Heruntergekommenes Schieferhaus

Gast-Immobilie: Schandfleck in Hasten verschwindet

Eine von mehreren abgewrackten Gast-Immobilien in unmittelbar Nachbarschaft des Richard-Lindenberg-Platzes: Das Haus Hastener Straße 42, in dem zuletzt der Raumausstatter Tapetenwechsel noch in den Schaufenstern des Erdgeschosses ausstellte, hat eine neue Besitzerin. Foto: Roland Keusch
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Eine von mehreren abgewrackten Gast-Immobilien in unmittelbar Nachbarschaft des Richard-Lindenberg-Platzes: Das Haus Hastener Straße 42, in dem zuletzt der Raumausstatter Tapetenwechsel noch in den Schaufenstern des Erdgeschosses ausstellte, hat eine neue Besitzerin.

Nach Zwangsversteigerung hat „Gast-Immobilie“ eine neue Besitzerin. Chiara Liedl kündigt Wohnbebauung an.

Von Andreas Weber

Remscheid. Der Schandfleck Hastener Straße 42 wird verschwinden. Es ist eine Nachricht, auf die der Hasten seit vielen Jahren sehnlichst wartet. Möglich macht dies ein Wechsel der Besitzverhältnisse. Am 3. November 2021 wurde ein Teil der sogenannten „Gast-Immobilien“ am hiesigen Amtsgericht zwangsversteigert. Für das heruntergekommene Schieferhaus an der Einmündung zur Büchelstraße erhielt Chiara Liedl den Zuschlag.

Die Geschäftsfrau aus Leverkusen setzte sich nach einem „erbitterten Preiskampf“, wie sie sagt, durch. Mindestgebot für das Objekt aus dem Jahr 1878 mit seinen 274 Quadratmetern Wohn-Nutzfläche und einem Grundstück von 481 m2 waren 155.000 Euro gewesen. Chiara Liedl plant neuen, modernen Wohnraum für das Haupthaus. Auch die Nebengebäude, die sich im hinteren, verfallenen Bereich neben der „Passage 44“ befinden, sollen hergerichtet werden.

„Ich muss mir zunächst einen Überblick über alle Gebäudeteile verschaffen, werde in Ruhe entscheiden, was möglich ist. Dies wird jedoch mit Sicherheit einige Monate dauern.“ Sanierung oder Abriss? Diese grundsätzliche Frage ist noch nicht beantwortet. Gleichwohl steckt Liedl voller Tatendrang. „Ich beabsichtige, aus den renovierungsbedürftigen Gebäudeteilen wieder stattliche Häuser zu machen“, kündigt die Eigentümerin an. Dabei spricht sie aus Erfahrung, verweist auf mehrere Immobilien in Remscheid, die sie bereits aufgepeppt hat. „Viele Familien mit unterschiedlichen Nationalitäten zähle ich zu meinen zufriedenen Mietern.“

„Ich beabsichtige, aus den Gebäudeteilen wieder stattliche Häuser zu machen.“

Chiara Liedl, neue Eigentümerin

Der zweite, angrenzende Teil des Besitzes von Georg Gast, das ehemalige Lager der Stahlwerke Südwestfalen und das verwaiste Ladenlokal in der Hammesberger Straße 1-3 mit einer Grundstücksgröße von 541 Quadratmetern, wurde für 83.000 Euro Verkehrswert angeboten, gelangte aber nicht zur Versteigerung. Zu den Bietern für die Hastener Straße 42, in dem in den 80er Jahren das Modehaus Paas war, hernach die Drogerie Kansy, zählte auch die Stadt.

Remscheid stieg aber aus, als der Preis in die Höhe ging. Mit einem eigenen Gebot habe man das Risiko mindern wollen, dass ein „prägendes Gebäude in Hasten“ in die Hände von Spekulanten fällt, erklärt Baudezernent Peter Heinze. Hätte die Stadt den Zuschlag erhalten, wäre im Rathaus entweder ein Konzept entwickelt worden und dieses in die Vermarktung gegangen oder die Stadt hätte die Planung selber vorangetrieben, meint Heinze.

