Großflächige Baustelle

Ein Rundgang durch das „neue“ Schloss Burg

Direkt vor dem Schloss wurde der Pelletbunker ins Erdreich gebaut. Später wird er wieder mit Grauwacke verkleidet.
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Direkt vor dem Schloss wurde der Pelletbunker ins Erdreich gebaut. Später wird er wieder mit Grauwacke verkleidet.
  • Kristin Dowe
    VonKristin Dowe
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Der RGA begleitete Direktor Gregor Ahlmann bei einem Rundgang über die Großbaustelle.

Von Kristin Dowe

Blick in das frühere Restaurant: Die Räume sollen baulich anders aufgeteilt werden.

Solingen. An die dauerhafte Geräuschkulisse von Bohrern und Presslufthämmern hat sich Gregor Ahlmann an seinem Arbeitsplatz auf Schloss Burg beinahe schon gewöhnt. „Heute ist es geradezu leise“, sagt der Vorsitzende des Schlossbauvereins beim ST-Rundgang über die großflächige Baustelle auf dem Gelände, auf dem gleich neben der Terrasse als erstes ein klaffendes Loch ins Auge fällt. „Hier wurde letzte Woche der neue Pelletbunker eingebaut“, berichtet der Schlossdirektor. Rund 60 Kubikmeter Fassungsvermögen besitzt der Hohlraum für die Heizungsanlage, der später wieder mit Grauwacke verkleidet wird. Die Anlieferung sei nachts als Schwertransport erfolgt, gut 30 Tonnen Pellets wurden dafür in Bewegung gesetzt. Im Bergfried und im Grabentorgebäude soll schon die kommende Heizperiode damit bestritten werden.

Aufzug sorgt fürbarrierearme Zugänge

Schlossdirektor Gregor Ahlmann zeigt die Stelle an den Toilettenanlagen, wo eine Treppe entfernt wurde.

Auch im früheren Ausschankbereich für die Gastronomie hat sich bereits einiges getan: Küche und Bar sowie die Treppe zu den oberen Stockwerken wurden demontiert – an gleicher Stelle soll bald ein Aufzug eingebaut werden. Dieser spiele in dem Konzept eine zentrale Rolle, betont Ahlmann. „Mit dem Aufzug wird das gesamte Hauptgebäude barrierearm erschlossen.“

Gelichtet hat sich auch das Hofgelände im Bereich der Toiletten. Dort wurde die frühere Holztreppe entfernt, bei der es sich um einen „Zubau der 80er Jahre“ gehandelt habe, erklärt Ahlmann. Eine andere Außentreppe wurde dafür ertüchtigt. Starteten die Führungen früher mit der Rittersaalebene, werden sie bei Abschluss der Sanierung dort enden. Derweil werden die mit Bildern und Wappen versehenen Fenster nur überarbeitet. „Doppelverglasung ist da natürlich nicht möglich.“

Ein weiterer „Krater“ tut sich aktuell im Innenhof des Schlosses auf, wo gerade ein Löschwasserreservoir eingebaut wird. Für Feuerwehr und Rettungsdienst entsteht dort ein zweiter Rettungsweg. Die Baustelle gewährt einen seltenen Blick auf das alte Mauerfundament des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes, teilweise stammen die Wände aus dem 12. und 13 Jahrhundert.

Die frühere Bar im Gastro-Bereich sowie zwei Decken wurden bereits entfernt. Darüber befindet sich der Vorraum zur Kapelle.

Mit dem jetzigen dritten Bauabschnitt nähert sich die Sanierung von Schloss Burg allmählich der Zielgeraden. „Unser Ziel ist, etwa bis Herbst 2025 komplett fertig zu sein“, hofft Gregor Ahlmann. 2015 war man mit den Arbeiten gestartet, als das damalige Papiertheater einem modernen Besucherzentrum wich. 2018 folgten die Sanierung des Bergfrieds und des Grabentorgebäudes, in dem aktuell die beliebte Dauerausstellung zu sehen ist. Trotz der Großbaustelle sei die Nachfrage bei den Besuchern ungebrochen, freut sich der Vereinsvorsitzende. „2022 hatten wir 70  000 reine Schlossbesucher zu verzeichnen“, bilanziert er. „Das hat uns freudig überrascht.“

     Dieses Jahr steht Schloss Burg ganz im Zeichen der Neugestaltung der Fassaden, Außenbereiche und Innenhöfe. Ein Lichtblick: „Das Pferdestallgebäude wird wohl in diesem Jahr fertig werden, die statischen Probleme dort sind behoben.“ Ungeachtet aller Krisen der vergangenen Jahre – wie die Corona-Pandemie oder der Krieg in der Ukraine – sei die Sanierung bislang reibungslos verlaufen. Ahlmann: „Die Zeit ist unglaublich schnell vergangen.“

Hintergrund

Programm: Einige Höhepunkte des Programms auf Schloss Burg sind die Konzerte von Kasalla und Bounce (9. bzw. 10. Juni) sowie der Basar der Kunsthandwerker vom 27. Oktober bis 25. November.

Projekt: 40 Millionen Euro fließen in die Sanierung. Das Projekt wird von Bund, Land und den Städten Solingen, Remscheid und Wuppertal finanziert. Kürzlich besichtigten such OB Tim Kurzbach (SPD) sowie die Beigeordneten Dagmar Becker (Grüne) und Jan Welzel (CDU) die Anlage.

Standpunkt von Kristin Dowe: Regionale Strahlkraft

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Auch wenn eine Bauphase für alle Beteiligten naturgemäß immer eine Durststrecke darstellt – der enorme Fortschritt der Arbeiten auf Schloss Burg lässt bereits erahnen, dass sich die Mühen von zehn Jahren für das Sanierungsprojekt am Ende auszahlen werden. Mit wissenschaftlicher Expertise und viel Liebe werden historische Details wiederhergestellt – gleichzeitig wird das trutzige Denkmal energetisch auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Es ist ein positives Zeichen, dass sich die Besucher 2022 nicht von der Baustellenatmosphäre abschrecken ließen, sondern zahlreich die immer noch spannende Dauerausstellung im Grabentorgebäude erkundeten.

Von Rüstungen und Waffen bis hin zu mittelalterlichem Kunsthandwerk können dort nach wie vor die schönsten Stücke der Sammlung bestaunt werden. Die touristische Bedeutung von Schloss Burg für das Bergische Städtedreieck wird bei erfolgreichem Abschluss des Mammutprojekts wohl noch steigen – und Strahlkraft für die gesamte Region besitzen.

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