Ausbildung

Sein Weg ins Handwerk stand schon früh fest

Mats Wanninger (2. v. r.) wurde als bester Auszubildender zum Kfz-Mechatroniker des vergangenen Jahres in Remscheid geehrt. Zur Belohnung gab es von der Kfz-Innung einen Werkzeugwagen. Foto: Roland Keusch
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Mats Wanninger (2. v. r.) wurde als bester Auszubildender zum Kfz-Mechatroniker des vergangenen Jahres in Remscheid geehrt. Zur Belohnung gab es von der Kfz-Innung einen Werkzeugwagen.

Mats Wanninger ist der jahrgangsbeste Azubi der Remscheider Kfz-Innung.

Von Sven Schlickowey

Mit einer 2+ in der Gesamtnote hat Mats Wanninger im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker Fachrichtung Nutzfahrzeugtechnik abgeschlossen, als bester seines Jahrgangs in der Remscheider Kfz-Innung. Normalerweise hätte es dafür schon bei der Lossprechung im Vorjahr eine Ehrung gegeben, die fiel aber Corona zum Opfer. Nun holte die Innung das nach, coronakonform unter freiem Himmel: Lehrlingswart und Obermeister der Innung gratulierten nicht nur zum Erfolg, sondern überreichten auch einen Werkzeugwagen der Remscheider Firma Elora als Anerkennung für diese besondere Leistung.

Für Mats Wanninger nur ein Zwischenschritt auf seiner beruflichen Reise, die schon recht ungewöhnlich begann. Denn in seiner Stufe auf einem Solinger Gymnasium war er mit dem Wunsch, ein Handwerk zu erlernen, fast schon ein Exot. „Von 121 Schülern haben sich nur sieben für eine duale Ausbildung entschieden“, berichtet er. Die gymnasiale Oberstufe sei halt stark aufs Studium ausgerichtet. „Dabei ist das nicht besser oder schlechter, jeder muss seinen richtigen Weg finden.“

Dass der des 23-Jährigen ins Handwerk führt, habe bereits seit der 11. Klasse festgestanden, berichtet er. „Ich bin jemand, der gerne organisiert“, beschreibt Mats Wanninger sich selbst. Dass sein Vater ebenfalls Handwerker ist und eine eigene Schreinerei führt, habe auch dazu beigetragen. Nach zwei Praktika in anderen Bereichen habe er sich schließlich für eine Ausbildung im Bereich Nutzfahrzeuge entschieden. „Da ist mehr dran, mehr Technik dahinter.“

Um Bester seines Jahrgangs zu werden, reiche „ein guter Ausbildungsbetrieb und Interesse am Beruf“, sagt Wanninger. Gelernt hat er bei der Remscheider MAN-Niederlassung in unmittelbarer Nähe zur A 1. „Wir haben früh dafür gesorgt, dass wir ihn übernehmen können“, berichtet Betriebsleiter Hans Bernhard Ludwig. Außerdem habe man Mats Wanninger schon während der Ausbildung zu zusätzlichen Weiterbildungen geschickt, vor allem für Elektrotechnik. „Das ist die Zukunft.“

„Mein Hauptwerkzeug ist das Laptop.“

Mats Wanninger über die Arbeit in modernen Kfz-Werkstätten

In dieser Zukunft könnte der frisch gebackene Geselle bei MAN eine entscheidende Rolle spielen, lässt Betriebsleiter Ludwig durchblicken: „Vielleicht ist er ein Teil der Lösung des Nachwuchsproblems.“ Ein oder zwei Azubis stelle man in der Remscheider Niederlassung pro Jahr ein. „Aber die zu finden, wird immer schwieriger“, sagt der Betriebsleiter.

Das bestätigt auch Fred Schulz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Obwohl Kfz-Mechatroniker ein recht beliebter Ausbildungsberuf im Handwerk sei, seien die Ausbildungszahlen zuletzt regelrecht eingebrochen. „Da müssen wir wieder mehr junge Menschen begeistern.“ Helfen könnte dabei auch Mats Wanninger, den Schulz gleich vor Ort als Botschafter für sein Gewerk anheuerte.

Der rät unter anderem dazu, sich nicht von Vorurteilen blenden zu lassen. Der knietief im Altöl stehende Schrauber gehöre in der Kfz-Branche zum Beispiel längst der Vergangenheit an: „Mein Hauptwerkzeug ist das Laptop.“ Außerdem empfiehlt er Schülerinnen und Schülern, eigene, praktische Erfahrungen zu sammeln: „Man sollte so viele Praktika wie möglich machen, auch in den Ferien, selbst wenn es manchmal doof ist, wenn man der Einzige ist, der gerade nicht frei hat.“ Nur so könne man herausfinden, welche Arbeit einem wirklich Spaß macht.

Mats Wanningers nächster Schritt auf seinem beruflichen Weg steht auch schon fest, er ist bereits für die Meisterschule angemeldet. „Im September geht´s los“, berichtet er stolz. Sein guter Berufsabschluss bringt ihm da allerdings keine Pluspunkte ein: „Auf der Meisterschule sind alle gleich.“

Hintergrund

Mehr als 130 verschiedene Ausbildungsberufe kennt das Handwerk in Deutschland – vom Anlagenmechaniker bis zum Zimmerer. Darunter ist der des Kfz-Mechatroniker einer der beliebtesten, 2019 lag er zum Beispiel auf Platz drei der am häufigsten begonnenen Ausbildungen. Entstanden ist der Beruf 2003, als die Ausbildungen zum Kfz-Mechaniker, Kfz-Elektriker und Automobilmechaniker in eine zusammengelegt wurden. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, einen Schulabschluss als formale Zugangsvoraussetzung gibt es zwar nicht, wegen der komplexen Materie bevorzugen viele Ausbildungsbetriebe aber mindestens die mittlere Reife. 2019 hatte fast die Hälfte aller neuen Azubis einen Realschulabschluss, 13,7 Prozent Abitur.

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