Bühne

Schauspieler Jens Wawrczeck brilliert als Rezitator

Jens Wawrczeck zog das Publikum in seinen Bann.Foto: Michael Schütz
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Jens Wawrczeck zog das Publikum in seinen Bann.

Jens Wawrczeck gestaltete in der Klosterkirche „Die Vögel“ zu einem Hörerlebnis.

Von Peter Klohs

„Ich brenne für die Filme von Alfred Hitchcock“, sagt Jens Wawrczeck, kaum dass er am Donnerstagabend die Bühne in der Klosterkirche betreten hat. Der 1963 in Dänemark geborene deutsche Schauspieler ist auch als Hörbuchinterpret (Die drei ???) und als Synchronsprecher tätig. Ihn treiben vor allem die literarischen Vorlagen um, nach denen Hitchcock seine Filme konzipierte.

Der 1963 gedrehte Film „Die Vögel“ hat es Wawrczeck besonders angetan. Die entsprechende Geschichte hat die englische Schriftstellerin Daphne du Maurier geschrieben. Mit Unterstützung von Jan Peter Pflug, der effektvolle und geradezu unheimliche Geräusche wie unheilschwangeres Windheulen und hektischen Flügelschlag aus dem Theremin zu entlocken weiß, trug er in gut 80 Minuten die Geschichte vor dreißig Gästen vor.

Die Hauptperson der mysteriösen Geschehnisse ist Nat, der mit seiner Familie an der englischen Küste lebt, direkt am Meer. Nat ist durchaus nicht unbewandert in der Ornithologie. Ihm fallen die vielen Vögel und ihre Besonderheiten auf. Ostwind ist aufgekommen, Nat ahnt grundsätzlich Böses. Der erste Vogelangriff von Rotkehlchen, Meisen und Finken wird abgewehrt. „Als hätte die Vögel mit dem Ostwind der Wahnsinn gepackt.“ Die Vogelinvasion dehnt sich schnell aus und umfasst rasch das ganze Land. Aus den kleinen Vögeln sind beim nächsten Angriff Krähen, Eichelhäher und Raben geworden, die aber dann landeinwärts ziehen.

Geschichte mit viel Herzblut präsentiert

Übrig bleiben die Möwen. Sie kreisen über dem Meer, als ob sie auf etwas warten. Schnell wird Nat klar, dass die Vögel nur bei aufkommender Flut angreifen. Das Drama entwickelt sich langsam. Der nationale Notstand wird aufgerufen, Menschen werden getötet, Flugzeuge zum Absturz gebracht. Der Grund für das Geschehen bleibt in der Geschichte (und im Film) im Nebel. Das Ende ist offen.

Wawrczeck liest die Geschichte mit hörbar viel Herzblut und verleiht auch den unterschiedlichen Stimmen gerade genug eigenes Timbre, um sie als Zuhörer unterscheiden zu können. Die Story fordert das ganze Repertoire des Vorlesers, er wird kurzatmig hektisch, wenn die Spannung ansteigt, er setzt effektvolle Pausen an angebrachten Stellen, er fällt stimmlich zusammen, wenn die Verzweiflung Nat heimsucht. Ein großer Rezitator, ohne Frage.

Die Zusammenarbeit mit Jan Peter Pflug funktioniert beinahe unheimlich perfekt. Dass der Musiker auch trefflich Akkordeon spielen kann, bewies er bei der Zugabe. Jens Wawrczeck sang – wie passend! – „Feed the birds“ aus dem Musical „Mary Poppins“.

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