Mein Leben als Papa

Schon am ersten Tag ein Schlitzohr

Hannes, auch optisch längst ein Schulkind.
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Hannes, auch optisch längst ein Schulkind.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt von der Einschulung seines Sohnes Hannes.

Als der große Tag endlich gekommen ist, verhält sich Hannes so souverän, als habe er schon mehrere Einschulungen erfolgreich gemeistert. Seine Nervosität ist der Vorfreude und Neugier gewichen. Dass er nun deutlich früher aufstehen muss, macht ihm am ersten Schultag gar nichts aus. Kaum geweckt, sitzt er senkrecht im Bett und posaunt ein fröhliches „Schulkind, jippie-ja-jo!“ in die Welt.

Seine gute Laune verstärkt sich noch, als er das festlich dekorierte Wohnzimmer und die von seiner Mama liebevoll gebastelte Schultüte erblickt. Mit blauem Ninja im Weltall, wie von ihm gewünscht. Daneben thront sein schon vor Monaten gekaufter Tornister. Befüllt mit Heftern, Blöcken, Stiften, wie von der Schule gewünscht. Hannes ist bereit!

Strammen Schrittes geht er voran. Die Steigungen auf seinem Schulweg machen ihm gar nichts aus. Mir schon. Ich schwitze in meiner langen Hose und unter meinem Hemd an diesem heißen Tag. Als wir ankommen, sitzen viele von Hannes’ neuen Mitschülerinnen und Mitschülern bereits im Halbkreis auf dem Schulhof warten darauf, dass die kleine Feier losgeht. Ich frage mich, ob Hannes jetzt vielleicht kalte Füße bekommt. Denn noch kennt er seine Mitschüler nicht. Sein bester Freund Julian besucht leider eine andere Schule. Aber Hannes setzt sich einfach auf einen freien Platz und scannt seine neuen Weggefährten unauffällig ab. Ich tue es ihm gleich und nehme dabei auch die Eltern ins Visier.

Die Feier beginnt. Liebe Worte der Schulleiterin wechseln sich mit lieben Worten der Pfarrerin und Vorträgen der Zweitklässler ab. Mit Michel auf meinem Schoß und Hannes im Blick schweifen meine Gedanken ab. „Ich hatte ihn doch gerade erst als Würmchen auf’m Arm“, höre ich einen Opa hinter mir sagen, der sich wohl stellvertretend für alle Eltern und Großeltern auf dem Schulhof fragt, wo eigentlich die Zeit geblieben ist. Vor meinem geistigen Auge sehe ich den knapp dreijährigen Hannes mit Bauernhof-Tasche schüchtern in den Kindergarten stapfen. Jetzt wirkt selbst der bei vielen anderen Kindern riesig erscheinende Tornister an seinem Rücken genau richtig.

Ich denke auch zurück an meine Zeit in der Grundschule, von der ich Hannes in den letzten Wochen immer und immer wieder erzählen musste. An Herrn Weeren, meinem geliebten Klassenlehrer, dessen kleine Gedichte mir heute noch im Ohr sind: „Wenn sieben mit der acht vermählt, man immer sechsundfünfzig zählt.“ Sogar meine alten Zeugnisse habe ich mit Hannes angeschaut. „Gunnar zeigt beim Fußballspielen Ansätze eines zukünftigen Bundesliga-Spielers“, hieß es in meinem ersten Zeugnis. Wohl nie wieder habe ich mich über eine Beurteilung so gefreut. Und wohl nie wieder hat sich ein Lehrer in meinen Fähigkeiten so geirrt. Ach ja, die Grundschulzeit war schön. . .

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„Alle Eisbärenkinder kommen bitte zu mir“, holt mich Hannes’ neue Klassenlehrerin zurück in die Gegenwart. Und wenige Augenblicke später geht es für Hannes und die übrigen Kinder der Eisbärenklasse in ihr Zuhause für die nächsten Jahre: das Klassenzimmer. Michel winkt Hannes etwas traurig hinterher. Dafür bleibt dem kleinen Bruder nun viel Zeit, mit mir den großen Schulhof zu erkunden. Es gibt ein Fußballfeld, Klettergerüste, Rutschstangen und eine Tischtennisplatte. Genügend Spielmöglichkeiten also, um sich die Knie aufzuschlagen und neue Freundschaften zu schließen. Letzteres scheint meiner Frau schon gelungen zu sein. Sie betreibt das, was man neudeutsch Networking nennt, und tauscht sich mit den anderen Eisbärenmüttern aus. Der erste Schritt zur Schulpflegschaftsvorsitzenden?

„Kannst du die Hausaufgaben nicht für mich machen?“

Hannes

Der Schulgong ertönt. Hannes’ Schulstunde ist beendet. Die Eltern verteilen sich um den Ausgang und warten gespannt, mit welchen Gesichtern ihre Kinder zurückkehren. „Da ist Hannes“, ruft Michel und entdeckt an dessen Hand einen anderen Jungen. „Ich hab schon einen neuen Freund gefunden“, rennt Hannes freudestrahlend auf uns zu und erzählt uns von Emil, der auch Fußball mag und coole Blitze auf seiner Schultüte hat.

Auf dem ersten Klassenfoto, das nun gemacht wird, sitzen die beiden Jungs nebeneinander. Die Klassenlehrerin, die Hannes’ Namen schon kennt und sehr vertraut mit ihm redet, lädt uns Eltern noch ein, das Klassenzimmer der Eisbärenkinder zu begutachten. Selbstbewusst geht Hannes vorneweg und zeigt uns den Weg in die zweite Etage. Gemütlich und bunt ist es, hier lässt es sich aushalten.

So langsam möchte Hannes aber dann doch nach Hause und endlich seine Schultüte auspacken. Am meisten freut er sich über eine Schnorchelmaske. „Kann ich jetzt in den Pool?“, fragt Hannes und erhält von uns eine Antwort, an die er wohl oder übel wird gewöhnen müssen: „Erst die Hausaufgaben!“ Auch seine schlitzohrige Nachfrage müssen wir leider verneinen: „Kannst du die nicht für mich machen, Mama?“

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