Montagsinterview

Dr. Thomas Giebisch: „Schulpreis motiviert die Schüler“

„Schulpreis motiviert die Schüler“: Dr. Thomas Giebisch, Chef am Leibniz-Gymnasium.
+
„Schulpreis motiviert die Schüler“: Dr. Thomas Giebisch, Chef am Leibniz-Gymnasium.

Dr. Thomas Giebisch, Leiter des Leibniz-Gymnasiums, schätzt den Wettbewerb von RGA und Volksbank sehr.

Das Gespräch führte Andreas Weber

Herr Giebisch, läuft Ihr Gymnasium nach der Pandemie wieder auf Betriebstemperatur?
Dr. Thomas Giebisch: Vollkommen, ohne Einschränkungen. Der Krankenstand sowohl im Kollegium wie bei den Schülern in den letzten Monaten war zwar hoch, und es sind so viele Nachschreibetermine für Klausuren wie noch nie angesetzt, aber alle Unterrichte sind in Präsenz, Veranstaltungen und Arbeitsgemeinschaften laufen völlig normal. Wir hatten zum Beispiel wieder unser Musical der 5. Klassen, Adventskonzert, die Päckchenaktion und das Drehtürmodell der Begabten.
Ist der Lehrermangel spürbar bei Ihnen?
Giebisch: Ich will mich nicht beklagen. Die Gymnasien sind die Schulform, die noch am besten ausgestattet ist. Unter dem Lehrermangel leiden vor allem die Grund- und Förderschulen. Wir helfen in Grundschulen bis 2026 auch durch vier sogenannte Vorgriffsstellen. Nein, ich bin sehr zufrieden. Ich habe alle Lehrer, die ich brauche. Es gibt keine Mangelfächer, auch Physik und Kunst sind besetzt. Nur durch den Wegfall von drei Referendaren, die ihren eigenen bedarfsdeckenden Unterricht von insgesamt 27 Wochenstunden in ihrem Examensquartal nicht mehr durchführen, gibt’s im zweiten Schulhalbjahr Engpässe.
Über zwei Jahre Corona bedeuten Defizite bei den Schülern. Wie werden die aufgeholt?
Giebisch:Ja, die gibt es. Ich habe zum Beispiel eine achte Klasse in Mathe mit Bruchrechnung. Der Stand dabei ist nicht so, wie man es von einer achten Klasse erwarten sollte. Aber das kriege ich hin. Mehr als Defizite stellen wir vor allem Unsicherheiten fest. Was habe ich versäumt? Was ist jetzt wichtig? Das sind Fragen von Schülern, die sich im persönlichen Gespräch besser beantworten lassen als vor dem Bildschirm. Ich sehe bislang keine schlechteren Leistungen im Abitur. Was in den vergangenen drei Jahren erbracht wurde, auch vom jetzigen Q2-Jahrgang, ist von den Noten nicht schlechter, sondern eher besser. Möglicherweise liegt es daran, dass die Anforderungen etwas heruntergeschraubt wurden. Aber mir wird momentan zu viel geklagt. Ich glaube nicht, dass die Corona-Folgen in zehn Jahren eine Rolle spielen.
Das hört sich so an, als hätten Sie wieder Zeit für Projekte, die über den Lernstoff hinausgehen.
Giebisch: Richtig. Paradebeispiel ist unser Israel-Austausch, der vor Weihnachten angelaufen ist, in einer Woche fliegen wir zum Gegenbesuch nach Tel Aviv. Im Februar geht es zur Sprachreise nach Wexford in Irland. Unsere 38 AGs laufen wieder, zwei weitere sind beantragt von den Kollegen. Ob ich sie in die Stundenpläne einbauen kann, wird sich zeigen, weil die Unterrichtsversorgung im zweiten Halbjahr durch den Wegfall von Referendaren Spitz auf Knopf steht.
Der Schulpreis von RGA und Volksbank ehrt seit 2014 herausragende, ungewöhnliche, pfiffige Projekte, die über die Vermittlung des normalen Lernstoffs hinausgehen. Drei Jahre musste der Preis aussetzen. Im Frühjahr geht’s wieder los. Sie persönlich gelten als glühender Fan der Auszeichnung.
Giebisch: Unbedingt. Ich freue mich sehr darauf. Wir haben uns immer beworben. Es ist ein Ziel, auf das wir hinarbeiten. Das zeichnet unsere 38 AGs aus, die zusätzlich zum Lehrplan Angebote bieten von Robotik, Rudern über das Juniorchester bis zu Einradfahren und Erlebniswandern. Der Preis hilft den Schülern fokussierter zu sein und sich noch mehr zu motivieren.
Am 18. Juni 2019 fand die letzte Preisverleihung sogar in der Leibniz-Aula statt.
