Tuchmuseum

Schneiderin entwirft ein Kleid für Maria

Foto: Roland Keusch
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Silja Meise, Kostümkünstlerin und Damenschneiderin erzählte ein kleines Märchen über eine besondere Maßanfertigung. Das Lenneper Tuchmuseum war dafür genau der richtige Ort.

Corona lässt das Lesefestival schrumpfen: Im Tuchmuseum erzählte Silja Meise dennoch ein schönes Märchen.

Von Sabine Naber

Remscheid. Viel war nicht übrig geblieben vom Festival „Remscheid liest“. Das Gros der Veranstaltungen fiel den rasant steigenden Corona-Infektionszahlen zum Opfer und wurde bereits im Vorfeld abgesagt. Andere fielen aus mangels Publikum. So wartete Michael Zeller in der Welle vergebens auf eine interessierte Zuhörerschaft.

Silja Meise hatte Glück. Die Kostümkünstlerin und Damenschneiderin hatte zu einer himmlischen Geschichte unter der Überschrift „Ein Kleid für Maria“ in die Räume des Lenneper Tuchmuseums eingeladen. Sie selbst bezeichnet diesen Treffpunkt als „Literarischen Salon“, denn Conrad Rehkempe sorgte mit seiner Gitarre für die musikalische Begleitung, und die Erzählerin wünschte sich anschließend noch Gespräche im Kreis ihrer Zuhörer.

„Ob diese Erzählung nun wahr ist, das mag jeder für sich entscheiden.“

Silja Meise, Autorin

Und tatsächlich hätte sie wohl keine passendere Location für ihr modernes Märchen finden können. Nach der Lesung präsentierte die Erzählerin in einer kleinen, textilen Ausstellung auch die Ergebnisse ihrer außergewöhnlichen Maßanfertigung, um die es in ihrer Geschichte geht. Und machte nebenbei auch auf wichtige, gesellschaftliche Themen wie Recycling und bewussten Konsum aufmerksam.

Michael Zeller wartete vergeblich auf Publikum.

Ihrer Geschichte sei 2018 eine Veranstaltung im Aachener Dom vorausgegangen. Die hölzerne Marienstatue mit Jesus im Arm sollte neu eingekleidet werden, obgleich sie bereits 43 Outfits besaß. Wenige Tage später habe Maria mit Jesus auf dem Arm in ihrer Werkstatt gestanden: „Meine Kunst war ihr zu Ohren gekommen, und sie erteilte mir den Auftrag, ihr ein Kleid zu kreieren. Eins für den Alltag, um den Menschen auf Augenhöhe begegnen zu können.“ Und der kleine Jesus habe leise gefragt, ob auch er etwas Neues bekommen würde.

Silja Meise entschied sich schließlich für die Farben Blau – steht für Weisheit – und Weiß, die Farbe der Unschuld. Ein Oberkleid mit herzförmigem Ausschnitt, ein gestricktes Unterkleid und eine Kapuze aus Chiffon mit einer goldenen Kordel am Hinterkopf sollte es werden.

Sanfte Gitarrenmusik erklang im Salon, bevor die Erzählerin die Einzelheiten schilderte. Die Verzierungen wie Ösen, Strass-Elemente und Knöpfe haben den Ausschnitt geschmückt. „Seit vielen Jahren bin ich im Recycling tätig, habe eine große Sammlung ausrangierter Knöpfe“, versicherte Meise.

Bei der Anprobe habe sich Maria im Kreis gedreht und die dezente Farb- und Materialwahl gelobt. Und auf Jesus erneute Frage nach etwas Neuem für ihn, habe sie ihm eine kleine Jeanstasche mit Christusornament übergeben. Und ihm versichert, dass Taschen gerade richtig stylisch seien.

„Ob diese Erzählung nun wahr ist, das mag jeder für sich entscheiden“, hieß es am Ende. „Sehr interessant. Was es alles gibt“, staunte eine Zuhörerin. In der Ausstellung gab es dann die Entwürfe zu sehen, ebenso die übergroße Organza-Kapuze mit dem eingearbeiteten Heiligenschein, die kleinen Münztaschen aus Jeansstoff, um den Wünschen einen Platz zu geben. Und auch den Anhänger, den die Schmuckstücke zierten, die die Besucher und Besucherinnen der Heiligen Maria im Aachener Dom zurückließen. „Ich bin froh, einen so stimmungsvollen Ort, der zudem etwas mit Handwerk zu tun hat, für meine Lesung gefunden zu haben“, fasste es Silja Meise zusammen.

Leporello

Ein Leporello mit Fotos und Zeichnungen zur Erzählung „Ein Kleid für Maria“ ist im Selbstverlag erschienen. Das Büchlein, in dem über Sinnhaftigkeit, die Liebe zum Detail und Mut, an das Unmögliche zu glauben, philosophiert wird, kostet 18 Euro. Mehr Infos unter:

www.silja-meise.com.

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