Luis Langer verstärkt das Pro-Familia-Team

Sexualpädagogen rücken manches Bild gerade

Sozial- und Sexualpädagoge Luis Langer ist vor zwei Monaten bei Pro Familia gestartet. Er unterstützt Barabara Servos bei der sexuellen Bildungsarbeit in Schulen und Wohngruppen.
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Sozial- und Sexualpädagoge Luis Langer ist vor zwei Monaten bei Pro Familia gestartet. Er unterstützt Barabara Servos bei der sexuellen Bildungsarbeit in Schulen und Wohngruppen.
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Die Beratung an Schulen kann durch die Verstärkung im Zweier-Team fortgeführt werden.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Ist es schlimm, wenn ich mein „Erstes Mal“ mit 14 habe? Was bedeutet intersexuell? Und sind Pornos eigentlich illegal? Diese und viele weitere Fragen haben die Remscheider Schülerinnen und Schüler auf die kleinen weißen Zettelchen geschrieben, die die Sexualpädagogen von Pro Familia, Barbara Servos und Luis Langer, mitgebracht hatten − selbstverständlich anonym. „Oft merkt man hieran schon: Es geht um die Frage hinter der Frage“, erklärt Barbara Servos. Nämlich: Bin ich normal? Ist das alles richtig so?

Über die spielerische Herangehensweise versuchen die beiden Experten, die Jugendlichen zu Verhütung, Pubertät, sexuell übertragbaren Krankheiten und körperlichen Veränderungen aufzuklären − und müssen dabei oft Darstellungen von TikTok, Instagram & Co. richtigstellen. „Wir hinterfragen das dann in der Stunde. Oft geht es auch um Rollenbilder, wie sie zum Beispiel bei ,Germany’s Next Topmodel’ gezeigt werden. Oder um ein gewisses Anspruchsverhalten.“

Das werde vor allem auch in Bezug auf Pornos zum Thema. Denn das eine oder andere Mal frage eine Schule bei Pro Familia eine sexualpädagogische Beratung an, wenn zum Beispiel im Klassen-Chat Pornos die Runde gemacht haben. „Viele der Schülerinnen und Schüler haben bereits einen Pornofilm gesehen. Viele sagen sogar: Das ist nicht echt, diese Körperformen sind nicht realistisch. Aber es schützt nicht davor, beeinflusst zu werden“, erklärt die Sexualpädagogin und Diplom-Sozialarbeiterin.

Sexualpädagogen klären Schüler freiwillig auf

Sie erkläre an der Stelle immer: „Es geht nicht darum, Pornos nachzuahmen, sondern es ist ein Fantasy-Film.“ Anhand von Materialien klären sie und ihr Kollege dann zu realistischen körperlichen Gegebenheiten auf. Und widerlegen Mythen. Alles ist freiwillig, niemand wird gezwungen. Wer möchte, darf auch den Raum verlassen.

Wichtig ist den beiden Pro-Familia-Experten, dass die Jugendlichen eine selbstbestimmte Form von Sexualität entwickeln. Das betreffe vor allem Mädchen. Die Botschaft: Es geht nicht darum, nur einem anderen zu gefallen, gut auszusehen und zu bedienen, sondern vielmehr um die Frage: Wie geht es mir dabei? „Vor allen Dingen ist es legitim, nein zu sagen“, betont Barbara Servos.

Selbstbestimmt bedeutet auch, die eigene Sexualität selbst festzulegen. Gerade das Thema geschlechtliche Vielfalt komme immer häufiger zur Sprache. Hier kann Luis Langer den Schülerinnen und Schülern sogar noch einen guten Tipp geben: Donnerstagsabends gibt es in der Welle nun einen Queer-Treff, den er leitet.

Seit zwei Monaten unterstützt Luis Langer das Pro-Familia-Team. Der 28-Jährige hat zunächst in Düsseldorf Sozialpädagogik studiert und anschließend in der ambulanten Jugendhilfe in Wuppertal und Umgebung gearbeitet. Durch die männliche Unterstützung im Team kann die Beratungsstelle nun auch wieder im Zweier-Team die sexualpädagogische Beratung in Schulen, Wohn- und Jugendgruppen anbieten. Und die Jungs haben einen männlichen Ansprechpartner. 2 Euro kostet dies pro Schüler, Schulen finanzieren dies meist über die Schulvereine.

Tipp für Schüler: Es darf über Liebe, Partnerschaft, Verhütung und Co. gesprochen werden

Barabara Servos und Luis Langer geben den Schülerinnen und Schülern schließlich mit auf den Weg: Es hilft, über Liebe, Partnerschaft, Verhütung, Menstruation & Co. zu sprechen. Gern auch zu einem späteren Zeitpunkt mit den Experten, die kostenlose Jugendsprechstunden anbieten. Pro Familia bietet zudem Schwangerschaftskonfliktberatung an.

Die Präventionsarbeit sei unmittelbar mit sexueller Gesundheit verbunden, sagt Barbara Servos. „Hier wird der Grundstein für eine gute Sexualität und ein gutes Körpergefühl gelegt.“

Jugendsprechstunde: Hier geht es um Themen wie Liebe, Partnerschaft, Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft, sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität, Pubertät, Körperaufklärung und mehr. Alles kostenlos und natürlich unter Schweigepflicht. Gern darf der Jugendliche Mutter, Freundin oder eine andere Vertrauensperson mitbringen. Terminvereinbarung telefonisch oder per E-Mail: luis.langer@profamilia.de;
barbara.servos@profamilia.de

Verhütungsmittelkoffer: Lehrer und Pädagogen können gegen eine Gebühr von 15 Euro plus eine Kaution von 20 Euro einen Koffer ausleihen, der Kondom, Pille, Spirale, Diaphragma & Co. enthält.

Kontakt

Die Remscheider Beratungsstelle von Pro Familia befindet sich in der Winkelstraße 2a in der Stadtmitte. Kontakt: Tel. 97 33 03 oder remscheid@profamilia.de

Anmeldezeiten zur Terminvereinbarung: montags bis donnerstags
9 bis 12, dienstags und donnerstags zudem 15 bis 17 Uhr. Mehr Infos: profamilia.de/remscheid

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