Viele Schätze kamen direkt aus dem Keller

Tüftler des Reparaturen-Cafés machen alte Schätze wieder fit

Eva Felder kam mit ihrer Nähmaschine zu Tüftler Gerhard Hlusiak. Foto: Doro Siewert
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Eva Felder kam mit ihrer Nähmaschine zu Tüftler Gerhard Hlusiak.

Die Tüftler des Reparaturen-Cafés bringen Nähmaschinen, Toaster und PCs zum Laufen.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Eva Felde hängt an ihrer alten Nähmaschine. Doch das Geschenk ihrer Freundin läuft nicht mehr ganz rund. Gerhard Hlusiak versucht, die Ursache zu finden. „Ich vermute, das ist ein Altersproblem. Die Maschine hat lange gestanden. Das Fett wird verharzt sein“, erklärt der Experte. Seine Herausforderung besteht darin, das Gerät zu öffnen. Denn das Modell der Nähmaschine hatte er bislang nicht auf dem Schreibtisch. Auch Ursula Günzel hofft, dass ihre Nähmaschine wieder repariert werden kann. Sie nutzt sie mehrfach in der Woche.

„Was jetzt zu uns gebracht wird, ist gerade erst kaputtgegangen.“

Hellmut Heidenreich, Ehrenamtler

Nähmaschinen, Staubsauger und Föhne sind die drei Geräte, die die Ehrenamtler zurzeit am häufigsten zu Gesicht bekommen, berichtet Hellmut Heidenreich, der die Schnittstelle zwischen Ehrenamtlern, Reparaturen-Café und Diakonie bildet. „Was jetzt zu uns gebracht wird, ist gerade erst kaputtgegangen“, erklärt er und weist damit auf einen Unterschied zu dem Zeitpunkt vor der Pandemie hin. Denn viele Schätze kamen oft direkt aus dem Keller. Im Lockdown haben die Menschen vermehrt ausgemistet.

„Das haben wir ganz stark zu Beginn mitbekommen, als die Menschen beim Wertstoffhof der TBR in der Solinger Straße Schlange standen“, sagt Diakonie-Geschäftsführer Florian Schäfer. Beim Ausmisten haben viele ihre alten Schätze dann aber doch weggeschmissen, anstatt sie nun wieder zu den Tüftlern zu bringen. „Wenn Sie sehen, was an Elektrogeräten am Wegesrand steht, da graut es einen“, sagt Hellmut Heidenreich.

War das Reparaturen-Café in der Pandemie zwischenzeitlich ganz geschlossen, wurden nach und nach Lösungen gesucht. So redeten die Tüftler mitunter durch die Tür zum Vaßbendersaal mit den Kunden. Jetzt ist der Betrieb wieder weitestgehend normal möglich. Hellmut Heidenreichs Vision ist es, irgendwann einmal einen eigenen Raum anzumieten, in dem die Tüftler auch mehrmals in der Woche Dinge reparieren und lagern können.

Zwar konnten die Tüftler in den Lockdowns nicht wie gewohnt arbeiten, hängenlassen wollten sie ihre Kunden aber nicht. „Wir wollten auch während der Pandemie den Menschen mit unserem Know-how helfen“, erklärt Florian Schäfer. Alte, ausrangierte Laptops haben die Tüftler so wieder fit gemacht – und sie mithilfe der Kraftstation an bedürftige Schüler gespendet, damit sie am Online-Unterricht teilnehmen können.

Auch die Fahrrad-Werkstatt hat einen regelrechten Ansturm erlebt. Dort werden alte Fahrräder wieder fit gemacht und gegen eine Spende abgegeben. Gerade die Kinderfahrräder seien sehr gefragt gewesen – damit die Kinder im Lockdown mit ihrem eigenen Fahrrad an die frische Luft kommen.

Klaus Warmuth hat derweil einen alten Toaster fit gemacht. Er hatte Kontaktschwierigkeiten. „Die Dame wird sich bestimmt freuen. Sie kann jetzt wieder heißen Toast essen“, sagt er lachend. Und er weiß auch mit Nähmaschinen umzugehen: „Das größte Problem sind die Fusseln, die sich in der Maschine verteilen.“ Eva Felde hofft, bald wieder Gardinen oder Hosen umnähen zu können.

Treffpunkt

Das Reparaturen-Café hat jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat von 10.30 bis 13 Uhr geöffnet. Treffpunkt ist der Vaßbendersaal am Ambrosius-Vaßbender-Platz 1 in Alt-Remscheid.

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