Unterstützung

Sinti wären dankbar für Spielplatz und Gemeindesaal

Spielzeug-Herde für Sinti-Kinder, übergeben durch Ruzhdi Llukaci (hinten links) und Norbert Schmitz (r.). Foto: Tobias Koch
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Spielzeug-Herde für Sinti-Kinder, übergeben durch Ruzhdi Llukaci (hinten links) und Norbert Schmitz (r.).

Kommunalpolitiker Norbert Schmitz setzt sich in Vieringhausen für Gemeinde ohne Lobby ein – Buch über Familienoberhaupt Alfred Rosenbach.

Von Andreas Weber

Remscheid. Den ersten Kontakt mit den Remscheider Sinti hatte Norbert Schmitz, als er mit seinem Parteikollegen Ruzhdi Llukaci in seinem Wahlkreis vor der Kommunalwahl Zettel und Prospekte verteilte. Das Vertrauen, das der Christdemokrat danach zu den Menschen in Vieringhausen aufbaute, animiert Schmitz, sich für eine Minderheit einzusetzen, die aufgrund ihrer leidvollen Geschichte in Deutschland zurückgezogen und öffentlichkeitsscheu lebt. Als „christlich, liebenswürdig und dankbar“ beschreibt der CDU-Politiker die Volksgruppe. 200 Sinti gibt es hier.

Viele von ihnen sind seit langem in der Stauffenbergstraße beheimatet. Hinter vier großen Gewag-Immobilien befinden sich am Waldrand ein Spiel- und Bolzplatz, die beide ihren Namen nicht mehr verdienen. Die 28-jährige Miriam Pascher hätte wie viele andere Mütter gerne eine Fläche, wo sich die Kleinen im Schatten der Bäume austoben können.

Von der ehemaligen Spielfläche ist nur eine Grube ohne Sand geblieben

Gespielt wird zwischen den Häuserblocks in zweiter Reihe. Durch den Hall sei die Lautstärke enorm, und das wiederum sei eine Belastung für die älteren und kranken Bewohner, sagt Miriam Pascher. Vom ehemaligen Spielplatz ist nur eine kleine Grube geblieben.

Der ehemalige Spielplatz an der Stauffenbergstraße direkt am Waldrand.

Sand ist schon lange keiner mehr drin. Schaukel, Rutschen und Kletterelemente fehlen völlig. Miriam Pascher glaubt, dass eine Tischtennisplatte aus Beton – wie sie früher da war – eine Attraktion wäre. Ihre Söhne, sieben und drei Jahre alt, kicken auf dem kleinen eingezäunte Fußballfeld nebenan.

Beim Bolzen auf dem steinigen Untergrund müssen die Kids aber aufpassen. Es besteht Verletzungsgefahr. Die Sinti haben gehört, dass die netzlosen Metallpfosten, die als Tore dienen, gestrichen werden sollen. Es wäre ein Anfang.

Auch ein Steinhaufen neben dem Bolzplatz, der sich an dem Wanderweg zum Kremenholl auftürmt, jagt den Kleinen Angst ein. Dort sollen sich Schlangen verkriechen. Auch andere Tiere beschäftigen Kommunalpolitiker Schmitz, der sich der Sorgen der Sinti annimmt. So kommen immer wieder Wildschweine dicht vor die menschliche Siedlung. Auch Wildkatzen streunen herum, für die Tierfreunde hinter dem Zaun am Wald zwei Häuschen platziert haben.

All dies hat Norbert Schmitz auf der Agenda, um Menschen ohne Lobby zu unterstützen. Der Vorsitzende der CDU West sitzt im Aufsichtsrat der Gewag und hat seine Drähte in der Wohnungsgesellschaft spielen lassen. Gewag-Mitarbeiter haben sich vor Ort umgeschaut. Es soll ein Zaun als Schutz gegen die Wildschweine kommen, auch das ein oder andere Spielgerät sei angekündigt, deutet Schmitz an. Er hat selbst gehandelt, 30 Fußbälle für die Sinti organisiert und Spielzeug-Kochherde.

Der Zusammenhalt unter den Sinti ist groß. Das gilt auch in Remscheid unter ihrem 81-jährigen Oberhaupt Alfred Rosenbach. Über ihn wird der Solinger Professor Jörg Becker Ende Dezember im Bonner Dieetz-Verlag ein Buch veröffentlichen. Es wird ein Bildband werden, der die Geschichte der riesigen Familie Rosenbach nachempfindet und im Textteil auf mündlichen Schilderungen von Alfred Rosenbach fußt.

Auch nach dem Völkermord durch die Nazis wurden die Sinti im Nachkriegs-Deutschland als das fahrende Volk misstrauisch beäugt, diskriminiert und ausgegrenzt. Es dauerte, ehe die in den 70er Jahren aufkommende Bürgerrechtsbewegung der Sinti/Roma Anerkennung fand. Bundeskanzler Helmut Schmidt gab erstmals 1982 den Völkermord offiziell zu. 1997 wurden Sinti/Roma neben den Dänen und Sorben als nationale Minderheit in Deutschland anerkannt.

Bei der Ausstellungseröffnung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma“ im Pferdestall vor einigen Wochen erklärte der Wuppertaler Historiker Stephan Stracke, der sich intensiv mit der lokalen Zigeuner-Historie beschäftigt, dass zwar die Deportation von mindestens 73 Sinti/Roma aus Remscheid Anfang März 1943 nach Auschwitz dokumentiert sei, dass es erste Forschungsansätze jedoch erst 1995 gab.

Hiesige Gemeinde ist dem Missionswerk Zion angeschlossen

Das Interesse von Norbert Schmitz hat auch einen persönlichen Hintergrund. „Meine Ur-Oma war Halb-Zigeunerin“, sagt der 56-Jährige. Unterstützung kann die Sinti-Gemeinde, die dem Missionswerk Zion angeschlossen ist, brauchen. Die streng gläubigen Freikirchler benötigen ein Gemeindehaus, zumindest einen größeren Raum für ihre Arbeit, Chorproben, Kindernachhilfe und Gottesdienste. Beim CVJM Remscheid an der Blumenstraße hatten sie sich eingemietet, durch Corona mussten die Sinti weichen. Seither wird improvisiert. „Vielleicht käme die ehemalige Kita Paulstraße in Kremenholl als Bleibe in Frage“, überlegt Schmitz.

Sinti-Ausstellung

Die Ausstellung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma“ (vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) wird bis mindestens März 2021 in der Gedenk-und Bildungsstätte Pferdestall am Quimperplatz zu sehen sein. Terminvereinbarung für eine Führung über Mail:

info@gub-pferdestall.de

Der Pferdestall-Verein will die tragische Geschichte der Sinti vom Blaffertsberg aufarbeiten.

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