So setzen Hastener, Verwaltung und Parteienvertreter ihre Hoffnungen in die Investorin aus dem Rheinland. „Ob Sanierung oder Neubau, aus städtebaulicher Sicht ist alles zu begrüßen, was den Stillstand an dieser zentralen Stelle beendet“, freut sich Ortspolitiker Bernd Quinting (CDU). Auch Bezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD) spricht von einem „ersten Schritt“, der beitragen könne, dass sich „weitere Türen öffnen“.

Der Richard-Lindenberg-Platz war zwar über die Jahre optisch aufgewertet worden, gleichwohl zeugte Gasts Weigerung, zu verkaufen oder selber Geld in die Hand zu nehmen, für Verfall, schäbige Fassaden und eine verärgerte Bevölkerung. „Ich kenne es nicht anders mehr“, spricht Mähler von einer „gefühlten Ewigkeit“ bei diesem trostlosen Anblick im Herzen des Hasten.

Zwischendurch kursierten immer wieder Meldungen, die darauf deuteten, dass etwas in Bewegung kommen könne. Im Juli 2017 hatte der RGA berichtet, dass die Brache wiederbelebt werde. Discounter Tedi hätte Interesse gehabt als Nachfolger des Netto einzuziehen, deutete damals Georg Gast, der nebenan eine Fahrschule betreibt, dem RGA an.

Auch der Hastener Unternehmer Richard O. Bremicker hatte sich als Vermittler betätigt, war mit Gast unter Hinzuziehung eines Geldinstituts im Dialog, um ihn vom Verkauf zu überzeugen. Bremicker wäre auch selber als Investor aufgetreten, um zur Aufwertung seines Ortsteils beizutragen.

Bremicker hätte sich an der Stelle eine Altenpflege und ein Café vorstellen können. Georg Gast tat jedoch weiterhin nichts an seinem Hab und Gut. Bis die Zwangsversteigerung nun Fakten schuf.

Georg Gast kaufte Immobilie 1990

Im Dezember 1990 hatte Georg Gast die Immobilie Hastener Straße 42 erstanden. Es wurde gemunkelt, dass Gast das Objekt erstanden habe, weil er darauf spekulierte, dass an der Einmündung von der Hastener in die Büchelstraße eine Abbiegespur kommen und die Stadt Interesse zeigen werde, Gast das Haus abzukaufen. Diese Überlegung zur Verkehrsplanung gibt es aber bei der Stadt schon lange nicht mehr.

Standpunkt: Verschenkte Jahre

Von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Was hätte aus den 1000 Quadratmetern Fläche im Hastener Zentrum alles werden können. Die seit vielen Jahren dahingammelnden Immobilien des Georg Gast sorgten in der an sich so vitalen „Filiale“ immer wieder für Kopfschütteln. Ob am Richard-Lindenberg-Platz weiterer Handel, Gastro, Wohnen oder ein Heim Einzug hält, alles bedeutet Leben und beflügelt die Stadtteilplanung. Stattdessen stellte sich der heute 81-jährige Hausherr quer, versprach einiges, hielt nichts, ließ sein Eigentum verfallen anstatt dieses instandzusetzen oder zu verkaufen. Eigentum verpflichtet heißt es in Artikel 14 des Grundgesetzes. Sein Gebrauch solle zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen, heißt es weiter. Rechtlich hat sich der Besitzer nichts zu Schulden kommen lassen, gleichwohl hat er dieser Allgemeinheit einen Bärendienst erwiesen. Alle haben unter diesem optischen Desaster gelitten. Viele Jahre wurden auf diese Weise verschenkt. Für die neue Besitzerin erwächst aus dieser Historie eine Verantwortung: Sie bringt ein Filetstück auf Vordermann und kann dadurch dem Hasten einen Schub verleihen.

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