Meine erste Platte

Schon als Schüler spielte er in Jazzbands

Johannes Schmidt mit seiner ersten LP „Play Bach“ von dem französischen Jazzpianisten Jacques Loussier. Foto: Michael Schütz
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Johannes Schmidt mit seiner ersten LP „Play Bach“ von dem französischen Jazzpianisten Jacques Loussier.

Johannes Schmidt hat auf seinen Konzertreisen viele großen Musiker kennengelernt

Von Peter Klohs

Remscheid. Der Kern der musikalischen Welt von Johannes Schmidt ist seit jeher der Jazz. Gemeinsam mit seinem Sohn David ist der 74-jährige Schmidt Eigentümer des Rotationscafés an der Kölner Straße inmitten der Lenneper Altstadt.

„Mein Elternhaus war klassisch geprägt“, erzählt er. „Ich selbst habe schon in der Schule in Jazzbands mitgespielt, so richtige Dixieland-Besetzungen, die zum Teil unter abenteuerlichen Bedingungen spielten. Ich hörte damals regelmäßig die Radiosendung des 2000 verstorbenen deutschen Musikjournalisten Joachim-Ernst Berendt, der im SWF 3 immer die neuesten Jazz-Scheiben vorstellte. Und da fiel mir sofort Jacques Loussier auf. Das war eine völlig neue Musik. Den heiligen Bach so gekonnt zu verjazzen, das gefiel mir sofort.“

Und so wurde die 1959 erschienene LP „Play Bach“ des französischen Jazzpianisten zu Johannes Schmidts erster Langspielplatte. Die Originalversion besitzt er heute noch. „Gekauft habe ich die in Wuppertal bei Karl vom Kothen“, erinnert er sich.

Nach der Schulzeit stellte sich Schmidt mit seiner Klarinette unter dem Arm am Wuppertaler Konservatorium vor. „Ich konnte kaum nach Noten spielen, und mein Stil des Klarinettenspiels rief bei den Lehrern Entsetzen hervor: Die wollten den klassischen, klaren und reinen Ton, so dass man Mozarts Klarinettenkonzert spielen konnte. Jazzkurse waren bis in die 70er-Jahre noch verpönt.“ Auf der Musikhochschule in Köln verfeinerte er seine Kenntnisse des Instruments.

Johannes Schmidt war oft auf Konzertreisen und lernte so die großen Musiker persönlich kennen, die sich nicht nur im Jazz heimisch fühlten. Auch die Zeit der Liedermacher beeindruckte den Klarinettisten: Von Reinhard Mey über Hannes Wader bis Franz Josef Degenhardt hat er alle live gesehen und kennengelernt. Heute noch schätzt er die Musik von Werner Lämmerhirt („Ein großartiger Fingerpicking-Gitarrist“) und Herman van Veen („Ein Feingeist“). Jacques Loussier hat er drei oder viermal im Konzert erleben dürfen. „Der ist noch mit 84 Jahren auf Tournee gegangen“, weiß der Musikliebhaber.

Johannes Schmidt lernte den Klang einer Balalaika lieben, hatte aber von der Spielweise des Instruments keine Ahnung. Ein Lehrer in Hamburg nahm sich seiner an, und Schmidt erlernte das Spiel der dreisaitigen Balalaika. Das Ensemble Druschba wurde gegründet und tourte unter anderem mit Iwan Rebroff quer durch die Welt.

Der Free-Jazz ist nicht sein Genre

Aus dieser Zeit befinden sich noch viele russische Langspielplatten in Schmidts Sammlung. „Wir spielen immer noch alle zwei Jahre in Russland“, berichtet er. „Wir haben sehr gute Kontakte.“

Der Jazz ist jedoch sein liebster Musikstil. „Der Swing war mir schon wichtig. Die Dutch Swing College Band zum Beispiel, oder ganz besonders Benny Goodman. Das ist schon extrem hohes Niveau. Aber auch, als der modernere Jazz aufkam, waren tolle Musiker dabei: Charlie Parker, Thelonius Monk, John Coltrane. Beim Free-Jazz hat es dann für mich aufgehört. Peter Brötzmann habe ich nie verstanden.“

Im Genre der sogenannten Klassik hat er sich bis in die modernen Komponisten hereingehört: Selbst der Musik des Neutöners Karl-Heinz Stockhausen kann er lauschen. „Natürlich ist das schwierige Musik“, weiß Schmidt, „aber wenn man weiß, um was es geht . . .“ In den 60er-Jahren, ist Johannes Schmidt sicher, wurde die Basis für die Musiker gelegt, die heute die wichtigen sind. „Und ich bin froh, dabei gewesen zu sein.“

Hintergrund

Johannes Schmidt wurde 1947 im märkischen Altena geboren und wuchs in Velbert-Neviges auf. Nach seinem Musikstudium in Wuppertal und Köln gründete er 1974 in Lennep die Freie Musik- und Werkkunstschule, eine der ersten Schulen dieser Art in Deutschland, deren Leiter er bis 1996 war. 1975 gründete und leitete der Musiklehrer das Balalaika-Ensemble Druschba. 1990 wurde das Rotationstheater eröffnet. Gemeinsam mit Sohn David ist er Eigentümer des Rotationscafés.

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