Stadtarchiv restauriert Einwohnerkartei

So bleiben sämtliche Akten zu Remscheids Einwohnern erhalten

Die Stadtarchivarinnen und Archivare Viola Meike (v. l.), Sarah Baldy und Matthias Beil arbeiten fast täglich mit den alten Einwohnerdaten von 1882 bis 1929.
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Die Stadtarchivarinnen und Archivare Viola Meike (v. l.), Sarah Baldy und Matthias Beil arbeiten fast täglich mit den alten Einwohnerdaten von 1882 bis 1929.

Alte Akten zu Remscheids Einwohnern lösten sich mit der Zeit auf – Jetzt gibt es die Dokumente digital.

Von Peter Klohs

Remscheid. Der Unterschied ist auf den ersten Blick nicht feststellbar. „Aber Sie können es fühlen“, sagt Stadtarchivarin Sarah Baldy mit Blick auf die restaurierte Einwohnerkartei mit Namen von 1882 bis 1929. Unter dem technischen Namen „Entsäuerung“ wurde das Papier der Akten so behandelt, dass es noch lange Jahre erhalten bleiben kann. Und tatsächlich ist der haptische Eindruck deutlich: Das entsäuerte Papier fühlt sich glatter an, jünger, geschützter. „Ein Blick durch das Mikroskop verdeutlicht den Unterschied zwischen Alt und Neu noch mehr“ verrät Mitarbeiter Matthias Beil.

Akten sind die beste Quelle für die Mitarbeiter

Im Stadtarchiv ist man über den neuesten Fortschritt froh und erleichtert. „Das war unser allerwichtigstes Anliegen“, sagt Leiterin Viola Meike. Zur Arbeit des Remscheider Stadtarchivs an der Hastener Straße gehört im großen Umfang die Familienforschung sowie die Erbenermittlung. Die Mitarbeiter greifen dazu in den meisten Fällen auf die sogenannte ältere Remscheider Einwohnermeldekartei zurück.

Dieses Verzeichnis ist in 394 Kartons untergebracht. In dem alten Papier ist Säure enthalten, die das Material langsam zersetzt. Zusätzlich hat das Papier durch die regelmäßige und häufige Nutzung gelitten. Es bricht und wird braun und somit unleserlich. Eine Modernisierung tat not und war bereits vor Jahren auf der Agenda des Stadtarchivs. Das Papier sollte entsäuert und das Archiv anschließend digitalisiert werden.

„Uns war von Anfang an klar“, so berichtet Viola Meike, „dass der Kostenaufwand für dieses Projekt erheblich sein würde, so erheblich, dass wir die Kosten niemals hätten aufbringen können. Also galt es, Förderer zu finden.“ Erfolgreich.

Restaurierung wird nur durch Spenden möglich

Für das Land NRW übernahm die Landesinitiative Substanzerhalt (LISE) und für den Bund die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) einen Großteil der Kosten für die Entsäuerung des Materials. Das Digitalprogramm für „Wissenswandel“ Bibliotheken und Archive übernahm einen großen Teil der Kosten der Digitalisierung. Auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, unterstützten das Projekt.

„Dazu muss man anmerken“, sagt Meike, „dass die Digitalisierung teurer ist als die Entsäuerung. Insgesamt hat das Projekt bisher rund 80 000 Euro gekostet, wovon die Stadt Remscheid dank der großzügigen Förderungen nur 11 500 Euro übernehmen musste. Unser Archiv ist nun vollkommen digitalisiert und wir müssen das Papier nicht mehr anfassen. Von den 394 Kartons wurden 300 entsäuert, das sind rund 75 Prozent.“ Für die restlichen 25 Prozent des Bestandes wurde bereits ein Antrag auf Entsäuerung gestellt, und das Stadtarchiv ist zuversichtlich, dass diese Arbeit im kommenden Jahr zum Abschluss kommen wird. „Vorausgesetzt: Wir bekommen den Zuschlag“, schränkt Meike ein.

Das Entsäuern von Papieren ist ein technisch recht komplexer Vorgang und wurde für das Stadtarchiv beim LVR in Pulheim-Brauweiler durchgeführt, erklärt Restaurator Matthias Beil. Das Prinzip wurde in den 80er Jahren erfunden und hat sich rasch durchgesetzt. Zahlreiche chemische Vorgänge sind dazu nötig.

Hintergrund

Die zu 75 Prozent entsäuerte und völlig digitalisierte ältere Remscheider Einwohnermeldekartei besteht aus 394 Kartons und wiegt rund 3,2 Tonnen. In ihr sind mehr als 201 000 Meldekarten archiviert, mit Infos zu Namen, Konfession oder Zahl der Kinder.

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