Giebisch: Es ist toll, bei einer Preisverleihung dabei zu sein. Wenn man sie selber ausrichten darf, gilt dies umso mehr. Ich bin noch beeindruckt von dem 1. Preis, den das GBG für die 50 Jahre währende Partnerschaft mit dem College in der französischen Partnerstadt Quimper gewonnen hat. Das ist ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit.
Das Leibniz hat 2019 den 2. Preis und 1500 Euro für ein Naturprojekt gewonnen. Auch die ausgezeichnete Streuobstwiese soll für Nachhaltigkeit stehen. Was ist daraus geworden?
Giebisch: Unser erstes Ziel war, die Wiese in Klausen komplett zu umzäunen, weil die Fläche immer wieder als Abkürzung und von Hundehaltern genutzt wurde. Wir haben Igelhäuser gebaut, wollen Wildbienen ansiedeln. Die Einzäunung steht mit einem Eingang. Leider gab es Ärger. Der Zaun ist zweimal zerstört worden. Mittlerweile hat es sich beruhigt, die Wiese scheint akzeptiert. Lukas Hardenbicker, Uta Öhl, Verena Leberling sowie ein Kollege, der eine Imkerausbildung machen will, werden das Projekt weiter begleiten.
Was bedeutet den Schülern ein Schulpreis?
Giebisch: Lob freut jeden. Vor allem, wenn es mit einer öffentlichen Präsentation und einem Geldpreis verbunden ist. Den Stolz hat man meinen Schülern 2019 auf der Bühne angesehen. Ausgezeichnet zu werden, ist etwas Besonderes. Nicht jeder bekommt einen Preis. Wir haben uns oft beworben und lange nichts gewonnen. Dem Leibniz tut es gut, wenn die Arbeit gewürdigt wird. Doppelt so schön ist es, wenn das durch Externe geschieht. Es ist etwas anderes, wenn der Erfolg groß in der Zeitung steht und vorher im Rahmen einer großen Veranstaltung, wo alle Preisträger zusammenkommen, ins Rampenlicht rückt. Wir alle bekommen Ideen für unsere eigenen AGs. Der Schulpreis ist eine Börse der Anregungen. Ich lese die Doppelseite, die nach der Veranstaltung im Solinger Tageblatt und dem RGA erscheint, deshalb stets von vorne bis hinten durch. Für die Schüler ist der Schulpreis ein Event. Ich glaube, dass sie dort etwas mitnehmen und sei es nur, dass andere Schulen auch tolle Projekte auf die Beine stellen. Ich denke, das bringt auch der Persönlichkeitsentwicklung unserer Schüler etwas.
Woher kommt am Leibniz das Geld für die Umsetzung zusätzlicher Ideen, wenn man nicht gerade 1500 Euro gewinnt?
Giebisch: Wir haben das Glück, dass wir einen tollen, großen Förderverein mit vielen Ehemaligen und aktuellen Eltern haben. Durch deren Engagement bekommen wir hohe fünfstellige Beträge im Jahr finanziert. Zweimal im Jahr tagt der Vorstand, um zu entscheiden, welche der vorgelegten Projekte ausgewählt werden. Im Förderverein passiert viel Gutes. Das ist die eine Quelle, dann suchen wir aber auch externe Sponsoren bis zu Förderprogrammen des Landes. Eine solche Akquise betreiben alle Schulleiter.
Der Schulpreis 2023 bleibt, wie er ist. Intern ist bei uns über Veränderungen diskutiert worden, zum Beispiel mehr in Richtung Digitalität zu gehen. Wie denken Sie darüber?
Giebisch: Ich finde die Grundaufteilung sehr gut. Vor allem, dass die Grundschulen einen Preis bekommen. Denn die weiterführenden Schulen haben ganz andere Möglichkeiten, sich aufzustellen. Wir können uns ganz anders präsentieren, haben eine andere Reichweite. Die Grundschulen müssen gefördert werden. Das liegt mir sehr am Herzen. RGA und Volksbank sollten diese Unterteilung nicht aufgeben. Na ja, und Digitalisierung macht im Moment jeder. Beim Schulpreis ist gerade die Breite der Projekte, die man einreichen kann, das Spannende. Bitte behalten Sie das genauso bei.
Mit welchem Projekt werden Sie sich in den kommenden Wochen bewerben?
Giebisch: Das verrate ich noch nicht. Aber gehen Sie davon aus, dass wir im Hintergrund daran arbeiten. Nur so viel: Wir wollen nicht wieder dasselbe machen wie in 2019. Ich lasse es auch offen, ob wir uns nicht sogar mit zwei Projekten beteiligen.

