Tierschutz

Ehrenamtlerinnen kümmern sich um Streuner auf den Straßen

Christel Drescher ist die einzige, externe ehrenamtliche Pflegestelle des Tierheims: Sie päppelt Katzenbabys auf.
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Christel Drescher ist die einzige, externe ehrenamtliche Pflegestelle des Tierheims: Sie päppelt Katzenbabys auf.
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Seit drei Jahren gibt es die Katzenschutzverordnung in Remscheid. Freigänger müssen kastriert und gekennzeichnet sein.

Von Melissa Wienzek

Ehrenamtlerin Susanne Henke fährt zu den Futterstellen und fängt Streunerkatzen ein, um sie kastrieren zu lassen.

Remscheid. Wenn die Sonne noch nicht am Himmel steht, sitzt Susanne Henke schon im Gebüsch und wartet. Darauf, dass die Mama einer riesigen Katzenpopulation am Honsberg in den Fangkorb geht. Doch heute hat sie kein Glück. Die Einladung neben der Futterstelle schlägt die Katzenmutter aus. Aber ihre Babys, die sich hier gerade die kleinen Bäuchlein vollgeschlagen haben, tapsen munter in den Korb. Also nimmt Susanne Henke die Kleinen, die alle krank und dünn sind, mit und bringt sie zu ihrer Ehrenamtskollegin Christel Drescher in den Südbezirk. Hier werden sie aufgepäppelt. Und schon kommt der nächste Anruf vom Honsberg: „Hier sind schon wieder Katzenbabys im Gebüsch. Können Sie kommen?“

Susanne Henke und Christel Drescher kümmern sich im Auftrag des Tierheims für Remscheid und Radevormwald ehrenamtlich um die vernachlässigten Seelen auf den Straßen: Streunerkatzen.

Im Schnitt sind es 35 Stellen im Stadtgebiet, an denen sich die halbwilden Tiere tummeln. Nachbarn füttern sie meist. Nicht alle Orte fährt Susanne Henke an - dies sei gar nicht möglich und eigentlich auch nicht gewollt. „Unsere Fahrten sollten die Ausnahme bleiben. Wir sind hier auf die Mithilfe der Anwohner angewiesen. Am besten ist es, wenn Nachbarn, die Katzen draußen füttern, auch einen Fangkorb aufstellen“, erklärt die gebürtige Wuppertalerin, die seit 2006 in Lennep lebt. Seit 2007 ist sie mit Herz und Seele für das Tierheim im Einsatz: als Gassigängerin mit den Hunden, in der Cafeteria, für die Internetseite. Und die Streunerkatzen. Einen Fangkorb plus Einfangtipps erhalten Anwohner beim Tierheim. Das Ziel: Muttertiere einfangen und kastrieren lassen, damit sich die Population der wilden Katzen nicht weiter vergrößert, und die Mama später wieder zu den Babys bringen.

„Es stirbt jedes Mal ein Stück Herz von mir mit.“

Christel Drescher

Doch nicht jeder Anwohner sehe das genauso - Diskussionen an der Straßenkante seien programmiert. Schon mal komme auch das Ordnungsamt hinzu. Denn es sei oft falsch verstandene Tierliebe im Spiel, sagt Susanne Henke. „Viele finden es süß, wie die Katzenkinder vor ihrer Haustür spielen. Aber viele sind krank und sterben da draußen - das ist vielen einfach nicht bewusst.“ Manche Muttertiere werfen schon bei der ersten Rolligkeit, sind selbst krank oder behindert.

Die Babys, die keine Mama mehr haben, versucht Christel Drescher dann in ihrer Wohnung wieder aufzupäppeln. Sie ist die einzige externe ehrenamtliche Pflegestelle des Tierheims. „Nicht alle Babys schaffen es. Es sind schon so viele auf meiner Brust gestorben“, erzählt die Remscheiderin sichtlich gerührt. „Dann stirbt auch jedes Mal ein Stück Herz von mir mit.“ Denn dieser ehrenamtliche Fulltime-Job erfordert nicht nur Wissen und Einsatz, sondern auch ganz viel Herzblut. Gerade toben wieder sechs kleine Racker durch die Wohnung, Dreschers eigener Kater Rocky (19) immer hinterher. Denn er spielt stets den Papa, wenn Neuankömmlinge aus der Box tapsen - dann werden die Kleinen erst einmal ausgiebig geputzt. Die Vermittlung läuft nur über das Tierheim.

So viele Fundtiere: Tierheim in Remscheid ist voll

Rund 120 Fundtiere landen pro Jahr dort - aber nur 10 Prozent werden abgeholt. Allein die medizinischen Kosten für die Findelkinder sind enorm. Der Tierschutzverein erhält 2022 eine Jahrespauschale in Höhe von 106 000 Euro von der Stadt für die Unterbringung, Versorgung und Vermittlung der Streuner. Die Kosten sind jedoch vielfach höher.

In letzter Zeit ist es ihnen gelungen, die Population der Streuner ein wenig einzudämmen, erzählt Henke. 2021 hat sie binnen eines halben Jahres allein 95 Katzen gesichert. Insgesamt kommt sie auf 350. Rechtssicherheit liefert den Ehrenamtlerinnen die Katzenschutzverordnung Remscheid, die es nun seit drei Jahren gibt. Lange hatten die Tierschützer dafür gekämpft. Diese schreibt vor: Freigänger müssen kastriert, gekennzeichnet und registriert sein. „Das ist vielen Menschen nicht bewusst“, sagt Henke. Bei Zuwiderhandlung kann eine Strafe bis 1000 Euro verhängt werden.

Termine

Heute: Die Cafeteria im Tierheim, Schwelmer Straße 86, öffnet heute wieder von 14 bis 16 Uhr. Und: Heute gibt es Waffeln mit Puderzucker, Kirschen, Sahne oder Milchreis. Susanne Henke backt draußen, auch für die Gäste gibt es draußen Sitzmöglichkeiten.

Hoftrödel: Der Hoftrödel findet wieder am Samstag, 20. August, von 11 bis 17 Uhr statt. Die Cafeteria hat dann ebenfalls geöffnet.

tierheim-remscheid.de

Passend zum Thema: 30 Tierschützer unterstützten den SPD-Antrag - Ausschuss stimmt für Katzen-Erlass

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