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Schulmahlzeit wird in Remscheid deutlich teurer

Zählen zu den 152 AES-Schülern, die mittags eine Mahlzeit gebucht haben: Louis Jakoby (10) und Laura Grund (11).
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Zählen zu den 152 AES-Schülern, die mittags eine Mahlzeit gebucht haben: Louis Jakoby (10) und Laura Grund (11).
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Steigerungen zum Teil bei über 30 Prozent – Wer an Caterer gebunden ist, muss mit Erhöhungen rechnen.

Remscheid. Zwei Mahlzeiten bietet die Küche der Albert-Einstein-Schule (AES) täglich an. Vegetarisch oder mit Fisch und Fleisch. Es gibt Salat, eine Hauptspeise und einen Nachtisch plus Getränk (Wasser) für 2,50 Euro. 152 Jugendliche, zumeist Fünft- bis Siebtklässler, haben die Gerichte im Abo vorgebucht. Apetito liefert täglich, Küchenchefin Tanja Grund teilt das Essen mit ihrem Team aus. Als gebundene Ganztagsschule gewährleistet der Schulträger die Verpflegung. Wie an der Nelson-Mandela-Schule, Albert-Schweitzer-Realschule, Hauptschule Hackenberg und der Hilda-Heinemann erhalten die Schüler das Essen für den Festpreis von 2,50 Euro mit einer garantierten Preissicherheit von drei Jahren.

Der tatsächliche Essenspreis liegt in 2022/23 schon weiter drüber: an der AES bei 4,38 Euro. Schulverpflegung ist deutlich teurer geworden. Es gibt viele Eltern, die sie sich nicht leisten können. Tanja Grund stellt dies immer wieder fest, wenn hungrige Kids an ihre Theke kommen und zaghaft nach einem Essen fragen. Ähnlich wie beim benachbarten Kiosk, den Claudia und Yasmin Todzey betreiben. Das Ehepaar gibt gestiegene Einkaufspreise für Brötchen, Süßigkeiten und Getränke bislang noch nicht weiter.

Förderverein stieg aus: GBG zurzeit ohne Mensabetrieb

Zum Teil liegen die Steigerungen bei über 30 Prozent. Im Schulausschuss am 24. August hatte die CDU den Anstieg bei den Essensgeldern auf die Tagesordnung gehievt, stieß dort jedoch mit ihrem Anliegen, aus den Folgen der Inflation Schlüsse zu ziehen, bei Verwaltung und der Gestaltungsmehrheit (SPD, Grüne, FDP) auf Zurückhaltung. Zur Schulausschuss-Sitzung am 26. Oktober präsentierte die Stadt nun Zahlen, die erkennen lassen, dass Verpflegung längst ein sensibles Thema geworden ist.

Versorgen die AES-Schüler mit Snacks und warmem Mittagessen: Tanja Grund (v. l.), Claudia Todzey und Yasmin Todzey.

In den Mensen der Gymnasien muss für den warmen Mittagstisch tiefer in die Tasche gegriffen werden. Am Leibniz sind es im Schuljahr 2022/23 zwölf Prozent mehr bei 4,20 bis 4,70 Euro (3,70 bis 4,20 Euro waren es 2021/22), am Rögy neun Prozent mit 3,60 bis 3,80 Euro (vorher 3,30 bis 3,80 Euro). Das EMMA ist mit vier Euro gleich geblieben, hatte aber schon eine Steigerung von 33 Prozent in 2019/20 (damals drei Euro) hinter sich. Im GBG kostete das Speisen 3,80 Euro. Mittlerweile ruht der Mensabetrieb, weil ein kostendeckender Betrieb für den Förderverein nicht mehr finanzierbar war. Entscheidend hierfür war die Steigerung der Personalkosten durch die Erhöhung des Mindestlohnes und gestiegene Beschaffungskosten. „Aktuell werden Gespräche mit einem Caterer geführt, um auch dort wieder Essen anbieten zu können“, stellt die Stadt in ihrer Vorlage für den Schulausschuss fest. An der Alexander-von-Humboldt-Realschule wurde binnen eines Schuljahres von drei auf aktuell vier Euro erhöht, macht 33 Prozent mehr.

Auch im Offenen Ganztag (OGS) geht es laut Abfrage bei den Trägern nach oben. Während bei der Kraftstation (2,60 Euro), Caritas (2,83 Euro und RSV (3,20 Euro) die Tarife gleich blieben, kletterten sie bei Die Verlässliche um 11 Prozent von 2,70 auf 3 Euro in 2022/23, beim Kinderschutzbund von 2,55 auf 3 Euro (18 Prozent), KJA von 2,75 auf 3 Euro (9), beim Schulverein Hackenberg von 2,55 auf 2,70 Euro (16). Der Schulverein Freiherr-vom-Stein nimmt 3,30 statt 2,50 Euro – 32 Prozent mehr.

Eine einheitliche Aussage, ob die Mahlzeiten dieses Schuljahr weiter anziehen, gibt es nicht. „Bei Verträgen mit Jahresverpflegungsbeiträgen bleibt der Essensbeitrag für das Schuljahr gleich hoch. Bei kleineren Systemen und Verträgen, die an Caterer gebunden sind, können Anpassungen erfolgen“, stellt die Stadt fest.

In gebundenen Ganztagsschulen stellt die Stadt als Schulträger für das Mittagessen Räume, Sach- und Personalausstattung bereit. Eine Besonderheit nimmt dabei die Kooperation mit dem Mensaverein der Sophie-Scholl-Gesamtschule ein. Dieser erhält jährlich einen kommunalen Zuschuss von 17 000 Euro. Das Einzelessen, das 2020/21 noch 4,05 Euro kostete, liegt bei 5 Euro (23 Prozent mehr). Der Abo-Preis je Monat (mit Essen an fünf Wochentagen) schoss auf 74,10 Euro. Der Mensaverein registrierte um 50 Prozent gestiegene Materialkosten.

Die Befürchtung der CDU, dass Eltern die gestiegenen Essenskosten für ihre Kinder nicht mehr aufbringen können, teilt die Stadt – zumindest momentan – nicht. „Auf der Grundlage der bei vielen Anbietern kaum steigenden Zahl an Anträgen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket kommen diese zu der Einschätzung, dass keine Verschlechterung eingetreten ist. Gleichzeitig ist insbesondere zu Beginn eines Schuljahres noch nicht abzuschätzen, wie die Zahlungsmoral der Eltern ist.“

Befürchtung

Insgesamt wird die Planung der Schulverpflegung schwieriger, da es Obst und Gemüse nur noch per Tagespreis gibt. Großhändler geben nur noch Wochenangebote ab. „Bei den Schulen, die ihre Verpflegung über externe Caterer abwickeln, werden diese früher oder später ihre Preise verändern“, befürchtet die Stadtverwaltung.

Lesen Sie auch: 4,4 Millionen Euro fließen in die Remscheider Schulen

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