Jahreswechsel

Silvester ist die Hölle des Taxifahrers

Erst stehen die Taxis am Silvesterabend lange unbenutzt am Straßenrand. Erst nach Mitternacht trudeln die Aufträge ein – alle auf einmal natürlich, was zu langen Wartezeiten führen kann. Foto: Michael Sieber
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Erst stehen die Taxis am Silvesterabend lange unbenutzt am Straßenrand. Erst nach Mitternacht trudeln die Aufträge ein – alle auf einmal natürlich, was zu langen Wartezeiten führen kann.

Unternehmer ärgern sich über betrunkene Fahrgäste, Scherben auf der Straße und lange Wartezeiten.

Von Joachim Dangelmeyer

Von wegen Super-Geschäft: Für Taxifahrer und -unternehmer sind Silvester und Neujahr die unbeliebtesten Tage im Jahr. „Es ist die Hölle, um es mal klar zu sagen“, stellt Armin Schötz fest. Der Geschäftsführer der Funktaxivereinigung weiß aus jahrelanger Erfahrung und eigener Anschauung, warum der Jahreswechsel nicht nur ein Albtraum für die Fahrer sondern auch noch schlecht fürs Geschäft ist: „Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis zueinander.“

Denn am Silvesterabend herrsche weitestgehend Totenstille. Die Partygänger seien spätestens ab 20 Uhr dort, wo sie feiern wollen – und dann passiere erstmal stundenlang gar nichts. Schötz: „Bis kurz nach Mitternacht stehen die Wagen nur herum und fahren keinen Meter.“ Dafür breche dann etwa ab 1 Uhr die Hölle über die Telefonisten herein. Es liegt auf der Hand, dass bei einem solchen Ansturm nicht alle Fahrwünsche erfüllt werden können. „Das ist nicht einmal ansatzweise zu schaffen. Was nicht geht, geht eben nicht“, sagt Schötz. Nur ein kleiner Teil der Anrufer bekomme einen Wagen. Wartezeiten bis zu einer halben Stunde müssten zudem einkalkuliert werden.

Vorbestellungen sind in der Neujahrsnacht nicht möglich, weil das den Einsatz der Wagen zusätzlich hemmen würde. „Wir haben immer wieder erlebt, dass Fahrgäste die Party schon verlassen haben oder doch noch länger bleiben wollen. Dann ist der Fahrer umsonst unterwegs und fehlt bei einer anderen Tour“, sagt Schötz. Ärgerlich sind auch undeutlich ausgesprochene oder gar falsche Ortsangaben, bei denen die Taxifahrer viel ihrer knappen Zeit verlieren. Übrigens: Taxen, die mit erleuchtetem Dachschild fahren, dürfen auch durch Winkzeichen angehalten werden. Allerdings ist durch Vorschrift geregelt, dass auf Remscheider Stadtgebiet nur Taxen mit Remscheider Kennzeichen Fahrgäste aufnehmen dürfen.

Aufgeschlitzte Reifen sind an der Tagesordnung

36 Wagen hat die Taxivereinigung an Silvester im Einsatz, Taxi Wiebel ist mit vier Fahrzeugen unterwegs. Beide Unternehmen hoffen, dass alle Wagen die Nacht unbeschädigt überstehen. Selbstverständlich ist das nicht. Aufgeschlitzte Reifen durch Scherben auf den Straßen sind fast an der Tagesordnung. „Wenn das gleich zu Beginn der Schicht passiert, fällt der Wagen aus, ohne dass er etwas einfahren konnte. Dazu kommen dann noch die Reparaturkosten“, sagt Frank Rimroth von Taxi Wiebel.

Der größte Albtraum seien jedoch Fahrgäste, die deutlich über den Durst getrunken haben und denen während der Fahrt übel wird. Armin Schötz weiß noch aus seiner aktiven Zeit: „Da muss man die Fahrgäste ständig genau im Blick haben. Wenn einer auf einmal dicke Backen bekommt, muss er sofort raus aus dem Wagen.“ Klappt dieses enge Timing einmal nicht, kann man das Taxi nur noch wegen Unbenutzbarkeit aus dem Verkehr ziehen. Schötz: „Das fällt dann für mehrere Tage aus, bis es komplett gereinigt ist.“

Dabei ist die Ozon-Behandlung gegen den Gestank noch die leichteste Übung. Richtig schlimm – und teuer – wird es, wenn auch Lüftungsöffnungen „heimgesucht“ wurden. Dann muss schon mal das halbe Interieur zerlegt werden. Für Frank Rimroth hat das nichts mehr mit „unternehmerischem Risiko“ zu tun: „Die Fahrgäste bekommen dafür die Rechnung. Die Personalien besorgen wir uns zur Not auch mit Hilfe der Polizei.“

Auch für die Fahrer sind die ersten Stunden des neuen Jahres meist eine Belastungsprobe. „Es kommt immer wieder vor, dass die mit Raketen oder Böllern beworfen werden“, sagt Schötz. Die Dienstpläne werden schon lange vorher erstellt, wobei auch andere unbeliebte Einsatzzeiten wie etwa an Heiligabend berücksichtigt werden.

VERHALTEN

TAXIRUF Trotz Schwipps ist eine klare und deutliche Aussprache hilfreich. Die Grundregeln eines gesitteten Umgangs sollten auch – oder gerade – am ersten Tag des Jahres gelten. Seit zehn Jahren sind Remscheider Taxen mit Kameras ausgestattet, die den gesamten Fahrgastraum erfassen. Die Aufzeichnung kann nur von der Polizei ausgelesen werden.

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