DWD warnt vor heißem Wetter

So rüstet sich die Stadt gegen Hitze

Sabine Ibach, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Umwelt, an der begrünten Fassade der Daniel-Schürmann-Grundschule. Mit dem Smartphone kann sie die Daten der Thermobuttons auslesen.
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Sabine Ibach, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Umwelt, an der begrünten Fassade der Daniel-Schürmann-Grundschule. Mit dem Smartphone kann sie die Daten der Thermobuttons auslesen.
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Bäume und Begrünung sorgen in der Stadt für Abkühlung.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. 34 Grad sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für heute voraus - und spricht für Remscheid eine Hitzewarnung zwischen 11 und 19 Uhr aus. Auch die kommenden Nächte werden keine große Abkühlung bringen – diese werden mit 20 Grad warm. Vor allem Ältere sind bei den hohen Temperaturen besonders gefährdet. Die Zahl der Hitzetage ist laut dem DWD in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Es wird erwartet, dass die Temperaturen im Bergischen durchschnittlich um bis zu 4,4 Grad bis zum Jahr 2100 steigen. Anlass genug für die Stadt Remscheid, zu handeln. Wie, erklären wir im Folgenden.

Gibt es in Remscheid einen Hitzeaktionsplan wie in anderen Städten?

Jein, sagt Sabine Ibach, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Umwelt bei der Stadt Remscheid. Die Landschaftsarchitektin betreut alle Planverfahren und Klimaanpassungsprojekte. Denn es gibt seit April zwar einen Ratsbeschluss, einen Hitzeaktionsplan zu erstellen. Dennoch arbeitet die Verwaltung gerade erst einmal an anderen Konzepten und Projekten, ehe sie sich dem Hitzeaktionsplan widmet. „In dieser Hinsicht tun wir aber bereits viel“, betont Ibach. Zum Beispiel ist Remscheid eine von drei Modellkommunen des Bundes-forschungsprojektes „ExTrass“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt dafür 1,32 Millionen Euro insgesamt zur Verfügung. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

Was ist das genau?

Größere Städte sind durch den Wärmeinsel-Effekt und ihre starke Bodenversiegelung besonders von Wetterextremen wie Hitze und Starkregen betroffen. Diese bergen hohe gesundheitliche Risiken für die städtische Bevölkerung. Über „ExTrass“ sollen große und mittelgroße Städte Ideen erhalten, wie sie sich gegen Extremwetterereignisse behaupten können. Die Anfang 2022 gestartete Umsetzungsphase schließt an eine dreijährige Forschungs- und Entwicklungsphase an. Darin wurde mit unterschiedlichen Ansätzen der Stand der Klimaanpassung in etwa 100 Groß- und Mittelstädten bundesweit erfasst. Die Stadt Remscheid nutzt zum einen die Erfahrungen der Projektpartnerstadt Würzburg. Zum anderen ist darüber für Remscheid der sogenannte Handlungsplan „Blau-grüne Infrastruktur“ auferlegt worden. Tenor laut Sabine Ibach: „Wir brauchen mehr Grün in der Stadt, um den Hitzespitzen begegnen zu können.“

Was ist geplant?

Die Stadt treibt weiter die Baumpflanzung im urbanen Raum voran - daher kümmern sich die TBR derzeit auch um ein Stadtbaumkonzept. „Stadtbäume haben eine sehr hohe Wirksamkeit gegen Hitze“, sagt die Landschaftsarchitektin. Zudem denken die Forscher auch in eine andere Richtung: Notfalls könnten Flächen wieder entsiegelt werden. Denn diese sorgen für Hitze. „Unser Katastrophenschutz wird zudem ein Planspiel bezüglich Hitze oder Starkregen machen, wahrscheinlich im September“, sagt Ibach. Alles, was neu gebaut wird in Remscheid, durchläuft zudem den Klima-Check: Welches Energiekonzept liegt vor? Wie sieht es mit Dachbegrünung aus? Denn gerade letzteres macht dann Sinn, wenn es viele sind.

Was passiert mit der begrünten Fassade der Grundschule Daniel-Schürmann-Straße?

Bei dem ebenfalls über „ExTrass“ finanzierten Projekt sind Thermobuttons an der begrünten Fassade angebracht worden. Die Daten misst der Stadtdienst regelmäßig aus. „Es bringt aktuell noch nicht viel, denn die wandgebundenen Begrünungen brauchen lange, bis sie wachsen. Trotzdem messen wir, damit wir Veränderungen feststellen können.“ Und: Neben der GS Daniel-Schürmann wird die Stadt eine weitere Fassade einer Immobilie begrünen. Vorbild ist die Fassadenbegrünung an der Gladbecker Straße B 224 in Essen. Die grünen Elemente sollen nicht nur schön aussehen, sondern auch Feinstaubpartikel filtern.

Passend dazu: Remscheids Innenstadt ist eine Hitzeinsel

Wird Remscheid Straßen mit Wasser vernebeln wie Solingen oder Salz streuen gegen Hitze wie in Holland?

„Wasserverneblung machen große Städte, die stärker betroffen sind von Hitzelagen. Wir mussten das wegen unserer Höhenlagen derzeit noch nicht. Aber es ist nicht auszuschließen, dass das irgendwann der Fall sein wird“, sagt Sabine Ibach. Salz streuen sei auch noch keine Option.

Wäre der vieldiskutierte Wasserspielplatz nicht eine gute Idee?

Auf jeden Fall wäre der vieldiskutierte Wasserspielplatz eine gute Idee, sagt die Landschaftsarchitektin. „Wir hoffen auf eine Förderung.“ Ebenso gibt es bereits Ideen gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung, dass Bürgerinnen und Bürger künftig Wasser bei Händlern bekommen können.

Wo erhalten Bürgerinnen und Bürger Empfehlungen?

Die Stadt hat bereits vor Jahren zwei Broschüren veröffentlicht: Den „Hitzeknigge“ und „Sommerhitze“. Sie wurden an soziale Einrichtungen wie Kitas und Pflegeheime verschickt und sind online einsehbar. Zudem gibt es von der Bundeszentrale der Johanniter-Unfallhilfe einen kostenfreien Workshop ( ).

Online-Kurs: Gut durch die Hitze

Die Johanniter bieten zum Thema „Gut durch Hitzewellen kommen“ einen kostenlosen Online-Kurs an, den die Stadt Remscheid allen ans Herz legt. Die Inhalte: Wie kann ich mich darauf vorbereiten? Worauf muss ich achten, um unbeschadet heißes Wetter zu überstehen? Wie reagiere ich bei Hitzenotfällen richtig? Anmeldung und weitere Informationen gibt es hier.

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