Seele des Tanzes: "Bailando en soledad. . .  Tango!"

Der Tango wurde in den verruchten Hafenkneipen am Rio de la Plata geboren? Mag sein. Aber Nicole Nau und Luis Pereyra bringen ihn neu auf die Welt. Am Anfang ihres Programms "Bailando en soledad . . . Tango!", mit dessen Welturaufführung am Samstagabend die Saison im Teo Otto Theater eröffnet wurde, steht eine "Erweckungsszene": "El Esp¡ritu", der Geist oder vielleicht die Seele des Tanzes im eleganten, glitzernden Kleid, verführt "ihn" zum Tanz und es scheint, als würde sie ihm damit erst Leben einhauchen. "Er" lernt schnell - und so legt das Paar schon in der Eingangsszene eine seiner berühmten, fulminanten Sacada-Folgen hin, bei der sich die Beine in atemberaubenden Tempo mit einander verwirbeln.

Doch dann wird die Uhr noch einmal zurückgedreht: Rein wie die Unschuld vom Lande erscheint "sie" im geblümten, weit schwingenden Kleid, wunderschön fließend und leicht ist der gemeinsame Tanz.

Plötzlich verlassen steht sie im weißen Unterkleid da, nachdem "er" ihr das Kleid vom Leib gerissen hat. Wenn sie daraufhin in ein aufreizend geschlitztes rotes Satinkleid steigt ist klar: Jetzt beginnt eine neue Ära.

Es geht in die Salons, wo Wange an Wange getanzt wird (trotz Hut), es folgt die elegante Ballroom-Zeit. Eine Geschichte lässt sich zwar trotz deutlich verstärkter theatralischer Elemente (Dramaturgie: Julio L¢pez) nur schwerlich ausmachen, doch wirken die Szenen in sich stimmig, und sie leben von der großartigen Präsenz dieses Tanz-Paares, das gänzlich ohne stilisierte Gesten auskommt.

Gleichberechtigter Partner ist der wunderbare Quique Ponce, dessen virtuoses Bandoneon-Spiel, dessen leidenschaftlichen Gesang wohl niemand nur als Pausenfüller zwischen zwei Tanz-Szenen wahrnehmen würde.

Der zweite Teil des Abends kommt in Musik und Poesie, Tanz und Trommeln einer Huldigung an die Folklore Argentiniens gleich. Zamba, Chacarera, Vidala sind solche Rhythmen und Tänze.

Und wenn Luis Pereyra die großen Bombo-Trommeln schlägt und den "Zapateo Argentino", die landestypische Variante des Steppens, hinlegt, dann verausgabt er sich, dass die Schweißperlen wie Regenschauer im Scheinwerferkegel glitzern.

War es gar zuviel der Leidenschaft? Jedenfalls musste der Tänzer wegen einer schmerzhaften Muskelzerrung am Schluss zwei Tänze ausfallen lassen. So kam die ansonsten sehr stimmig gelungene "Umarmung" und Verschmelzung von Tango und Folklore am Ende ein wenig zu kurz.

Ein winziger Wehrmutstropfen in dieser großartigen und im gut gefüllten Haus begeistert aufgenommenen Premiere.

"Bailando en Soledad... Tango!" ist vom 1.-5. September im Kölner "Senftöpfchen" zu sehen, am 8. September im Wuppertaler Rex-Theater.

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