Hobby

Schallplatten und Oldtimer sind seine Leidenschaft

Im Ponton verbinden sich Edmund Ullrichs Leidenschaften Autos und Musik.
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Im Ponton verbinden sich Edmund Ullrichs Leidenschaften Autos und Musik.

Der Remscheider Edmund Ullrich hat einen Bestattungsanhänger aus den 60er Jahren restauriert.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. In Bärbel und Edmund Ullrichs Haus gibt es in jedem Zimmer etwas zu entdecken. Im Wohnbereich sitzen zwei Schaufensterpuppen an der Bar. Einen Raum weiter steht eine Konzerttruhe aus den 50er Jahren mit Plattenspieler, Radio sowie integrierter Bar. Und auf Kommoden und in Vitrinen hat Edmund Ullrich seine knapp 250 Modellautos positioniert. An fast allen spielt sich mit Miniaturfiguren eine kleine Szene ab. Mit mindestens genauso viel Liebe zum Detail pflegt der 70-Jährige seine wohl größten Schätzchen: einen Mercedes-Benz Ponton, Baujahr 1960, und den passenden Westfalia-Begräbnisanhänger. Beide hat der Remscheider mit hohem Aufwand restauriert.

„Die haben Charakter. Das sind richtige Ikonen.“
Edmund Ullrich über Oldtimer

„Oldtimer begleiten mich mein ganzes Leben“, sagt Edmund Ullrich. Bis vor einigen Jahren musste sich der pensionierte Finanzmakler seine Freizeit allerdings gut einteilen. Denn auch Marathon gehörte zu seinen Hobbys. Mehr als 30 Läufe hat er beendet. An den Start gegangen ist er unter anderem in Kapstadt, Wien, London und New York. Nach einem schweren Unfall musste er sportlich jedoch kürzertreten. Seine Auto-Leidenschaft ist ihm geblieben. Ein Ausgleich für den 70-Jährigen: „Es ist interessant, was bei den Autos früher technisch möglich war. Die haben Charakter. Das sind richtige Ikonen.“

Der Ponton 2015 bei der Röntgen Classic.

Edmund Ullrich besitzt mehrere Fahrzeuge. Das meiste Herzblut steckt jedoch in seinem zweifarbigen 1960er Mercedes 180 der Baureihe W 120. „Den habe ich vor über 30 Jahren in einem bejammernswerten Zustand gekauft“, erinnert sich Ullrich. „Als er nach Hause kam, war mein erster Gedanke: Der Wagen ist schrottreif“, sagt seine Frau lachend. Die Preisverhandlungen fanden seinerzeit in einer Kölner Kneipe statt. Heute ist das Fahrzeug ein Vielfaches wert.

Ständige Begleiter der Ullrichs auch im Auto: Schallplatten.

Für diese positive Entwicklung ist Edmund Ullrich zu einem großen Teil selbst verantwortlich. Mehr als 2000 Arbeitsstunden hat er laut eigenen Schätzungen in den Wagen gesteckt. „Viel habe ich mir selbst beigebracht.“ Inzwischen komme es sogar vor, dass ihn wegen seines Wissens Profi-Schrauber um Rat bitten.

So sieht der umgebaute Bestattungsanhänger von innen aus.

Neben den technischen Grundlagen – nach 636 000 gelaufenen Kilometern wurde der Motor komplett überholt – hat Edmund Ullrich auch ein Auge für Kleinigkeiten. So befinden sich im Kofferraum etwa ein Schuhkoffer, ein Picknick-Set und auf der Hutablage steht ein Wackeldackel, dessen Augen beim Bremsen rot leuchten. Bei Experten und im Netz findet Ullrich Ersatzteile für seine Fahrzeuge. Er ist in der Szene gut vernetzt. Zudem arbeitet er mit einem Teile-Scout zusammen, der den Markt für ihn beobachtet.

Seit 47 Jahren sind die Ullrichs verheiratet. Die Oldtimer nehmen in ihrer Freizeit eine große Rolle ein. Regelmäßig sind sie am Wochenende auf Tour, nehmen an Ausfahrten wie Hasten Historic sowie Röntgen Classics teil und sind ein Hingucker bei Stadtfesten und Oldtimertreffen. „Bei gutem Wetter sind wir immer unterwegs“, sagt Bärbel Ullrich.

Seit einigen Jahren sind sie dabei eine noch größere Attraktion. Denn in mehr als 800 Arbeitsstunden hat Edmund Ullrich einen Westfalia-Bestattungsanhänger, Baujahr 1967, saniert. Mit seinem individuell angefertigten Kotflügel, der Lackierung und den Weißwandreifen passt er optisch perfekt zum Ponton. Im Inneren ist die Ausstattung inklusive Sargschiene und Sargschlitten noch enthalten. Doch es gibt auch ein paar Extras. So lassen sich ein Tisch und Bänke inklusive Baldachin ausziehen. Bei längeren Touren wird diese Konstruktion jedoch demontiert und die Ullrichs übernachten in dem Sargwagen. „Da gucken die Leute“, sagt Bärbel Ullrich.

Dass sich in den Türen des Anhängers neben einer Bar auch ein CD-Spieler befindet, deutet auf eine zweite große Leidenschaft des Ehepaars hin: die Musik. Sie ist bei den Ullrichs ein fester Bestandteil des Alltags. Allein mehr als 300 Singles als Schallplatten können sie vorweisen. Die musikalische Bandbreite reicht von Fleetwood Mac bis zum Lüttringhauser Posaunenchor.

Vereinen kann Edmund Ullrich die Bereiche Oldtimer und Schallplatten in seinem Mercedes 180. Den hat er mit einem Auto-Schallplattenspieler aufgerüstet. Bei einer Aktion des Automobilclubs von Deutschland hat der Remscheider im vergangenen Herbst Bewohner einer Wuppertaler Senioreneinrichtung durchs Bergische kutschiert. Dazu liefen die Schallplatten ihrer Jugend. Ihre Wirkung verfehlte die Fahrt nicht. „Manche Herrschaften haben danach ihren Rollator vergessen.“

Technische Daten

Edmund Ullrichs Mercedes 180 wurde im Jahr 1960 gebaut. Der Vier-Zylinder-Benzinmotor hat eine Leistung von 68 PS. Bei dem Bestattungsanhänger handelt es sich um den Typ 250 G des Herstellers Westfalia.

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