Aktion

Schüler erzeugen Stahl wie vor 3000 Jahren

Jeremy Krause (l.) und Lucas Obrikat heizten den Rennofen an. Zwei standen gestern auf dem Schulhof vor dem Berufskolleg Technik. Foto: Roland Keusch
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Jeremy Krause (l.) und Lucas Obrikat heizten den Rennofen an. Zwei standen gestern auf dem Schulhof vor dem Berufskolleg Technik.

Zwei Rennöfen liefen den ganzen Tag über auf dem Schulhof des Berufskollegs Technik.

Von Manuel Böhnke

Von außen betrachtet mutet es fast wie eine Strafarbeit an: Auf dem Schulhof des Berufskollegs Technik sitzen einige junge Menschen und bearbeiten kleine, rötliche Steine unaufhörlich mit Hämmern. Einige Meter weiter hocken Mitschüler vor einem Tongebilde, über dessen Öffnung die heiße Luft flimmert. Ein Kompressor, der die Glut im Inneren anfacht, dröhnt. Mit einer Bestrafung hat die Szenerie aber nichts zu tun. Im Gegenteil: Aus erster Hand lernten die Teilnehmer der gestrigen Aktion auf dem Schulhof vor dem Berufskolleg Technik (BTR), wie vor Tausenden Jahren Stahl in einem Rennofen hergestellt wurde.

Mit dem Werkstoff kennen sich die Schüler der Berufsfachschule 1 am BTR aus. Denn das Thema Metallverarbeitung steht im Mittelpunkt ihres Bildungsgangs. „Sie sollen sehen, wie viel Arbeit es ist, das Material überhaupt herzustellen“, erläuterte Klassenlehrer Heinz-Georg Hütt das Experiment. Seit 2004 wird es am BTR regelmäßig durchgeführt. Im vergangenen Jahr belegte die Bildungseinrichtung damit den dritten Platz beim Remscheider Schulpreis.

„So etwas kannte ich aus meiner Schulzeit bisher nicht.“

Aycan Durmus, Schülerin

Im Unterricht hat Hütt mit seinen Schützlingen die theoretischen Grundlagen zu der Aktion erarbeitet. Und auch die beiden Rennöfen, die gestern im Einsatz waren, haben sie in der Werkstatt des Berufskollegs selbst gebaut. Sie bestehen aus mit Lehm verputzten Ziegelsteinen. Das Sand-Ton-Gemisch stellte die Remscheider Firma A & O Holz- und Lehmbau zur Verfügung. Weil zwei Rennöfen im Einsatz waren – ein größerer und ein kleinerer – konnten die Schüler Energieverbrauch und Effektivität unter ähnlichen Bedingungen vergleichen.

„Um 6 Uhr morgens haben wir das Feuer entfacht“, erzählte Heinz-Georg Hütt. Bis etwa 22 Uhr haben die Schüler in drei Schichten immer wieder Holzkohle – knapp 100 Kilo über den Tag verteilt – und Eisenerz nachgeschüttet. Bei Temperaturen von bis zu 1300 Grad im Inneren findet eine chemische Reaktion des Eisenerzes statt, während sich Verunreinigungen verflüssigen und als Schlacke aus dem Ofen rinnen. „Daher kommt auch der Name Rennofen“, erläuterte Hütt.

Geht der Prozess gut, bildet sich in dem kleinen Turm ein schwammartiger Eisenbrocken, Luppe genannt. Ein verwertbarer Werkstoff ist das zwar wegen des zu hohen Schlacke-Anteils noch nicht, wohl aber ein Zwischenprodukt auf dem Weg dorthin.

Für Heinz-Georg Hütt gehört das Rennofen-Experiment zu den Höhepunkten des Schuljahres. Nicht nur wegen der Lernerfolge der Schüler. „Abends wollen wir noch grillen. Das ist eine super Möglichkeit, Technik mit tollen Erlebnissen und Gemeinschaftsgefühl zu verbinden“, sagte der 53-jährige Remscheider.

Bei seinen Schülern schien die Aktion gestern gut anzukommen. Die pralle Sonne hielt sie von ihrer Arbeit an den heißen Lehmöfen nicht ab. Zu ihnen zählte Aycan Durmus: „So etwas kannte ich aus meiner Schulzeit bisher nicht. Ich finde es aber super. Wenn man etwas selbst ausprobiert hat, weiß man im Unterricht besser, wie es funktioniert.“

Berufskolleg

Rund 1600 Schüler besuchen das Remscheider Berufskolleg Technik an der Neuenkamper Straße. Die Bildungseinrichtung vereint sechs Schulen unter einem Dach: Ausbildungsvorbereitung, Berufsfachschule, Höhere Berufsfachschule, Informationstechnischen Assistenten, Fachschule für Technik sowie das Berufliche Gymnasium. Schulleiter ist Oliver Lang.

www.btr-rs.de

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