So steht es um die Kultur in Remscheid

Fallen der Pandemie bereits zum zweiten Mal zum Opfer: die „Bergischen Heimatspiele“ (o. l.). Auch die Kulturbörse „KreaCon“ – hier mit Gitarrist Kai Heumann – wird verschoben (o. r.). Die Kultur nahm neue Wege: Das WTT stieg 2021 erstmals ins Streaming ein (u. l.). Die Ausstellung „Jet ze luure“ von Klaus Küster in der Ins Blaue Art Gallery kann nach Absprache einzeln besichtigt werden (u. r.). Archivfotos: Roland Keusch/Michael Sieber/Michael Schütz
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Fallen der Pandemie bereits zum zweiten Mal zum Opfer: die „Bergischen Heimatspiele“ (o. l.). Auch die Kulturbörse „KreaCon“ – hier mit Gitarrist Kai Heumann – wird verschoben (o. r.). Die Kultur nahm neue Wege: Das WTT stieg 2021 erstmals ins Streaming ein (u. l.). Die Ausstellung „Jet ze luure“ von Klaus Küster in der Ins Blaue Art Gallery kann nach Absprache einzeln besichtigt werden (u. r.). Archivfotos: Roland Keusch/Michael Sieber/Michael Schütz

Die magische Inzidenz von 50 scheint noch weit weg – Hoffnung machen der „Notfallfonds“ und eine Gesetzesvorlage

Von Melissa Wienzek

REMSCHEID Einige sind müde, viele sind frustriert, und alle vermissen ihr echtes Publikum: Der Lockdown macht den Kulturmachern in Remscheid zu schaffen. 13 Monate ist es her, dass Corona auch im Bergischen Einzug hielt – und das öffentliche Leben runtergefahren wurde. Vor allem die Kulturstätten haben das zu spüren bekommen. „Es sind 13 Monate, in denen wir feststellen, dass die Kultur mit ihren mannigfaltigen Formen dringend vermisst wird“, erklärte Kulturdezernent und Stadtdirektor Sven Wiertz (SPD) am Dienstagabend beim „Kulturdialog“. Erstmals tauschten sich Remscheider Künstler und Vertreter von Institutionen dabei digital aus. Im Vordergrund: die Pandemie und ihre Auswirkungen – und was in den vergangenen 13 Monaten überhaupt noch möglich war.

Einige hatten sich ans Thema Streaming gewagt. Zum Beispiel das WTT, das Teo Otto Theater, die Klosterkirche oder Max Süss mit seiner Reihe „Kunst und Kultur in Remscheid“. Doch so großartig und kreativ die Angebote auch sind – ein echtes Liveerlebnis kann das Digitale nicht ersetzen. Darin sind sich alle einig. „Was wir in den letzten Monaten erlebt haben, ist ein ganz entscheidender Punkt: Das Publikum ist Teil der Aufführung. Die Atmosphäre, die im Theater entsteht, wird Teil der Inszenierung“, sagte Sven Graf, künstlerischer Leiter des Teo Otto Theaters. Vor dem Computer daheim ohne Interaktion funktioniert nun mal keine Atmosphäre. Denn Kultur ist mehr. „Es ist der Geruch im Theater und das Tuscheln im Zuschauerraum“, sagte Kulturpolitikerin Beatrice Schlieper (Grüne). Es ist der Austausch vor und nach dem Konzert mit anderen, gern mit einem Glas Wein in der Hand, sagte Kulturausschuss-Vorsitzender Karl Heinz Humpert (CDU).

Wann das allerdings wieder möglich ist, ist noch unklar. Die magische Grenze von 50 scheint für viele eine Illusion. Denn erst, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz in Remscheid darunter liegt und von der Landesregierung auch formal bestätigt wird, darf der klassische Spielbetrieb wieder starten. Am Dienstag lag die Inzidenz erstmals seit langem wieder unter 100, so auch gestern. „Ich hoffe, dass dieser Trend anhält“, erklärte Wiertz. Denn langsam schwindet die Energie. „Die Künstler wollen raus, sie wollen auf die Bühne und nicht streamen. Wir brauchen einen Impftermin und besseres Wetter“, brachte es Oliver Scheemann vom Actor’s Studio NRW auf den Punkt.

