Digitalisierung

Schul-Tablets: Stadt steht vor Dilemma

Digitaler Unterricht in Schulen: Die Stadt muss die Folgekosten bedenken. Die gehen in die Millionen.
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Digitaler Unterricht in Schulen: Die Stadt muss die Folgekosten bedenken. Die gehen in die Millionen.
  • Andreas Weber
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Berater offenbart im Schulausschuss die möglichen Folgekosten der Digitalisierung.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die ersten 2525 iPads wurden Ende 2020 an Remscheider Schüler ausgeliefert. Es war ein kleiner Schritt beim Einstieg in den digitalen Unterricht. Dass dieser wahnsinnig viel Geld kostet, bekam der Schulausschuss vor Augen geführt. Mit Rechenmodellen machte Wolfgang Richter, Mitarbeiter im Schulfachplanungsbüro Lexis & Garbe, die Dimensionen klar. Es geht um viele Millionen, die je nachdem, wie viele Schüler in Zukunft mit Tablets ausgestattet werden, die Stadt weit über ihre Möglichkeiten strapazieren würde.

„Sie sind nicht mehr Herr im eigenen Hause“, rüttelte Richter Schulpolitiker und Verwaltung bei seiner Präsentation auf. So schön die Fördermittel aus Sofortausstattungsprogrammen des Landes sind, sie sind nicht langfristig abgesichert. Denn was passiert mit der Wartung der Geräte? Wie geht es nach fünf Jahren weiter, wenn die Tablets ihre Halbwertzeit überschreiten? Und vor allem: Werden alle 16 400 Schüler in Remscheid ausstaffiert? Momentan sind nur 5045 Bedürftige als Empfänger ermittelt. Um die 4000 Tablets sind ausgeliefert. „Die restlichen 1000 sollen bis Ende dieses Jahres in die entsprechenden Schulen geliefert werden“, erklärt Markus Eschweiler (Schulamt). Die Politik hat die Weichen gestellt und kommunale Mittel genehmigt.
Auch interessant: Das iPad wird in Remscheid zur digitalen Lehrertasche

Die könnten aber erst der Anfang einer schwindelerregenden Kostenspirale sein. Wolfgang Richter hatte Ausstattungsszenarien für fünf Jahre durchkalkuliert, die alle stramm ins Geld gehen. Bleibt es bei einer 5:1-Ausstattung mit Tablets in Schulen, so würden 3300 IT-Arbeitsplätze zwei Millionen Euro kosten und die Wartung 3,6 Millionen Euro verschlingen. Bei einer Vollausstattung (Gerät für jeden Schüler) fielen 9,8 Millionen für die IT an und 18 Millionen für die Wartung. Letztere ist für Richter eine rechnerische Größe, ausgehend von zusätzlichen Vollzeitstellen. Vieles wird in Zukunft jedoch über Second-Level-Support (technische Probleme werden per Ferndiagnose am Telefon oder online gelöst) laufen. Aber auch dabei fielen Mehrkosten an. Hinzu gesellen sich bei allen Modellen jeweils 4,4 Millionen Euro für die Präsentationstechnik (White Boards, Beamer), die in jedem der 950 Klassen- oder Fachzimmern sein sollte.

Anhand des Schul-Sozial-Indexes gibt es bei Feld 1 eine Ausnahme

Eine Empfehlung fiel Wolfgang Richter schwer. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht“, machte er kein Hehl, dass die Stadt ohne Unterstützung von Land oder Bund vor einem Dilemma stehe. Er riet den Anwesenden: „Spitzen Sie Ihre Landtagsabgeordneten an, wie es weitergeht.“ Ohne weitere, tiefgreifende Förderpakete wohl kaum.

Richter nannte anhand des Schul-Sozial-Indexes NRW für Remscheid eine Ausnahme. In Feld 1 sind die Schulen aufgelistet, die am wenigsten vor sozialen Herausforderungen stehen. Sophie-Scholl, EMMA, Leibniz, GBG und die Grundschule Siepen gehören dazu. „Im Feld 1 gibt es gute Chancen, die Tabletausstattung mit Elternfinanzierung hinzubekommen“, meinte Richter.

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