Die Woche von Axel Richter

Sehen Sie sich Remscheid bis zum Friedrich-Ebert-Platz doch an

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Immer donnerstags blättert der RGA in seinen alten Zeitungsbänden und fördert zutage, was vor 25, 50, 75 und 100 Jahren im Tüpitter gestanden hat.

Das sorgt regelmäßig für Déjà-vu-Erlebnisse. Jüngstes Beispiel: Im Februar 1969 diskutiert die Stadt über den Zustand der Alleestraße.

Damals geht es vor allem um den Stadthof, eine Ansammlung mehr oder minder unansehnlicher Nachkriegsbauten auf der oberen Allee. Doch auch der untere Teil der Einkaufsmeile erregt das Missfallen des damaligen Oberbürgermeisters Willi Hartkopf (SPD). Mit ihm sind die Remscheider sich einig: „Hier muss etwas passieren.“

Wie sehr die Diskussionen sich gleichen. Denn 50 Jahre später ist es wieder oder noch immer die Alleestraße, über deren Zustand viele Remscheiderinnen und Remscheider den Kopf schütteln. Und auch diesmal sind sich alle einig in der Überlegung, dass etwas passieren müsse.

So etwas wie damals wäre freilich zu schön, um wahr zu sein. Denn eines Tages machte der unansehnliche Stadthof Platz für ein modernes Wohn- und Geschäftshaus, in dem heute unter anderem Olymp & Hades sowie die Volksbank ihre Filialen haben. Platz dafür wäre wohl auf der unteren Allee, man denke nur an die Sinn-Leffers-Ruine, die der Immobilienfonds, dem sie gehört, seit mehr als neun Jahren ungehindert vor sich hingammeln lässt. Nur gibt es eben keinen Investor.

Mit Investoren aber steht und fällt die Alleestraße. Und zwar ganz unabhängig von der Frage, ob absehbar wieder Autos über sie fahren dürfen oder nicht.

Dazu gibt es seit dieser Woche immerhin ein Votum. In der Bezirksvertretung Alt-Remscheid fand sich eine Mehrheit für die Wiederöffnung des unteren Teils für den Fahrzeugverkehr. Das letzte Wort hat der Stadtrat, doch zeichnet sich auch dort eine Mehrheit dafür ab. Denn auch die SPD, die in der Bezirksvertretung noch mit Nein stimmte, ist grundsätzlich dafür. Dass sie dafür ein Arbeitspapier des Oberbürgermeisters abwarten möchte: geschenkt.

Und dann? Dürfte sich doch nur wenig ändern. Das zeigten schon die Ergebnisse eines ersten Versuchs vor zehn Jahren: Die Kunden konnten nun zwar bis vor die Ladentür fahren, taten das aber weit seltener als erhofft. In den Geschäften klingelte die Kasse deshalb nicht häufiger als zuvor.

Die Rückkehr der Autos wäre dennoch konsequent. Denn die Alleestraße der Zukunft soll nach den Vorstellungen der Stadtplaner weniger Einkaufsmeile und mehr Wohnstraße sein. Wer aber wohnt, der will auch wegfahren können und sein Auto in der Nähe wissen.

Ob dies das richtige Konzept für die Alleestraße ist, wird wie vor 50 Jahren die Zukunft zeigen. Richtig ist: Sie muss sich verändern. Wer das nicht unterschreiben, sondern am Status quo einer trostlosen Fußgängerzone ohne Fußgänger festhalten will, dem sei ebenfalls ein Satz Willi Hartkopfs dringend empfohlen: „Hier muss etwas passieren. Sehen Sie sich Remscheid bis hoch zum Markt und Friedrich-Ebert-Platz doch an.“

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