„Der Verein wird überleben.“

Christian Wüster, Lüttringhauser Volksbühne

Alle Beteiligten von WTT über Rotationstheater bis Kulturwerkstatt Ins Blaue hoffen nun auf den Juli. Den Juni haben die meisten schon abgeschrieben. Aber auch der Sommer ist für einige Events bereits gelaufen. Die „Bergischen Heimatspiele“ auf der Freilichtbühne in Lüttringhausen sind zum zweiten Jahr in Folge abgesagt. Der ohnehin nicht auf Rosen gebettete Verein benötigt dringend finanzielle Unterstützung. „Im zweiten Jahr knirscht es“, betonte Christian Wüster, Vorsitzender der Lüttringhauser Volksbühne. „Der Verein wird aber überleben. Der ,Notfallfonds‘ der Stadt und Privatspenden haben uns geholfen.“

Die Freilichtbühne wäre daher für andere nutzbar. Die Bänke werden demnächst aufbereitet, genauso, wie es auch schon im Stadtpark vor der Konzertmuschel geschehen ist, berichtete Sven Wiertz. Allerdings gibt es auch für Open-Air-Veranstaltungen ein Hindernis: „Das Hygienekonzept, das verlangt wird, schreibt unter anderem vor, dass das Gelände eingezäunt und dies kontrolliert werden muss.“ Deshalb seien auch die Stadtteilkonzerte der Bergischen Symphoniker gestrichen. Dennoch, räumte der Stadtdirektor ein: „Dies ist alles noch ausgerichtet auf die Situation der zweiten Welle. Daher gehe ich davon aus, dass bald Änderungen kommen.“ Denn die Impfkampagne schreite mit großen Schritten voran.

Um die Not der Kulturszene in Remscheid immerhin ein wenig zu lindern, wird es auch dieses Jahr wieder den „Notfallfonds Kultur“ geben. Abermals enthält er 200 000 Euro für Künstler, Institutionen und Projekte, die in der Corona-Krise in Not geraten. 150 000 Euro davon stammen aus umgeschichteten Mitteln des Teo Otto Theaters. Im Juni sollen Hauptausschuss, Kulturausschuss und Rat darüber abstimmen. Eine Zusage gilt als sicher. „Es ist ein deutliches Zeichen, dass auch die Verwaltung alles unternimmt, um das Kulturleben in Remscheid in dieser Krise zu unterstützen“, sagte der Kulturdezernent. „Ich bin mir sicher, dass Bedarf da ist.“

Damit dürfte er recht haben. Denn 2020 war der erste „Notfallfonds“ bereits stark überzeichnet: Um 407 270 Euro baten die Kulturschaffenden in ihren 25 Anträgen. Es gab aber nur 200 000 Euro. „Ich hoffe auch, dass Bund und Länder bei ihren Kulturhilfen nacharbeiten. Denn die Folgen der Pandemie werden wir noch 2022 spüren“, sagte Sven Wiertz.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es bereits jetzt: das geplante NRW-Kulturgesetzbuch. Der Landesregierung liegt ein entsprechender Gesetzesentwurf vor. Damit würde die Kultur erstmals einen gesetzlichen Rahmen erhalten und die Kommune finanziell unterstützt. „Das wäre ein Meilenstein“, sagte Wiertz. Warum? „Weil Kultur dann als Daseinsvorsorge wahrgenommen wird.“

„KreaCon“

Die „KreaCon“, die neue Kulturbörse, wurde vom September 2020 auf 3./4. Juli 2021 verschoben. Doch eine Präsenzveranstaltung im Teo Otto Theater scheint nicht möglich. Digital möchten sich die Künstler allerdings nicht präsentieren, die Messe lebe vom persönlichen Austausch. Daher wird die „KreaCon“ auf Juni 2022 verschoben.

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