Der Schulpreis - Bewerbungen sind ab sofort möglich

Die Briefe sind raus an alle hiesigen Schulen. RGA und Volksbank laden ein zum 7. Schulpreis in Remscheid, zum 9. in Solingen. 2014 wurde er in Remscheid erstmals ausgelobt, von 2020 bis 2022 fand der Wettbewerb coronabedingt nicht statt. Ausgelobt sind 10 000 Euro. Die Jury, bestehend aus Vertretern von Volksbank, RGA/ST und Stadtverwaltung (Schulamt), entscheidet über die besten Projekte in zwei Kategorien: einmal Klasse 1-4, dann ab Klasse 5 in den weiterführenden Schulen. Bewerben können sich alle Schulen, Klassen oder Lerngruppen, die ein aktuelles Projekt umsetzen oder konkret geplant haben. Teilnahmeschluss ist der 24. April. Die Preisverleihung findet vor den Sommerferien in einer der Schulen statt, die einen Preis gewonnen haben.

Zur Person

Dr. Thomas Giebisch, 60 Jahre, verheiratet, zwei Kinder (ein Sohn, 24, eine Tochter, 18); gebürtiger Solinger, lebt auch heute noch dort, hat am Gymnasium Schwertstraße 1981 sein Abi gemacht. Seine Ehefrau Almuth arbeitet an einem kirchlichen Gymnasium in Leverkusen. Giebisch hat in Köln studiert. Seit 1993 am Leibniz-Gymnasium in Lüttringhausen, seit 2010 ist er Schulleiter, seine Fächer sind Mathematik und Musik. Giebischs musikalische Liebe gilt der Querflöte. 25 Jahre unterrichtete er dieses Instrument an der Musikschule in Solingen, gab in seiner Heimatstadt viele Konzerte, allein oder im Orchester, Chorwesen und der Kammermusik. Während seiner Bundeswehrzeit diente er im Stabsmusikkorps in Siegburg, das auch bei protokollarischen Terminen der Bundesregierung bei Staatsbesuchen gefragt war.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Energiekrise setzt dem H<sub>2</sub>O zu
Energiekrise setzt dem H2O zu
Energiekrise setzt dem H2O zu
Ketten des Leopard 2 kommen aus Remscheid
Ketten des Leopard 2 kommen aus Remscheid
Ketten des Leopard 2 kommen aus Remscheid
Haddenbacher Straße: Feuerwehr löscht Brand und macht Entdeckung
Haddenbacher Straße: Feuerwehr löscht Brand und macht Entdeckung
Haddenbacher Straße: Feuerwehr löscht Brand und macht Entdeckung
Hausbrand: Feuerwehr findet Cannabis-Plantage
Hausbrand: Feuerwehr findet Cannabis-Plantage
Hausbrand: Feuerwehr findet Cannabis-Plantage

Kommentare