage zu stellen, und die damit den Impffortschritt gefährden.“

In der vergangenen Woche wurden im Impfzentrum insgesamt 2145 Impfungen vorgenommen, darunter 1046 Erst- und Zweitimpfungen mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer und 1099 Erstimpfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca. Unter anderem handelt es sich um Lehrerinnen und Lehrer sowie Kitapersonal.

Bislang kam es in Remscheid zu keinen ernsten Komplikationen

Unter den 4000 Dosen von Astrazeneca, die an sie und andere bis heute in Remscheid verimpft wurden, blieb es bislang bei den beschriebenen Nebenwirkungen von Abgeschlagenheit und leichtem Fieber. Ernsthafte Komplikationen hat es laut Krisenstab nicht gegeben. Auf die Zweitimpfungen werden die Geimpften dennoch vorläufig warten müssen. Wenn mit Astrazeneca überhaupt eine Zweitimpfung erfolgen kann. „Möglicherweise müssen wir auf andere Impfstoffe ausweichen“, sagt Thomas Neuhaus, Schuldezernent und Leiter des Krisenstabes. Mit den 7563 Impfungen, die seit dem 8. Februar vorgenommen worden sind, liegt Remscheid mit den Nachbarstädten in etwa gleich auf. Im rund 160 000 Einwohner zählenden Solingen wurden bis zum Wochenende 12 314 Impfdosen gespritzt. Wuppertal, mit 360 000 Einwohnern mehr als dreimal so groß wie Remscheid, zählt im gleichen Zeitraum 23 689 Erst- und 11 430 Zweitimpfungen. Unterdessen nahm allerdings auch das Infektionsgeschehen wieder an Geschwindigkeit zu. Die Krankenhäuser vermelden aktuell 15 positive Fälle im Alter zwischen 40 und 86 Jahren. Die gute Nachricht: Seit dem 27. Februar hat sich die Zahl der Todesfälle nicht weiter erhöht. 

Standpunkt: (R)Eine Panikreaktion

sven.schlickowey@rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

So leicht ist Burkhard Mast-Weisz eigentlich nicht aus der Ruhe zu bringen. Aber der Stopp für den Impfstoff von Astrazeneca machte den Oberbürgermeister nach eigenem Bekunden „fassungslos“. Seit Wochen mühen sich die Verantwortlichen, auch hier vor Ort, das angeknackste Vertrauen in AZD1222 wiederherzustellen, da platzt die Bundesregierung mit dieser Panik-Reaktion dazwischen. Grundlage sind, das noch einmal zur Klarstellung, 30 Fälle von Gerinnungsstörungen bei etwa fünf Millionen Geimpften. „Die Zahl der thrombembolischen Vorfälle bei geimpften Menschen ist nicht höher als die Zahl in der Gesamtbevölkerung“, schrieb die Europäische Arzneimittel-Agentur dazu. Doch Fakten scheinen bei den Entscheidungen in der Corona-Politik längst ausgedient zu haben. Womit den Handelnden vor Ort wieder einmal ein sprichwörtlicher Knüppel zwischen die Beine geworfen wird. Dass die Mitglieder des Krisenstabs, die Helfer im Impfzentrum und die vielen anderen nicht schon längst hingeworfen haben, grenzt an ein Wunder.

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