Viele Vorteile

„Schulbuch wird zum Auslaufmodell“

Das Schulbuch als Auslaufmodell? Was es oft in dicken Wälzern in gedruckter Form für den Unterricht gibt, kann meist auch auf dem Bildschirm abgerufen werden.
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Das Schulbuch als Auslaufmodell? Was es oft in dicken Wälzern in gedruckter Form für den Unterricht gibt, kann meist auch auf dem Bildschirm abgerufen werden.
  • Andreas Weber
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Ausschuss beschäftigte sich mit digitalem Lehrwerk. Es gibt viele Vorteile, aber noch kein schnelles Wlan.

Von Andreas Weber

Remscheid. Papier oder Bildschirm? Was wird sich im Unterricht als Lernmaterial durchsetzen? Für Bernd Schaub ist klar: „Das klassische Schulbuch wird zum Auslaufmodell.“ Der pensionierte Realschullehrer sieht nur Vorteile im digitalen Lehrwerk. „Das beginnt damit, dass Schüler nicht mehr jeden Tag mühsam den Unterrichtsstoff durch die Gegend schleppen müssen und hört bei mehr Inhalten auf, die am PC, Tablet oder Smartphone kompakt und stets griffbereit abgerufen werden können“, erläuterte der FDP-Politiker im Schulausschuss.

Würde, wenn die Voraussetzungen stimmen, Schulbücher durch Tablets im Unterricht ersetzen: Rögy-Lehrer Alexander Schmidt.

Dort hatte die CDU mit einer Anfrage zu digitalen Lehrwerken den Stein ins Rollen gebracht. Diese fußt auf der Beobachtung: „Bisher ist es übliche Praxis, dass Lehrwerke grundsätzlich für den betreffenden Jahrgang gekauft werden. Doch gerade in den höheren Jahrgängen ist es so, dass Schülerinnen und Schüler für einen kleinen Preis die digitale Version hinzukaufen, um keine Bücher tragen zu müssen und digital zu arbeiten.“

Alexander Schmidt (CDU), Lehrer am Rögy und schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion, berichtete und glaubte nicht nur für seine Schule zu sprechen, dass „viele Bücherstapel herumliegen“. Auch Bernd Schaub, der an der Alexander-von-Humboldt 2021 offiziell in Pension ging, danach ein Jahr zwei Informatiklassen weiterunterrichtete, spricht von „totem Kapital, das massenweise herumliegt“.

Schaub forderte: „Das geht so nicht, da müssen wir auf die Barrikaden gehen.“ Es sei Zeit, von alten Lernstrukturen wegzukommen, findet der technikaffine Pensionär. Mathe war mal sein Fach. Und „Schnittpunkt Mathematik“ aus dem Klett-Verlag, für die Klassen 5 bis 10 erhältlich, variiert um die 26,50 Euro als Print. Mit demselben Inhalt sind E-Books als Lizenzmodell (1 Jahr) für drei Euro erhältlich. Dazu gäbe es für Klassen und Schulen Mengenrabatt.

„Massenweise liegt totes Kapital herum.“

Bernd Schaub, Schulausschuss

Für Schaub macht es keinen Sinn, den alten braunen Diercke Weltatlas täglich durch die Gegend zu karren, wenn es im Netz Google Maps und Co. gibt. „Das wäre eine ungeheure Erleichterung für die Jugendlichen.“ Zumal auf dem Tablet neben den Buchinhalten vertiefendes, multimediales Material wie Videos abrufbar wäre. Die Finnen machen es vor, nennt Schaub ein Land, wo das Internet in der Schule eine zentrale Rolle spielt. In Deutschland wird dies dauern: „Es wird ein zäher Prozess, weil gerade ältere Pädagogen manisch am Papier festhalten“, befürchtet Schaub. Erste Voraussetzung: Alle Schüler müssen Endgeräte haben. Schaub weiß auch, dass die Infrastruktur in den Schulen vorhanden sein muss: „Wir brauchen die Anschlüsse und das schnelle Wlan. in den Schulgebäuden. Ohne ist unsere Arbeit enorm eingeschränkt.“

Zurzeit steckt die Stadt als Schulträger jährlich 777 200 Euro in Lernmittel. 60 Prozent davon (466 320 Euro) decken die Bücherbedarfe, weitere 40 Prozent (310 880 Euro) gelten als flexibel einsetzbarer Etat, aufgeteilt nach acht Schulformen und der Schülerzahl in den einzelnen Schulen. Die Kosten für Lernstoff, der sich in gedruckter Form nach ein paar Jahren abgenutzt hat und in den Müll wandert, würde sich deutlich reduzieren. An das Schulamt wiederum ist noch keine Schule herangetreten, die sich auf digitales Medienlehrwerk fokussieren will. Die Schulen entscheiden selber, welche Bücher und in welcher Form sie anschaffen.

Markus Eschweiler vom Schulamt gibt sich zurückhaltend. „Nur digital kann ich mir nicht vorstellen. Kinder müssen auch weiter lernen, wie man ein Buch in die Hand nimmt und damit umgeht.“ Eschweiler verweist auch darauf, dass der Breitbandausbau an Schulen nicht der alleinige Schlüssel für eine digitale Zukunft sein wird. Denn was passiere, wenn das Tablet eines Schülers zu Hause nicht mehr funktioniere? Und wer kümmere sich um den Support?

Trotz Skepsis: Eschweiler ist sich mit Alexander Schmidt und Bernd Schaub einig, dass digitales Lehrwerk ein Thema der Zukunft sein wird.

Weitere Vorteile

Bernd Schaub nennt weitere Vorteile eines digitalen Unterrichts: Angesichts des hohen Stundenausfalls könnten Vertretungsstunden einfacher funktionieren, ebenso entfalle das frühzeitige Einsammeln von Schulbüchern durch die Lehrer, das aus organisatorischen Gründen meist schon 14 Tage vor den Sommerferien einsetze. So könnte man bis zum letzten Schultag Unterricht machen. „Die Kinostunden vor den Ferien würden dann aufhören.“

Passend zum Thema: Karsten Neldner: „Schulen stehen unter großem Druck“

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