Historisches

Sein Leben endete tragisch auf der Flucht

Trotzkist Heinz Epe mit seiner Frau Sinnöve. Am 25. Dezember wäre er 110 Jahre alt geworden.
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Trotzkist Heinz Epe mit seiner Frau Sinnöve. Am 25. Dezember wäre er 110 Jahre alt geworden.

Weihnachten wäre Heinz Epe 110 Jahre alt geworden – Sowjetischer Geheimdienst verhaftete Familie im Zug.

Von Johannes Kessler

Remscheid. Weihnachten vor 110 Jahren wurde der Antistalinist und Antifaschist Heinz Epe geboren. Das kurze Leben des Remscheiders war geprägt vom aktiven Kampf gegen das NS-Herrschaftssystem, von Verfolgung und Emigration. Gleichzeitig bewegte sich Epe als trotzkistischer Funktionär im ideologischen Spannungsfeld des Weltkommunismus. Sein Leben endete tragisch mit seiner Hinrichtung am 20. Oktober 1942.

Auf der Flucht aus dem norwegischen Exil, die ihn durch die Sowjetunion über Odessa und den Hafen Istanbul in den USA in Sicherheit bringen sollte, wurde er Mai 1941 schon im Zug vor Moskau vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und wegen „konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit“ zum Tode verurteilt. Das Schicksal seiner mitreisenden Ehefrau Sinnöve und seines zweijährigen Sohnes Ivar ist bis heute ungeklärt.

Am 25. Dezember 1910 als Sohn des Malermeisters Richard Epe und dessen Frau Adele, geb. Held, in Remscheid geboren, wuchs Epe in geordneten bürgerlichen Verhältnissen auf. Von 1920 bis 1928 besuchte er die Städtische Oberrealschule (jetzt Leibniz-Gymnasium), dann bis zum Abitur das Städtische Realgymnasium (jetzt EMA). Seinem Berufswunsch entsprechend studierte er einige Semester Rechtswissenschaften in Wien, Köln und Berlin.

Vorrangig unter dem Einfluss kommunistischer Aktivisten in Remscheid um seinen Bekannten Fritz Besser schloss sich Epe 1931 der trotzkistischen Bewegung an und wurde dort bald leitender Jugendfunktionär der sog. „Linken Opposition“. Sowohl im Kampf gegen den heraufziehenden Faschismus als auch gegen den Kommunismus stalinistischer Prägung orientierte sich diese Gruppierung an der Programmatik von Stalins Gegenspieler Trotzki, der für eine Einheitsfront von KPD, SPD und Gewerkschaften gegen die Machtübernahme Hitlers eintrat.

Im Zuge der politischen Umwälzungen 1933, die mit der katastrophalen Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung endeten, emigrierte Epe nach Prag und später nach Paris, um an der Herausgabe der trotzkistischen Exil-Zeitung „Unser Wort“ mitzuarbeiten. Weitere Stationen seiner Odyssee waren Amsterdam, Oslo und zuletzt Stockholm, wo er 1940 nach dem deutschen Überfall auf Norwegen Zuflucht suchen musste.

Im Exil entwickelte er eine rege publizistische Tätigkeit

Aufgrund seiner zahlreichen antifaschistischen Artikel in der Exilpresse, häufig unter dem Tarnnamen „Walter Held“, war Epe seit Mitte der 1930er Jahre in das Blickfeld der Geheimen Staatspolizei geraten, die ihn als kommunistischen „Spitzenfunktionär“ einschätzte und seine Mai 1942 vollzogene Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft vorbereitete. Zeit seines Exils entwickelte Epe eine rege publizistische Tätigkeit. Dabei setzte er sich nicht nur mit dem Hitlerregime auseinander, sondern kommentierte auch mit großem analytischem Verständnis die politischen Hauptereignisse seiner Zeit.

Vehemente Kritik übte er an dem stalinistischen Terror, insbesondere an der Ermordung deutscher Kommunisten, die im Moskauer Exil Schutz gesucht hatten. Bei seinen umfangreichen Aktivitäten als Funktionär der trotzkistischen Jugendorganisation vertrat er ebenfalls konsequent die antistalinistischen Positionen seines Mentors Trotzki. Zu ihm hatte er in dessen französischen und norwegischen Exil (1934-1937) ein enges persönliches Verhältnis entwickelt; zeitweise galt er als dessen Vertrauter und „Sekretär“. Bei seinen organisatorischen Bemühungen um eine einheitliche antifaschistische und gleichzeitig nicht Moskau-hörige Linie sozialistischer und kommunistischen Jugendvereinigungen auf internationaler Ebene kooperierte Epe mit zahlreichen Exilanten.

Willy Brandt bemühte sich um Aufklärung von Epes Schicksals

Zu ihnen zählte der spätere deutsche Bundeskanzler Willy Brandt als Vertreter der Sozialistischen Arbeiterpartei. Aufgrund ihrer gemeinsamen antifaschistischen Tätigkeit in der Emigration bemühte sich Brandt als angesehener Staatsmann in Moskau um Aufklärung des lange unbekannten Schicksals Epes.

1989 erhielt Brandt neben dem Todesdatum die Information, dass Epe kurz zuvor von einem sowjetischen Gericht für juristisch unschuldig erklärt und posthum rehabilitiert worden sei. Heinz Epe wurde nicht mal 32 Jahre alt.

Im Dunkeln

Mit Ehefrau Sinnöve und Sohn Ivar wurde Epe 1941 von der sowjetischen Geheimpolizei im Zug verhaftet. Seine Erklärung, er sei Mitarbeiter der New York Times schützte ihn nicht. Ein Mithäftling berichtete später, dass Epe als früherer Mitarbeiter Trotzkis für den Geheimdienst NKWD so wichtig gewesen sein muss, dass sein Verhör von NKWD-Chef Lawrenti Beria persönlich geleitet wurde. Die Umstände seiner Verhaftung sowie das Schicksal seiner Familie liegen, trotz jahrzehntelanger Bemühungen vor allem der norwegischen Behörden, aber auch von Willy Brandt, immer im Dunkeln.

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