Ausstellung

GBG: Wie Schüler Flucht und Heimat sehen

Die Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums haben sich seit August mit den Themen Flucht und Heimat auseinandergesetzt. Die Ergebnisse hängen im Neuen Lindenhof in Honsberg. Foto: Roland Keusch
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Die Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums haben sich seit August mit den Themen Flucht und Heimat auseinandergesetzt. Die Ergebnisse hängen im Neuen Lindenhof in Honsberg.

Die Jahrgangsstufe 11 des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums stellt im Neuen Lindenhof in Honsberg Werke zum Thema aus.

Von Lara Hunt

Aus einer Ecke klingt Geigenmusik, an den Wänden hängen teils bedrückende Bilder. Da sind blutige Hände, die sich an einem Stacheldrahtzaun festklammern. Da ist das Bild einer Wüste, in der Pistole, Panzer und Gewehr liegen, im Hintergrund, ganz klein ist eine Familie zu sehen, die den Waffen den Rücken zugewandt hat. Da ist das Bild einer einsamen Person, die zusammengekauert im Dunkeln sitzt. Da ist der Schriftzug: „Kein Mensch ist illegal“. Und da sind die blauen, aus Papier gefalteten Friedenstauben, die in einer Ecke den Boden bedecken.

Geschaffen haben die Werke, die im Neuen Lindenhof hängen, Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums (GBG). Seit August haben sie sich mit dem Thema „Neuland“ beschäftigt. Entstanden ist daraus die Ausstellung „Perspektivwechsel: Flucht und neue Heimat“, die nicht nur den Blick der Schüler auf Flucht und Migration zeigt, sondern auch erahnen lässt, wie viel Arbeit die Jugendlichen investiert haben, um den Beobachter aufzurütteln.

Über drei Monate wurde sonntags an der Ausstellung gearbeitet

Insbesondere fünf Schülerinnen aus dem Kurs von Lehrer Timm Therre – er ist in der Flüchtlingshilfe im Neuen Lindenhof aktiv – haben sich bei den Ausstellungsvorbereitungen hervorgetan. Drei Monate lang kamen sie jeden Sonntag in das Atelier der Remscheider Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck und arbeiteten von 15 bis 18 Uhr an Installationen, die zur Ausstellungseröffnung gezeigt wurden – unter anderem ein vergitterter Spiegel, in dem sich der Betrachter als Gefangener sieht.

Die fünf Schülerinnen eröffneten die Ausstellung und zeigten gleich bei ihrer Vorstellung, wie bunt Remscheid schon lange ist. Carmen Nowack (18) hat ihre Wurzeln in Polen, Nabila Benabbou (16) kommt aus Marokko, Sangavie Setukavalan (16) stammt aus Sri Lanka und Makbule Bayrak (16) und Anis-Kübra Saba (18) aus der Türkei. Die Künstlerinnen begannen mit einem Poetry Slam über Flucht, die Sehnsucht nach der Heimat und die neue Umgebung. Am Ende kam die große Überraschung: Einer der Verfasser, Ahmed Yusuf, ist aus Syrien geflohen. Der zweite, Daniel Levi, flüchtete 1938 aus Deutschland.

„Für die Ausstellung haben wir uns von Mahatma Gandhi und Martin Luther King inspirieren lassen“, berichtet Makbule Bayrak. Die Schülerinnen diskutierten viel miteinander, lasen Interviews mit Geflüchteten und überlegten, wie das Thema künstlerisch umgesetzt werden könne. „Wir wollten zeigen, dass man die Menschen, die hierher kommen, in Not sind und dass man sie nicht so kritisch sehen muss. Wir wollten Vorurteile auflösen“, sagt Anis-Kübra Saba.

Besonders geholfen, berichten die Schülerinnen, hat ihnen der Kontakt zu Einzelpersonen. „Die Medien zeigen immer nur einen Ausschnitt. Und den kann man auch missverstehen“, sagt Makbule Bayrak. Das Gefühl hat auch Lehrer Timm Therre. „Medial werden Massenströme gezeigt, Einzelschicksale sind da etwas völlig anderes. Nicht umsonst sind Bewegungen wie Pegida dort so stark, wo es kaum Flüchtlinge gibt“, sagt er. Seine Hoffnung für das Kunstprojekt: „Ich denke, mit solchen Aktionen kann man von unten gegen Vorurteile arbeiten.“ Das Engagement seiner Schülerinnen bezeichnet er als etwas „sehr Rührendes“.

Auch Ralf Noll vom Neuen Lindenhof ist von der Arbeit der Schüler begeistert. „Wir sind kein Museum, gerade deshalb ist es schön, wenn hier Kunst und Integrationsarbeit zusammen kommen“, sagt er. Weitere Projekte dieser Art seien im Gemeinschaftshaus herzlich willkommen. 

AUSSTELLUNG

GEMEINSCHAFTSHAUS Die Werke der Schüler des Gertud-Bäumer-Gymnasiums werden laut Ralf Noll mindestens noch zwei Wochen lang im Honsberger Gemeinschaftshaus, der Neue Lindenhof, Honsberger Straße 38, zu sehen sein.

www.der-neue-lindenhof.de

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