Erziehung

So können Eltern die Pubertät als Geschenk sehen

Nach dem Vortrag von Andrea Daun im Turnraum der Kita Villa Kunterbunt stellten die Eltern einige Fragen zu ihrem Familienalltag. Foto: Doro Siewert
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Nach dem Vortrag von Andrea Daun im Turnraum der Kita Villa Kunterbunt stellten die Eltern einige Fragen zu ihrem Familienalltag.

Familienberaterin und Villa-Kunterbunt-Leiterin Andrea Daun gibt Tipps. Kinder brauchen den Widerstand, um ihre Identität zu finden.

Von Melissa Wienzek

Sobald das Kind die zehn Kerzen auf seinem Geburtstagskuchen ausgepustet hat, kommen stürmische Zeiten auf die Familie zu. Denn jetzt geht es stramm in Richtung Pubertät und die verlangt den Eltern einiges ab. Vor allem aber dem Kind selbst. Denn Jungen und Mädchen beginnen damit nicht nur, ihre eigene Identität aufzubauen, sondern hinterfragen nun auch die Werte der Eltern. Dies kann ein stiller, innerlicher Prozess sein, oder eine Krise. „Pubertät ist eine Tatsache und keine Krankheit“, sagt die systemische Familienberaterin Andrea Daun, selbst Mutter von drei Kindern.

In dieser wichtigen Umbau-Phase, in der auch die Hormone verrückt spielen, brauchen Kinder den richtigen Sparringspartner. Und Eltern können diese Zeit als Geschenk begreifen. Wie das gelingen soll, erklärte Andrea Daun jetzt in der Kita Villa Kunterbunt den Zuhörerinnen und Zuhörern. Sie leitet selbst das Familienzentrum.

Was braucht das Kind in der Pubertät von den Eltern?

Jugendliche brauchen zwei Dinge, sagt Andrea Daun: Das 100-prozentige Vertrauen der Eltern, damit es sich ausprobieren kann. Und: Eltern, die eine neue Rolle für sich selbst finden und eine Haltung aufbauen. Denn jetzt ist die Zeit der aktiven Führung vorbei, das Kind erhält nun nach und nach die Verantwortung zum Beispiel für das Aufstehen, die eigene Hygiene, und probiert sein eigenes Leben aus. „Es ist wichtig für beide, dass sich die Eltern nun von der vordersten Front zurückziehen, doch als Sicherheitsnetz für den Notfall zur Verfügung stehen.“ Eltern seien nun im besten Fall der Berater. Ihr Tipp: diskret sein und die Privatsphäre des Jugendlichen respektieren. Grundlage sei ein respektvolles Miteinander und Konflikten mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen.

Warum verhält sich mein Kind respektlos?

„Wenn Kinder respektlos sind, haben sie selbst Respektlosigkeit erfahren“, erklärt Andrea Daun. Denn Kinder seien erst mal völlig offen für das, was sie erführen. „Die ersten zehn Jahre bilden den inneren Kompass für das Kind. Da stecken Ihre zehn Jahre drin.“ Erziehen ginge danach nicht mehr, auch nicht im Turbogang. Aggression hingegen sei ein Hinweis darauf, dass es dem Teenager nicht gut gehe. Wichtig: Wenn gutes Reden nicht mehr hilft oder es gefährlich wird, den Stecker ziehen. Und dann auch mal sagen: „Ich erlaube es dir nicht.“ Es sei zwar nicht falsch, Wünsche zu äußern, aber es sei auch nicht falsch, diese nicht zu erfüllen. Zehn Minuten sollte das Kind dann übrigens für sich haben, um den Frust über das Nein abbauen zu können.

Warum rebelliert mein Kind?

Weil es den Widerstand braucht, um sich von seinen Eltern abzugrenzen und sein eigenes Leben zu testen. Jugendliche bräuchten jetzt einen Sparringspartner. Das Motto: „Maximaler Widerstand bei minimalem Schaden.“ Beispiel: Max möchte ohne Helm Fahrrad fahren. Ein guter Satz wäre jetzt: „Max, ohne Helm fahren ist lebensgefährlich. Ich weiß, dass du das selbst weißt, aber es ist mir wichtig, das zu sagen, denn ich liebe dich.“

Liebt mein Kind mich nicht mehr?

„Die Liebe stellt Ihr Kind nicht infrage. Tun Sie das bitte auch nicht“, sagt die systemische Familienberaterin. Ein Nein vom Kind sollten Eltern nie persönlich nehmen – denn damit sagten Kinder einfach nur ja zu sich selbst. Aber: „Korrigieren Sie, wenn zu scharf geschossen wird.“ Ein guter Satz wäre: „Auch wenn du mich jetzt gerade blöd findest, will ich nicht, dass du mich so titulierst.“

Warum lügt mein Kind?

Wohl alle Eltern kennen die Situation, dass das Kind eine schlechte Note lieber mit der Notlüge „Wir haben die Klassenarbeit noch nicht zurück“ kaschiert. Warum tut es das? „Es lügt, um den Erwachsenen zu beschützen – er könnte ja enttäuscht sein. Oder, weil in dieser Familie jetzt gerade kein Platz für seine Wahrheit ist“, sagt Daun. Eltern könnten sich sicher sein: „Kinder tun grundsätzlich immer ihr Bestes.“

Sollte ich alles kommentieren, was mein Kind denkt und unternimmt?

Auf keinen Fall. Zuhören heiße nicht kommentieren. „Wollen Sie nur mit ihm reden, um ihm zu sagen, wie er zu sein hat? Dann werden Sie scheitern.“ Sätze, die bewerten und verletzen, seien überflüssig. Klassiker: „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ Einfach streichen, sagt Daun. Denn es hilft nicht weiter. Tipp: Eltern sollten über sich sprechen – und ihre Kinder darüber einladen, über sich selbst zu erzählen. „Gibt man dem Jugendlichen Zeit und das Gefühl, interessiert zu sein, dann wird diese Geduld häufig belohnt.“

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