Akut

So hilft die Stiftung Tannenhof Patienten in der Trauma-Ambulanz

Unfall, Missbrauch oder Kriegserfahrung: Akute Fälle werden innerhalb von 14 Tagen behandelt.

Von Alina Komorek

Trauma bedeutet auf Griechisch „Wunde“. Diese ist oft nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Manche Menschen überwinden diese Wunden schnell. Andere leiden lange darunter – und brauchen Hilfe beim Verarbeiten des Traumas. Um Menschen zu helfen, die etwa einen Unfall, eine Flucht oder sexuellen Missbrauch erfahren haben, gibt es seit einigen Jahren die Trauma-Ambulanz der Stiftung Tannenhof.

Dort finden traumatisierte Menschen Hilfe, die von der Gabe von Medikamenten bis zur Vermittlung in eine langfristige Psychotherapie reichen kann. Professor Dr. Eugen Davids ist Ärztlicher Direktor der Stiftung Tannenhof und beschreibt, wie unterschiedlich Traumafolgestörungen, unter die auch die posttraumatische Belastungsstörung fällt, entstehen können: „Neben den konkreten Traumata, die durch Unfälle oder Kriegserfahrungen entstehen, können Traumata auch aus einem Mangel heraus entstehen.“ Dazu gehörten Mangel in der Kindheit, zum Beispiel an Hygiene, Zuwendung oder Ernährung. Die Hauptmerkmale von den verschiedenen Traumata seien aber ähnlich. „Es kommt alles wieder hoch bei sogenannten Déjà-Vu-Erlebnissen – zum Beispiel durch bestimmte Gerüche.“

Traumatisierte Menschen erkenne man daran, dass sie immer eine gewisse Anspannung zeigten, nervös und zittrig erscheinen und unter Schlafstörungen litten. Ein Trauma aufgrund eines Mangels äußere sich häufiger in Ängsten oder Depressionen, konkrete Traumata seien eben sehr plastisch. „Viele haben ein Trauma“, sagt Davis. „Es ist nicht so häufig wie eine Depression, aber kommt doch häufiger vor als beispielsweise eine Psychose.“

So werde die Trauma-Ambulanz oft von der Opferhilfe kontaktiert, woraufhin die Betroffenen recht schnell – innerhalb von zwei Wochen – einen Termin bekommen: „Es soll nicht zu viel Zeit zwischen dem traumatischen Erlebnis und dem Ersttermin vergehen.“ Länger als zwei Wochen sollte niemand warten müssen. „Es darf allerdings nicht zu längerfristigen Störungen kommen.“ Häufig dauere es eine Weile, bis die Betroffenen merken, dass sie unter den Erlebnissen leiden und die schnelle Behandlung des Traumas werde verschoben.

Wenn die Betroffenen vor Ort sind, werden in den Sprechzimmern die Diagnosen gestellt. Es dauert ungefähr drei Sitzungen, bis die genaue Diagnose festgestellt wird. Als eine Erste Hilfe bekommen die Betroffenen häufig beruhigende oder schlaffördernde Medikamente, um zunächst die Schlafstörungen in den Griff zu bekommen. Dringende Fälle können aber in Behandlung bleiben, stationär oder ambulant, berichtet Davids. „Sie werden auch in anderen Spezialambulanzen versorgt.“ Besonders die Mangeltraumata würden in den Kliniken, die konkreten Traumata in den Ambulanzen versorgt.

Über die Zentrale der Stiftung Tannenhof und die Wuppertaler Klinik können sich Einzelpersonen in Notfällen auch selbst bei der Ambulanz melden, es sei immer jemand erreichbar. Häufig seien in Tannenhof vor allem Fälle, in denen ein Unfall, sexueller Missbrauch oder eine schwere Erkrankung zu dem Trauma geführt haben. Zuletzt kamen aber auch immer mehr Kriegserfahrungen hinzu.

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